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25. November 2007 - 00:00 Uhr
Pianistin Argerich in Düsseldorf: Die ewig leuchtende Legende
von Lars Wallerang
Martha Argerich begeistert in Düsseldorf mit Stücken von Berlioz und Prokofjew.
 
 

Düsseldorf. So kennt man sie seit Jahrzehnten: sehr langes, dichtes Haar, ein etwas melancholisch entrückter, aber sehr selbstbewusster Gesichtsausdruck, ein für wenige Sekunden strahlendes Lächeln ins Publikum, eine tiefe Verbeugung, bei der die Haare dem Boden nahe kommen und ein Klavierspiel voller Kraft, Präzision, Virtuosität und Geheimnis. Die Argentinierin Martha Argerich ist die ewig leuchtende Legende des Klaviers. Das Publikum liebt die von anderen nie erreichte Plastizität ihres Anschlags, Konzertveranstalter fürchten sie für ihre häufigen Absagen.

Zum Glück keine spontane Änderung des Programms

Die Fans von Martha Argerich atmen schon im Tonhallen-Foyer etwas auf, als leise im Hintergrund Instrumentalisten des UBS Verbier Festival Orchestra ein paar Motive aus Prokofjews 3.Klavierkonzert probieren. Denn das heißt, dass die zu spontanen Programmänderungen neigende Pianistin diesmal nicht plötzlich auf die Idee kam, etwas anderes zu spielen als angekündigt war. Prokofjews Drittes ist nämlich mit dem Nimbus der Argerich eng verknüpft. Aber absolviert die Dame, die eine bereits mehr als ein halbes Jahrhundert währende Pianistenkarriere hinter sich hat und eine lange, schwere Krankheit überwand, diesen Parforceritt noch mit der einstigen Souveränität und Bravour?

Schon nach wenigen Takten des rasanten Klaviereinsatzes nickt man die Frage ab und stellt sie sich bis zum hochvirtuosen Schluss nicht mehr. Noch immer vermag sie Passagen, die das Orchester bereits in hohem Tempo antizipiert, mit ein paar zusätzlichen km/h weiterzuführen.

Sie brilliert und akzentuiert wie vor 30 Jahren, findet wohl heute zu noch mehr Mystik in den leisen Momenten. Und der Steinway-Flügel klingt bei ihr wie durch ein Wunder immer schöner als bei den meisten anderen Pianisten. Selbst heftige Granateneinschläge im Bass wirken nicht undifferenziert brachial, sondern voll, rund und kernig.

Das international aus 17- bis 29-jährigen Musikern zusammengesetzte UBS Verbier Festival Orchestra, das seine zehnteilige Welttournee in Düsseldorf abschloss, begleitet die Pianistin unter der Leitung von Charles Dutoit mit großem Engagement und Spielfreude.

Seinen größeren Auftritt hat es in der Symphonie fantastique von Hector Berlioz. Das Orchester verfügt über einen sehr hellen, in den Höhen fast gleißenden Klang. Zu Ballszene und Hexensabbat passt dieser Glanz vorzüglich. Spieltechnische Brillanz vereint sich mit großer Musizierleidenschaft und führt zu einer Darbietung, die den symphonisch dargestellten Opiumrausch eines unglücklich verliebten Jünglings in schillernden Farben funkeln lässt.

Martha Argerich

Geboren am 5. Juni 1941 in Buenos Aires

Preise Busoni-Wettbewerb in Bozen (1957), Warschauer Chopin-Wettbewerb (1965)

Einspielungen Konzerte von Tschaikowsky, Rachmaninow, Prokofjew, Chopin und Schumann

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