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LokalesWuppertalKultur
29. März 2007 - 00:00 Uhr
Oper: „Carmen“ wird ein Krimi
von Valeska von Dolega
François De Carpentries inszeniert erstmals im Tal – und träumt schon lange von der Zigeunerin.
 
 

Wuppertal. François De Carpentries erzählt ein Menschenleben in der Oper „Carmen“, die morgen um 19.30 Uhr Premiere im Schauspielhaus hat. „Ich finde die Figur außergewöhnlich und faszinierend“, erklärt der Belgier. „Diese Oper wollte ich schon immer inszenieren.“

Bei seinem ersten Gastspiel im Tal hat er nun Gelegenheit, den von Georges Bizet 1875 komponierten Klassiker in Szene zu setzen. Auch das ist für ihn eine Premiere – von dem Stoff hatte er schon lange geträumt, ihn aber bislang nie realisieren können.

„Carmen“, diesen „Inbegriff von Freiheit“, bringt De Carpentries nicht, wie sonst so viele andere, als folkloristisches Spektakel oder auf den sexuellen Aspekt reduziert auf die Bühne. Das „moderne und zeitlose Thema“ wird wie ein Kriminalfall aufgerollt, nichts soll von der eigentlichen Handlung ablenken. Oder wie es der Belgier ausdrückt: „Nichts soll den Blick auf Carmen und Don José verstellen.“

Also bedient sich der Regisseur eines Kunstgriffs: Eine Zigeunergruppe rekonstruiert die Geschichte wie bei einem Verhör, die tödlich endende Liebesgeschichte wird an der Kluse in Rückblenden erzählt.

Gesungen wird auf Französisch, gesprochen auf Deutsch

Weil diese Rekonstruktion als Ortstermin aufgeführt wird, bei dem „der Fall ‚Carmen‘ nachgestellt wird“, verlangt er große Authentizität und Echtheit. „Deshalb wird die Bühne wenig von dekorativen Elementen zugestellt“, erklärt Bühnenbildner Siegfried E. Mayer. „Denn zu viel Deko verharmlost.“

In einer improvisierten Landschaft, in der die Akteure mit einfachen Utensilien neue Lokalitäten entstehen lassen, „helfen Direktheit und Echtheit den Sängern, direkt vor den Zuschauern zu erscheinen“. Dahinter steckt eine Idee wie beim Film noir: Ohne (Be-)Wertung und Taxierung soll das Publikum so nah wie möglich an die einzelnen Figuren herankommen.

Unter musikalischen Gesichtspunkten trifft diese „Carmen“ mit abwechselnd gesprochenem Wort (Deutsch) und Gesang (Französisch) exakt die ursprüngliche Fassung Bizets.

Zwei extreme Figuren und eine Frage: Wie kann man Liebe leben?

„Eine kluge und poetische Entwicklung, in der sich alle Möglichkeiten von Musiktheater wiederfinden“, sagt der Belgier und meint lyrische Momente, Klänge wie Militärmusik und operettenhafte Elemente wie das Schmugglerquartett. Am Ende steht unwiderruflich Carmens Tod.

Die oft zur exotischen Zigeunerin verkitschte Hauptfigur lässt sich nicht domestizieren und lebt nach eigenen Gesetzen. Carmens Beziehung zu Don José ist die Geschichte zweier Menschen, deren Vorstellungen von Liebe nicht vereinbar sind.

Durch das Gegeneinander zweier Extreme thematisiert Bizet eine grundsätzliche Frage: Was ist Liebe, wie kann man sie in die aktuellen gesellschaftlichen Konventionen überhaupt für sich selbst erkennen und leben?

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