Wuppertal. So mancher Gegner des Wuppertaler SV hat im Stadion am Zoo „Beton angerührt“. In der Fußballersprache beschreibt man so die Taktik einer Mannschaft, die voll auf die Defensive setzt. In die Offensive geht dagegen wieder die Stadt Wuppertal nach einem vierwöchigem Baustopp im Stadion am Zoo.
Langzeitarbeitslose, so der Plan, sollen die für die Stehstufen benötigten Fertigbauteile in einer Art Feldfabrik vor Ort herstellen und dafür ab August im großen Stil „Beton anrühren“. So will die Stadt wie berichtet im geplanten Kostenrahmen von 800 000 Euro bleiben.
„Es gibt keinen anderen Weg, um dieses Projekt zu finanzieren und zu realisieren,“, behauptet Stadtdirektor Johannes Slawig.
Thomas Lenz, Geschäftsführer der Arge: „Das Projekt ist gemeinnützig und sinnvoll, weil wir 25 Langzeitarbeitslose unter fachlicher Anleitung für Arbeiten am Bau qualifizieren. In ganz Deutschland und im benachbarten Ausland werden derart qualifizierte Schaler und Betonbauer gesucht.
Auf vier ungelernte Arbeiter wird jeweils eine Fachkraft von der Gesellschaft für Berufliche Bildung kommen. Gewünscht ist eine Verknüpfung mit dem WSV-Fanprojekt, denn unter den Anhängern des WSV sind Menschen, die auf die Chance auf dem 2. Arbeitsmarkt hoffen.“
„Ärgerlich ist nur, dass wir darauf nicht früher gekommen sind“, meint Hans-Uwe Flunkert, Leiter des Gebäude-Managements, der wegen des Baustopps in die Kritik geraten war. 1600 Stufen müssen gegossen werden, an Beton fehle es auf dem Markt nicht, dafür aber an Fertigteilen. „Drei Schaltische werden benötigt. Wir beginnen in der Kurve, wo die WSV-Fans stehen sollen. Man wird sehen, wie zügig die Produktion anläuft. Das kann 160 Tage oder ein Jahr dauern.“
„Wir drücken im Rathaus alle dem WSV die Daumen und wünschen uns eine stimmungsvolle Fußball-Arena“, sagte Oberbürgermeister Peter Jung. Zustimmung gibt es auch vom Wuppertaler SV für das neue Konzept.
PROTEST aus der KURVE
Kommentar von Andreas Boller
Man stelle sich die alten Römer vor. Was hätten die wohl von einem Baustopp im Kolosseum gehalten. Da wäre wohl der eine oder andere Löwe los gewesen.
Ganz so dramatisch ist die Situation für unsere Stadionbauer im Barmer Rathaus in den vergangenen Wochen zwar nicht gewesen, doch verbal hat es gewaltig Prügel in Form von Kommentaren und Leserbriefen in der Westdeutschen Zeitung gesetzt.
Und der „Druck aus der Kurve“ hat zum Glück bewirkt, dass mit Nachdruck weiter über Lösungen nachgedacht worden ist. Schlecht waren die Ideen für die Fußball-Arena ohnehin nicht. Man muss sie allerdings umsetzen können.




