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LokalesWuppertalKultur
6. Januar 2008 - 00:00 Uhr
Neckische Spiele mit dem Sinfonieorchester
von Veronika Pantel
Spannungsreich interpretieren die Sinfoniker Werke von Edward Elgar.
 
 

Wuppertal. Viel zu selten hört man Werke von Edward Elgar in Konzerten – zu Unrecht, wie das 5. Sinfoniekonzert gestern in der Stadthalle mit einem reinen Elgar-Programm bewies. Viel mehr als die heimliche Nationalhymne „Pomp and Circumstance“ hat der Engländer zu bieten, an dessen 150. Geburtstag im vergangenen Jahr erinnert wurde.

Solo-Cellist entlockt seinem Instrument großes Klangvolumen

Sein Konzert für Violoncello und Orchester in e-Moll (op.85) glänzt mit außergewöhnlich schönen, elegischen Melodien. Den lyrischen Tenor behält Solist Gustav Rivinius konsequent bei, nicht ohne verzierende und umspielende Passagen virtuos auszukosten. Innig und beseelt klagt die Cellostimme – seinem wundervollen Instrument entlockt der Solist selbst noch im Pizzicato großes Klangvolumen.

Beschwingte Einwürfe liefert das bestens disponierte Orchester mit neckischen Einsprengseln, atmet einvernehmlich mit der Solostimme und spart auch nicht an bombastischem Gestus.

Viel Ruhe fordert Dirigent Niksa Bareza im inwendig-meditativen „Adagio“, ehe er Orchester und Solist sicher durch das wogende Meer der Klänge mit verzwickten Taktwechseln und rhythmischen Pointen im Schlusssatz lotst. Mit der köstlichen, exzellent dargebotenen Miniatur „Marsch für Kinder“ von Sergej Prokowjew bedankt sich Rivinius beim begeisterten Wuppertaler Publikum.

Das Cello-Konzert von 1919 ist Elgars letztes, eigenwilliges, zukunftsweisendes sinfonisches Großwerk. Die erste Sinfonie in As-Dur op. 55 steht dagegen noch deutlich in spätromantischer Tradition. Bareza stellt die klangfarbenreiche Instrumentierung heraus: Wie Wirbelwinde jagen die tiefen Blechbläser und stapfen mit den Pauken in rhythmisch schweren Schritten abwärts.

Unruhig rumorende Streicher stellen die vielgestaltige, oft zerfasernde Melodik kraftvoll und exakt dar. Ruhig und sicher weist der Dirigent die Gruppen an, brodelnd schwillt die Musik an – nun aber von engagierten dynamischen Anweisungen getrieben.

Unvermittelt finden die Musiker wieder zur Beruhigung. Auch das „Adagio“ gestalten sie überzeugend und loten die Musik von herber Süße und schmerzlicher Melancholie bewegend aus. An düster-wogendes Schlachtengetümmel erinnert der Finalsatz.

Signalfanfaren, marschähnliche Einwürfe und aufwühlende, heroische Passagen führen zum plötzlichen Schluss. Wer will, kann so viel Neues entdecken – auch am Montag, wenn das Konzert um 20 Uhr wiederholt wird.

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