Düsseldorf. Tita Giese ist keine Landschaftsarchitektin oder Blumenkünstlerin. "Sagen Sie einfach: Tita Giese!" Die Erfolge am Ahnfeldplatz, an der Berliner Allee und das neue Projekt am Stresemannplatz haben eine lange Vorgeschichte und kosteten sie manche unliebsame Schlagzeile.
Angefangen hatte Tita Giese in den 70er Jahren im Umkreis der Beuys-Klasse auf einem Hinterhof am Greifweg. Dort nahm sie das Kopfsteinpflaster heraus und stellte Versuche mit Unkraut an. "Ich habe es so behandelt, als sei es wertvoll." Heute sagt sie: "Ich trenne bei meinen Projekten nicht zwischen Unkraut und Zierpflanzen. Es hängt vom Konzept ab, ob es Unkraut ist oder nicht."
Sie experimentierte mit Champignons und Austernpilzen. Am Ahnfeldplatz ist eine blasse Koralle plötzlich da gewesen, ein seltener Pilz. "Pilzsporen sind überall in der Luft", erklärt Giese.
Ihr Geld verdiente sie mit Werbung für Investitionsgüter, für Maschinen und Industrieanlagen. So lernte sie, Kampagnen durchzuziehen. "Ein Projekt wie der Stresemannplatz muss strategisch geplant werden. Ich weiß, wie man Kosten, Zeitplan und Logistik aufstellt und mit den Straßenbauern koordiniert." Sie lobt die Verkehrsamtsleiterin Andrea Blome sowie den Gartenamtsleiter Manfred Krick, und denkt zugleich mit Schrecken an den Streit mit der Bürokratie in der Vergangenheit.
1978 kam der erste Auftrag für 10 000 Mark auf der Ronsdorfer Straße, es war die letzte Straßeninsel Richtung Oberbilk. Tita Giese freute sich zu früh, denn der Boden enthielt unter einer dünnen Erdschicht Schotter und Betonbrocken vom Eisenbahnbau. Als sie die Baumbügel entfernte, gab es die erste Anzeige. Unter anderem warf man ihr vor, sie hätte Maschinengewehre im Sumpfbecken vergraben. Als sie unalltägliche Pflanzen setzte, wurden Unkraut-Vernichtungsmittel gespritzt.
Sie erhielt trotzdem den Auftrag für die erste Straßeninsel auf der Berliner Allee, unterhalb der Gabelung des Tausendfüßlers. Sie setzte grasartige Pflanzen als Grundstruktur, und kombinierte sie mit Wolfsmilch und Kamille. Das Gartenamt befahl: "Sofort entfernen, Kamille kann sich in der ganzen Stadt aussäen." Die Wolfsmilch wurde vom Gartenamt entfernt, dabei wurden alle Gräser zertrampelt.
Als sie auf der Insel am Übergang zur Immermannstraße Rhabarber, Pilze und Sumpfpflanzen setzte, beschied der Dezernent, man befinde sich im Düsseldorfer Zentrum und nicht im Schrebergarten. Tita Giese: "Einflussreiche Landschaftsarchitekten hielten mich im besten Fall für idealistisch, im schlimmsten Fall für verrückt. Ich bin ja für die kein Fachmann. Ich habe nie vorhandene Dinge im Kopf, sondern Bilder aus der Natur. Von der Natur kann man lernen, wie Strukturen aussehen." Der Rhabarber blieb stehen.
Sie ließ nicht locker, erhielt den nächsten Streifen der Berliner Allee zugesprochen, setzte Paeonien, die in China seit 3000 Jahren veredelt werden, neben Schilf und Bambus. "Ich liebe hochgezüchtete neben wilden Pflanzen, Kultur und Wildform. Das gilt ja auch für die Stadt, wo alles nebeneinander ist." Wie auf Müllhalden sah sie Ligusterhecken neben den Straßenbahngleisen mit weißen Blüten vor sich.
Dazwischen säte sie 45 Samenarten. Als sie die Baumscheiben an den Bürgersteigen einsäte, ließ das Gartenamt in einer Nachtund Nebelaktion sämtliche Baumscheiben roden. Der Aufschrei: Unter den 45 Wiesensorten befand sich auch Cannabis. Da textete die Boulevardpresse: "Cannabisplantage auf der Berliner Allee".
Tita Giese: "Unter Polizeiaufsicht, begleitet von Fernsehkameras, wurde alles rausgerissen." Eine FH-Professorin wurde eingeschaltet, die japanische Kirschbäume zwischen Gräsern und rosa Rosen vorschlug.
Schließlich traten Kulturdezernent Hans-Heinrich Große-Brockhoff und die Kulturpolitiker als Retter auf, Gieses Projekte wurden dem Gartenamt weggenommen und dem Kulturdezernat zugeschlagen. Als "Entschädigung" für all ihren Ärger gab es 1990 den schmalen Streifen neben dem Tausendfüßler, den Schienen und dem Autoverkehr. Sie setzte extrem hohen Bambus, Schilf und Sachalinknöterich mit riesigen Blättern und weißen Blüten im Oktober. Daneben liegt die Farninsel zwischen der Johanneskirche und der Rampe des Tausendfüßlers mit Farnen, Bambus, tränenden Herzen, Drachenschwänzen, Christrosen und Alpenveilchen.
Eines ihrer international beachteten Projekte waren 1994 die sieben Inseln zwischen den Gebäuden am Flughafen. Die Brandkatastrophe machte dieses Projekt zunichte.
Mit der Euroga von 2002 kam das Geld für einen Weg zwischen einer Palmenallee, zwischen Immermannstraße und dem Platz der Deutschen Einheit. Als sie dort später acht Tage lang die vorhandenen Bäume auslichten ließ, tönten Experten, alles sei unfachmännisch beschnitten, werde abfallen, müsse gefällt werden. Es ging alles gut, eine der schönsten Stellen der Stadt wird nun bewundert.
Ein anderes Beispiel ist der Ahnfeldplatz an der Rethelstraße, der öde darnieder lag, bis Tita Giese eines Tages CDU-Bezirksvorsteherin Annelies Böcker bei Aldi traf. Diesmal hielten sich die Streitereien im Grenzen. Als man den Platz für die Aktion "PlatzDa" vereinnahmen wollte, drohte sie mit einem Anwalt. "Ich will mit dem Kitsch von `PlatzDa` nichts zu tun haben." Und die Bevölkerung? Tita Giese: "Die einen betrachten den Platz mit einem Kirchentagsblick, die anderen schimpfen über die Geldausgaben."
Im neuen Jahr wird der Stresemannplatz aufgerissen, der Kreisel gesperrt. Im Frühjahr 2007 wird Tita Giese "Düsseldorfs schönsten Platz" erschaffen, als schwarzes Rund mit elf Inseln, die wie Rallyebahnen mit Autoreifen eingefasst sind. Auf diesen wachsen 67 säulenartige, hohe Yuccas ohne Düngung und ohne Bewässerung. Anfang März 2008 werden 10 000 Wildkrokusse blühen, als zartblauer Schleier auf den Flächen. Die immergrünen Yuccas bilden im Frühsommer spektakuläre, weiße Blütenstände.

