Düsseldorf. Viele Sportler träumen davon, einmal bei Olympischen Spielen dabei zu sein. Für die Düsseldorferin Alicia Mandl geht dieser Traum praktisch über Nacht in Erfüllung. Die 15-jährige Schwimmerin, die im Cecilien-Gymnasium die elfte Klasse besucht, hat ihr Olympia-Ticket für die Sommerspiele 2008 bereits in der Tasche. „Lizzy“, wie sie von ihrem Trainer Torsten Petsch (46) genannt wird, trainiert zwar erst seit knapp einem Jahr, kann aber in Peking für Äthiopien starten. Ein Land, das noch nie in der olympischen Geschichte einen Schwimmer im Olympia-Team hatte.
Mutter Menen stellt den Kontakt zum NOK Äthiopiens her
Dass das Olympia-Märchen unter der Flagge der großen Läufer-Nation so kurzfristig wahr werden kann, verdankt die Schwimmerin des DSC Düsseldorf ihrer Mutter Menen Tafesse-Mandl, einer Äthiopierin, die mit dem Düsseldorfer Michael Mandl verheiratet ist, und DSC-Trainer Petsch, der die olympischen Regularien kennt. „Äthiopien gehört zu den ärmsten Ländern der Erde und wird über ein Programm für Entwicklungsländer vom Internationalen Olympischen Komitee finanziell unterstützt“, sagt der Diplom-Sportlehrer, der die Idee hatte, beim Nationalen Olympischen Komitee (NOK) Äthiopiens vorstellig zu werden. Gesagt, getan: Mutter Menen, eine Marathon-Läuferin, nahm Kontakt mit dem afrikanischen NOK auf – und stieß dabei auf offene Ohren. Natürlich musste Alicia auch eine Qualifikationsnorm unterbieten. Doch die 1:15 Minuten über die 100 m Freistil stellten für die Düsseldorferin keine allzu hohe Hürde da.
„Sie wird bei den Spielen wohl 1:06 schwimmen. Und wenn sie fleißig weiter trainiert irgendwann auch unter eine Minute und vielleicht auf 57 oder 58 Sekunden kommen“, ist sich Petsch sicher. Zeiten, die in Deutschland derzeit bei weitem nicht zur Olympia-Qualifikation reichen würden. Britta Steffen (Berlin) hält mit 53,30 Sekunden den Weltrekord.
In der Schule wissen nur wenige vom Peking-Start
Die gebürtige Düsseldorferin, die in der Schule die siebte Klasse überspringen durfte, kann ihr Glück so wirklich noch nicht fassen. Entsprechend flach hält sie den Ball. „Nur meine Direktorin und einige Lehrer sowie meine engsten Freunde wissen davon. Ich kann das Ganze noch gar nicht realisieren und lasse alles auf mich zukommen“, sagt die Freistilschwimmerin, die in China über 50 m, 100 m und 200 m starten will. Dass sie als dann 16-jähriges „Küken“ nicht ganz allein im Olympischen Dorf ist, dafür wollen ihre Düsseldorfer Trainingspartner Mitja Zastrow und Marina Kuc sorgen.
Während sich der Mettmanner Zastrow über 100 m Freistil zum zweiten Mal für das niederländische Olympia-Team qualifizieren will, wird Marina Kuc über 100 m und 200 m für Herzegowina ins Wasser springen. Auch DSC-Trainer Petsch will in Peking vor Ort sein und seine Aktiven zu Höchstleistungen antreiben.
Alicia trainiert schon wie ein Profi
Sorgen, dass sie ihre Rennen ähnlich wie Eric „der Aal“ Moussambani bei den Sydney-Spielen 2000 beenden wird, braucht sich Alicia Mandl jedenfalls nicht zu machen. Der Schwimmer aus Äquatorial-Guinea hatte erst acht Monate vor den Jahrtausend-Spielen Schwimmen gelernt und wäre beim Vorlauf über 100 m Freistil nach schier endlosen zwei Minuten fast ertrunken.
Dagegen ist „Lizzy“ schon ein echter Profi. Achtmal wöchentlich wird sie im Flingerner Allwetterbad für das große Ziel Peking trainieren. Die letzte Düsseldorferin bei Olympischen Spielen war übrigens Annette Hadding, ebenfalls eine Freistilschwimmerin, die 1992 in Barcelona dabei war. Damals war Alicia Mandl gerade zur Welt gekommen.
Alicia Mandl
Geboren 16. Mai 1992 in Düsseldorf
Schule Cecilien-Gymnasium in Düsseldorf, 11. Klasse
Verein DSC Düsseldorf
Heimtrainer Torsten Petsch
Hauptstrecken 50, 100 und 200 m Freistil



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