Düsseldorf. Der letzte Rundgang im alten Jahr bringt noch einmal einige Höhepunkte der Kunst. „Vaseline“ ist ein Ladenlokal von Rolf Buck, der Dinge vom Flohmarkt sammelt und daraus phantastische Lampen, schräge Adventskränze und sonstige Kuriosa bastelt. Gebrauchsgegenstände werden umfunktioniert. Er spricht vom „Re-Design“, das er in Köln an der Ecosign-Akademie für Gestaltung studiert hat, bevor er sich in der Düsseldorfer Altstadt niederließ, unweit von der Kunstakademie. Akademie-Professor Tal R. hat ihn entdeckt und überredet, ihm einen seiner Hinterräume zu überlassen. Jeweils ein Professor will dort Unalltägliches zeigen, um die Düsseldorfer und natürlich die eigenen Studenten auf neue, noch nicht marktgängige Bilder zu bringen.
Dort gibt es eine besondere, wie zufällig arrangierte Schau: Eine große Schlange etwa zieht sich wie eine Spirale zusammen, um in der Mitte drei Eier zu umzingeln. Oder ein Leporello zeigt leichtfüßig dahingesetzte Farbspuren. Tal R. möchte jenen schmalen Grat bewusst machen, der zwischen Nichtigem und Kunst, zwischen Erdnussbutter auf Leinwand und einem phantastisch bedruckten T-Shirt, zwischen Schrott und Kunst liegt. „Ich liebe Kunst, die wie ein Speise-Eis ist, das schmilzt“, sagt er im Gespräch. „ Kunst darf nicht pathetisch einher gehen.“
• Vaseline, Rolf Buck, Wallstr. 10, bis 2. 2., Telefon 0160/78 66 334
Chinesische Spatzen. Die Halle 6 ist sehr groß, Julia Lohmanns gespachtelte und gepinselte Farben haben kaum Halt. Blau, Bleimennige oder Gelbgrün scheinen mit Materialien wie Schwefel und Wachs davonzudriften. Doch im letzten Drittel der Halle kommt ihre Kunst zu sich selbst. „Chinesische Spatzen“ heißt die Installation, die auf eine Vogelart verweist, die es nicht gibt, die nur Einbildungen sind.
Ihnen baut sie einen Käfig als hohes Sechseck, umgibt ihn mit Bienenwachs, transparenten und opak wirkenden Wänden sowie mit durchsichtigem Fliegennetz. Der Käfig ist ein hohes Sechseck, umgeben von Farben, die aus Schwefel und Phosphor, Zitrone, Safran und Sonne entwickelt sind. Ein geistiger Raum und ein goldener Käfig, auf alle Fälle ein exotisches Vogelhaus. Im vorderen Teil des Raumes zeigt sie Aluminium-Bleche, die das Elektrolyse-Bad hinter sich haben, das die Poren öffnet, um die Pigmente wie in eine poröse Haut eindringen zu lassen. Es atmen die Objekte, schillern die Farben und fliehen beinahe den Raum.
• Halle 6, Galerie Christine Hölz, Neumannstraße 2, bis 21. 1., Telefon 0211/62 181 62
Augen-Kunst. Der pensionierte Akademieprofessor Jan Dibbets (65) untersucht den Blickwinkel, aus dem heraus wir die Wirklichkeit wahrnehmen. Sein Werk ist einfach und konzeptionell wie in jenen 60er Jahren, als ihn Konrad Fischer entdeckte.
Die neue Serie hat den Horizont, das Land und das Meer zu Motiven vereint, deren Aufnahmen er um 180 Grad dreht, so dass der Betrachter glaubt, er habe die Landschaft zugleich vor seinen Augen und hinter seinem Rücken. Er fotografiert einen Ausblick aus einem Rundfenster, hält jedoch die Kamera so schräg zum Motiv, dass sich das Fenster wie durch eine Gummilinse verzerrt und zum Oval wird. Da dieses Fenster jedoch einen dicken Rahmen hat, verbiegt es sich in ein äußeres und ein inneres Oval. Zugleich wirkt die Bleiverglasung am Fenster wie das Raster einer Großbildkamera zum Ausgleichen der Schrägen.
Das menschliche Auge versucht im Angesicht dieser Kunst vergeblich, die Motive zurechtzurücken. In den jüngsten Arbeiten kehrt Dibbets zu seinen Anfängen zurück, indem er den Neigungswinkel der Kamera ändert und dadurch die Statik des Abbilds relativiert. Er hängt quadratische Formate schräg, so dass sie trapezförmig wirkten. Oder er hält die Kamera schief und hängt das Bild schräg auf, bis er den üblichen, waagerec++hten Horizont hat.
Beim Blick auf derlei Werke hat der Besucher den Eindruck, der Raum werde gleich abheben und sich bewegen.
• Galerie Konrad Fischer, Platanenstr. 7, bis 3.2., Telefon 0211/685-908
Kunst aus dem Schatten. Richard Tuttle ließ die Neonröhren bei Schmela ausschalten und durch notdürftig verkabelte Glühbirnen ersetzen.++ Dadurch gewinnen die kleinen Papiermaché-Arbeiten eine gewisse Magie. Der Verweis auf Joseph Beuys, der mit der Taschenlampe seine Steinblöcke zum „Ende des 20. Jahrhunderts“ ausleuchtete, stellt sich ein.
Tuttle, der Weltreisende, dessen Kunst in ein Köfferchen passt, liebt das Minimalistische. Seine Objekte werden mit einem bloßen Nagel durchstoßen, um an der Wand zu haften. Sie glitzern etwas, sie assoziieren Dinge, die den Zauber des Nichtigen haben. Sie werfen Schatten, der sie körperhaft erscheinen lässt.
• Galerie Schmela, Mutter-Ey-Straße 3, bis 20. 1., di - fr 11 - 18, sa 12 - 16 Uhr, Telefon 0211/159 76 47
Rätsel. Susa Templin fotografiert, um das Material anschließend zu zerschneiden, falten, übermalen und bekleben. Aus derlei Fototeilen, aber auch aus Pappe, Filz, Seide, Geschenkpapier und Alufolie baut und steckt sie kleine Modelle, die sie abermals fotografiert. Ein immer wiederkehrendes Geben und Nehmen. Das Resultat ist wie ein Verwirrspiel.
Dachluken, Hinterhoffenster, reflektierende und opake Materialstreifen führen durch eine Großstadt, ohne dass wir wissen, nach welchem Maßstab und für welche Zwecke sie gebaut ist. Die Fotofragmente besitzen eine merkwürdige Schönheit. In der Off-Galerie Rachel zeigen auch Peter K. Koch und Andreas Korte Malerei und Videos.
• Projektraum Rachel, Hermannstr. 44, bis kommenden Sa, do + fr 16 - 19, sa 11 - 14 Uhr




