Düsseldorf. Den Düsseldorfern kommt der Satz wie selbstverständlich über die Lippen: Wir sind Klein-Paris. Wie das klingt! Nach Leben, Liebe und Savoir vivre. So wie wir Rheinländer gern sein möchten – und vielleicht auch ein bisschen sind. Ein Ehrenprädikat, mit dem gern geworben wird. Ein Reklame-Plakat der Messe etwa zeigt das nächtlich illuminierte WZ-Center. Slogan: „Paris? Nein, echt Düsseldorf.“
„Düsseldorf – 21.Arrondissement von Paris“ ist der Titel eines im Mai erschienenen Buches. Und auf einer Internetseite der Stadt heißt es: „Und niemand anderes als Napoleon Bonaparte brachte es bereits 1811 auf den Punkt, als er Düsseldorf als ,klein Paris am Rhein’ bezeichnete.“
Das freilich ist nur die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte liefert die Geschichtswerkstatt auf ihrer Homepage. Tatsächlich habe Napoleon nur gemeint, dass für die paar Tage seiner Anwesenheit „die Geschicke des Reiches von Düsseldorf aus gelenkt“ würden. Mehr nicht.
11 300 Treffer: Bei Google liegt Leipzig als Klein-Paris weit vorn
Wie auch immer, Klein-Paris ist ein feststehender Begriff, in der Internet-Enzyklopädie Wikipedia gibt es sogar einen eigenen Eintrag. Dort aber – quel malheur! – findet sich an erster Stelle Leipzig. Erst dann findet Düsseldorf Erwähnung. Die Sachsenmetropole wähnt sich dank Goethe als einzig legitimes Klein-Paris.
Der Dichter ließ im Faust, in Auerbachs Keller, einen Studenten sagen: „Mein Leipzig lob ich mir! Es ist ein klein Paris und bildet seine Leute!“ Damit rühren die Leipziger die Werbetrommel – mit Erfolg: Die Suchkombination „Leipzig“ und „Klein-Paris“ bringt bei der Internet-Suchmaschine Google 11 300 Treffer, „Düsseldorf“ und „Klein-Paris“, mon dieu, lumpige 743 Ergebnisse.
Aber nach welchen Kriterien wird der Ehrentitel „petit Paris“ vergeben? Zählen Architektur, „l’art de vivre“ – frankophile Lebensart, Mode, oder Mentalität und Charme der Bewohner? Ginge es nach der Mode, könnte Düsseldorf wohl recht passabel mithalten.
Wie sieht es mit der architektonischen Seite aus? Es gibt die Kö, die gern auch als Düsseldorfs Champs-Elysées bezeichnet wird. Dann das Benrather Schloss – fast so schön wie Versailles –, internationale Kunstausstellungen, nicht zuletzt eine Akademie der Künste. Hält das einem Vergleich stand?
Prof. Dr. Johannes Ringel, Professor für Architektur an der Uni Leipzig, kennt beide Städte gut. Er meint: „Aufgrund der französischen Gestaltungselemente und aus Tradition kann Düsseldorf als Klein-Paris bezeichnet werden.“ Leipzig sei nicht weniger reizvoll, habe aber den frankophilen Einfluss in dieser Form nicht. Auch Véronique Donat, Referentin des französischen Generalkonsuls, findet Pariser Flair in Düsseldorf, besonders in der Carlstadt, aber auch die Cafés im Sommer und die elegante Mode seien vergleichbar.
Kontra kommt von Steffen Jantz, Sprecher der Stadt Leipzig. Natürlich sei dort alles ein wenig kleiner als in Paris, „aber kulturell und architektonisch kann sie es mit der französischen Metropole gut und gerne aufnehmen“. Die Stadt sei nicht nur die Wirkungsstätte Goethes und Bachs – er verweist auf Thomanerchor, Gewandhausorchester und eine „wunderbare Jugendstilarchitektur“.
Das alles zählt für Brigitte Borsdorf nicht. Die Chefin des Institut Français in der Altstadt, schwärmt unbeirrt von Paris, in Frankreich will sie alt werden. Auf die Frage, was ihr in Düsseldorf fehle, sagte sie unlängst in einem Interview: „Eine französische Bäckerei, die richtig gutes Baguette anbietet, und hauchdünne Tartes und Eclair au chocolat.“ Wenn das alles ist...




