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2. Dezember 2007 - 00:00 Uhr
Kamiokas Siegeszug um die Welt
von Andreas Lukesch
Das Wuppertaler Sifonieorchester gastierte in der italienischen „Hauptstadt der Musik“ und versetzte 1600 Mailänder in Verzückung.
 
 

Wuppertal. Der Mann ist ein Phänomen. Eines, dem niemand entkommt, sei er nun Musiker oder Zuhörer. Toshiyuki Kamioka zieht unweigerlich in seinen Bann, und das einzige, was er dazu benötigt, ist ein Spitzenorchester. Mit Wuppertal hat er es gefunden, Musiker und Dirigent gehen eine Symbiose ein, die weit über das „Dienstgeschäft“ hinausreicht, und immer wieder aufs Neue überrascht.

Wer das Sinfonieorchester Wuppertal beim Heimspiel in der Stadthalle erlebt, weiß, dass Kamioka dort sein treustes Publikum findet. Um so wichtiger ist es, dass sich die Wuppertaler auf internationaler Bühne bewegen. Nach der grandiosen Japan-Tournee stellte sich das Sinfonieorchester vergangene Woche im Mailänder Conservatorio Guiseppe Verdi den vielleicht kritischsten Ohren Europas.

Nicht weit von der Scala entfernt umgingen die Wuppertaler zwar bei der Programmgestaltung die meisten Risiken, zeigten aber doch eindrucksvoll, wie mit den „Hymnen für Helden“, Mozarts Klavierkonzert Nr. 23 und Beethovens Fünfte, unvergessliche Abende zu füllen sind.

„Es ist unglaublich. Wo nimmt er diese Energie her?“

Eine Besucherin über Kamioka

Ebenos wie in Japan hatte Kamioka seinem Orchester bereits vergangenes Jahr bei der Premiere in Mailand prophezeit, man treffe dort auf ein schwieriges, mitunter eigenwilliges Publikum. Doch schon damals erfüllten die Wuppertaler alle hoch gesteckten Erwartung und konnten als Wiederholungstäter nur überzeugen.

„Er ist einfach einzigartig. Er ist schnell, er ist impulsiv, er ist mein Lieblingsdirigent.“ Das hohe Lob stammt von einem, der viele Dirigenten kennt, einem Profi, der ebenso viele Stars der klassischen Musik siegen wie scheitern sah. Antonio Mormone gehört mit seiner Societá dei Concerti zu den wichtigsten Konzertveranstaltern in Italien.

 Rund 70 Gastspiele organisiert der Musikmanager im Jahr und holt nach dem Wuppertaler Sinfonieorchester die Münchner Symphoniker und die Stuttagrter Philharmoniker in das Mailänder Konservatorium. Doch alle reichen sie nicht an Kamioka heran, denn mit dem japanischen Star verbindet Mormone eine lange Freundschaft. Seit 15 Jahren gastiert Kamioka in Mailand. Mormones Frau, die Pinaistin Eurica Ciccarelli, war bereits auf dem Johannisberg zu Gast.

Und genau wie Mormone vergangene Woche voller Verzückung keine Minute der Probe verpasste, feierten wenige Stunden später 1600 Mailänder stürmisch ein Orchester in Höchstform. Geradezu fassungslos beobachteten viele die Hingabe des Dirigenten, der zwei Stunden nicht zur Ruhe kam, immer in Bewegung blieb – und das trotz einer schweren Erkältung, die ihn während des Klavierspiels zu einer Husten-Unterbrechung.

„Das Orchester blüht auf nach solchen Erfolgen“

Toshiyuki Kamioka über Auslands-Gastspiele des Wuppertaler Sonfonieorchesters.

„Es ist unglaublich. Wo nimmt er diese Energie her?“, fragte eine Konzertbesucherin, um das einzufordern, was dem Meister schließlich per Handschlag zugesagt wurde. Das Sinfonieorchester Wuppertal wird künftig regelmäßig in Mailand zu Gast sein. Zwei Gastspiele sind bereits unter Dach und Fach, weiter Verpflichtungen wahrscheinlich. „Es wäre schön, wenn wir hier in Mailand auf Dauer ein festes Standbein bekämen“, freute sich Kamioka, der weiß, wie wichtig die Konzertreisen für ein A-Orchester sind: „Es geht nicht nur um die musikalische Entwicklung. Das Orchester blüht nach solchen Erfolgen auf. Dies ist wichtig für die Gemeinschaft und für das künstlische Engagement eines jeden einzelnen Musikers.“

Nicht zuletzt trägt die Musik Wuppertals guten Namen in alle Welt. Neben Pina Bausch ist das Sinfonieorchester Wuppertals wichtigster Kulturbotschafter. Denn eine bessere Imagewerbung kann es für die Stadt kaum geben als ein Saal voller hingerissener Italiener.

Kamioka

Anfang des Jahres setzte in der Wuppertaler Musikszene das große Zittern ein. Verlässt Toshiyuki Kamioka nach Ablauf seines Vertrags die Schwebebahnstadt und wechselt nach Saarbrücken? Die Antwort gab der beliebteste Japaner der Stadt im März selbst, und sie lautet: Ja, aber doch nicht ganz. Nach seinem Vertragsende in Wuppertal wird Kamioka Staatstheater-Dirigent in Saarbrücken – mit Verantwortung für Orchester und Oper. Wuppertal bleibt er trotzdem verbunden und wird auch nach 2009 die Verantwortung für die Konzerte des Sinfonieorchesters in der Stadthalle übernehmen sowie Programmentwicklung und Proben leiten.

Damit bleibt Kamioka dem Sinfonieorchester Wuppertal mindestens noch bis 2014 erhalten und wird auch die nächsten Konzertreisen nach Mailand begleiten. Nicht mehr zur Verfügung steht Kamioka dann für die Oper. Sie muss sich für die modernisierte Spielstätte in Barmen einen Operndirigenten suchen. Die Verbindung nach Saarbrücken ist nicht zufällig: Kamioka hat an der dortigen Hochschule für Musik bereits eine Professur für Dirigieren inne. Nach Wuppertal kam Kamioka 2004.

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