Düsseldorf. Drei Jahre lang wälzte das Stadtmuseum gemeinsam mit dem Stadtarchiv und dem Hauptstaatsarchiv die Akten zu Joseph Beuys (1921-1986). Zugleich kaufte Museumschefin Susanne Anna die Zeitungsarchive von Eva Beuys und dem pensionierten Chef-Restaurator Heinz Althöfer.
Das Ergebnis ist eine Lese-Ausstellung mit 1100 Dokumenten, darunter mit altmodischer Schreibmaschine getippte Urkunden, vergilbte Zeitungsausschnitte, Flugblätter, Plakate und Fotos. Alles ist chronologisch geordnet, fortlaufend nummeriert und in Sichtkästen oder Folianten abgelegt. Beuys, der Magier, ist im Zettelwald angekommen.
Dennoch kommt Köstliches zu Tage. Das beginnt beim Vornamen von Beuys. Er lautete 30 Jahre lang Josef, wie der des Vaters. An Freunde signierte Beuys noch 1961 mit „Jupp“. Der Galerist Alfred Schmela lud 1965 zu „Joseph“ Beuys, und der Künstler akzeptierte hinfort beide Varianten, entschied sich aber mit zunehmendem Alter für den „Joseph“.
Die Gründe dafür gibt die Schau vorerst nicht preis. Möglicherweise spielt die Akzeptanz des Werks eine Rolle. Die Jahresgabe des Kunstvereins von 1952 heißt noch prosaisch: „Schwarzer Aschenbecher“, im Stadtmuseum heißt das Objekt „Eisenteller“, geschaffen vom Joseph B.
Köstlich ist der Versuch der Behörden, sich der unangepassten Kunst zu nähern. Für den Anbau des OLG an der Kleverstraße entwirft Beuys 1959 ein Bronzerelief, und das OLG erklärt die Skizze für „noch nicht voll durchgestaltet“, aber „entwicklungsfähig“. Offensichtlich hat sich Beuys, seit 1961 Professor, nicht entwickelt, denn zur Ausführung kam der Entwurf nicht.
Wie die Stadt dem Schlitzohr Beuys auf den Leim gegangen ist
Kabarettreif ist die Korrespondenz zur „hölzernen Gliederpuppe“ für den Pausenhof der Volksschule Rolandstraße. Im Schreiben zwischen Hochbauamt und der Entwurfsabteilung erklärt die Stadt Düsseldorf, die Seile seien in den Ferien „durchgefault“ und „zerschlissen“, die Teile könnten den Schülern auf die Füße fallen.
Beuys forderte 2000 Mark Honorar für die Reparatur, denn die Stadt habe ihre Aufsichtspflicht gegenüber der Kunst verletzt. Der Schuldezernent reagiert sauer, er könne höchstens einen Rückgabe-Anspruch der kaputten Skulptur geltend machen. Der listige Beuys erhielt das Werk zurück und verkaufte es nach Darmstadt. Düsseldorf war um einen Schatz ärmer.
Der Künstler Beuys bleibt in der Ausstellung fast ausgespart
Es gibt Kuriosa wie den total zerfledderten Dienstvertrag vom 1.11.1961 mit der Kunstakademie, oder die Beschwerde von Otto Pankok im Jahr 1964 beim damaligen Kultusminister Paul Mikat, in dem Pankok den Geist in der Beuys-Klasse anschwärzte. Sein Urteil: „Hirnverbrannte Dummheiten“ und „Schweinereien“.
Die Schau kommentiert nichts. Sie lässt 40 Jahre Düsseldorfer Kunst und Kulturpolitik passieren, als handele es sich nur um eine Akten-Einsicht. Der politische Beuys, der 1967 auf der Wiese vor der Kunstakademie die Deutsche Studentenpartei gründet, weil er der „ideenlosen Politik“ etwas anderes entgegensetzen wollte, bleibt Flachware. Was sollen Schulklassen davon halten?
Als er am 14. Dezember 1971 den Grafenberger Wald fegte, war dies eine unerhörte, aber eben auch optisch wirksame Aktion gegen die Ankündigung, Bäume für die Erweiterung des Rochusclubs zu fällen. „Der Wald hat Sozialfunktion“, wird Beuys zitiert.
1967 wollte der Meister noch die Kunsthalle am Grabbeplatz abreißen. 1981 beteiligte er sich an einem Beitrag, dessen Rest das Ofenrohr ist.
Die Schau ist ideal für die Zitate-Sammlung geeignet, aber die Kunst von Josef oder Joseph bleibt fast ausgespart. Auf einer Schiefertafel steht immerhin in verblassender Kreide: „Wer nicht denken will, fliegt raus.“
Beuys-Ausstellung
Joseph Beuys Der Künstler wurde 1921 in Krefeld geboren, studierte ab 1946 an der Düsseldorfer Kunstakademie, wurde 1961 Professor und 1972 gekündigt. Er starb 1986.
Öffnungszeiten Die Ausstellung „Joseph Beuys, Düsseldorf“ ist ab heute bis zum 30. Dezember im Stadtmuseum, Berger Allee 2, zu sehen. Geöffnet ist sie Dienstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Ein Katalog erscheint später.





