Wuppertal. Hoch oben, auf dem malerisch gelegenen Berg, lauert ein „Interpretationsloch“. Dirk Peppel registriert es gelassen – wohl wissend, dass er seine drei Schützlinge retten wird, bevor sie einen Tiefpunkt erreichen. Bei dem Flöten-Experten der Wuppertaler Musikhochschule fällt keiner in ein mentales Loch.
Der 43-Jährige nimmt jede musikalische Hürde, wie es ihm und seiner Klasse gefällt – mit Humor, Fachwissen und ganz viel Geduld. Denn an Takt 48 führt kein Weg vorbei. Jedenfalls nicht heute Abend. Wenn Studenten und Dozenten um 18 Uhr die „Internationale Festwoche europäischer Musikhochschulen“ in Montepulciano eröffnen, wird nicht nur Wuppertal, sondern auch Joseph Haydn vertreten sein. Sein „Londoner Trio C-Dur“ haben sich zwei Damen und ein Herr ausgesucht: Seit Montag bereitet sich Maxim Chataev (Violoncello) in der Toskana auf den ehrenvollen Auftritt an der Seite von Antje Saathoff und Carolin Katzenburg vor. Die beiden Studentinnen spielen gerne – mit der Flöte genauso wie mit Komponistennamen. „Wir haben einen Haydn-Spaß.“ Genau das könnte das heimliche Motto des Meisterkurses in Montepulciano sein.
Offiziell wandeln 40 Studenten und Dozenten in erster Linie auf den Spuren von „Johann Sebastian Bachs Söhnen und Wolfgang Mozart“. Ihr täglicher Weg führt in den Palazzo Ricci, der noch bis Sonntag fest in bergischen Händen ist. Egal, ob mit Geige, Flöte oder den eigenen Stimmbändern: Der Wohlklang, den die Wuppertaler in verschiedenen Sälen verbreiten, ist nicht zu überhören – selbst in den umliegenden Gassen nicht. Niederländer sind deshalb nicht weniger verblüfft als Amerikaner oder Franzosen: Die Touristen bleiben stehen, staunen und lauschen.
Lob und Dank von höchster Stelle
Was sie nicht sehen: Im Innern gleicht das Renaissance-Gebäude derzeit einem „Krankenhaus“. Dirk Peppel ist zwar kein Arzt, aber ein Meister der Motivation. Wenn er im Verdi-Saal aufs Tempo drückt und einzelne Passagen taktvoll wiederholen lässt, klingt das diplomatisch („Ich sehe, es gibt noch Übebedarf“), aufmunternd („Du bist zu kleinlaut, du darfst bissiger sein“) und präventiv: „Wir wollen die Krankheit behandeln, bevor sie ausbricht.“ Denn die Diagnose ist klar: Takt 48, das „Interpretationsloch“, wartet auch heute Abend auf seine Zöglinge. Diesmal sollen sie die Hürde bravourös meistern – mit gesundem Selbstbewusstsein.
Das dürfte nicht allzu schwer fallen, denn ein Lob für die Kölner Musikhochschule, der auch die Wuppertaler angehört, kam bereits von höchster Stelle. NRW-Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart dankt der Hochschule dafür, dass sie „den Aufbau der Akademie zu ihrer Sache gemacht hat“. Kölner und Wuppertaler haben damit „den Raum für eine einzigartige Kooperation zwischen Deutschland und Italien geschaffen“. Ein Raum, der heute klangvoll genutzt wird.




