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9. Januar 2008 - 00:00 Uhr
Mit 100000 Büchern allein auf dem Land
von Sophia Willems
Geburtstag: Das Übersetzerkollegium feiert.
 
 

Straelen. Das hübsch hergerichtete, denkmalgeschützte Haus mit der gemütlichen Ausstrahlung liegt im tiefsten niederrheinischen Straelen an der Kuhstraße 2. Was nach Provinz klingt, ist geistig indes das genaue Gegenteil, nämlich ein weltweit einzigartiges Juwel. Hier, im Europäischen Übersetzer-Kollegium (EUK) und in den angegliederten rund 30 Appartements, logierten im vergangenen Jahr rund 700 Arbeitsgäste aus 63 Ländern.

Das EUK ist eben die vornehmste Heimat des Weltgeistes – das darf man sagen, ohne hochtrabend zu klingen –, auch wenn dieser sich scheinbar auf dem Lande versteckt hält. Und heute feiert es 30-jähriges Bestehen – zunächst einmal im kleinen Kreis. Denn das Bundespräsidialamt hält noch nach einem passenden Termin Ausschau.

Die Entstehung dieser Institution ist unterdessen längst Legende. Die Übersetzer Elmar Tophoven, Klaus und Renate Birkenhauer hatten die Gründungsidee, und keine geringeren Schriftsteller als Heinrich Böll und Samuel Beckett übernahmen die Schirmherrschaft. Vor allem Ruhe, Literatur und Nachschlagewerke brauchten die Wortkünstler. Das alles ist an der Kuhstraße, in einem Dörfchen, das sich über seine Natur definiert sowie anhand einer Bibliothek mit mittlerweile über 100000 Büchern gewährleistet. Und der damalige Ministerpräsident Johannes Rau schaute auch immer mal wieder vorbei.

Trotzdem ist das Übersetzen eine übersehene Kunstform

Sehr freut sich die jetzige Leiterin Regine Peeters über die Zustimmung aus der Staatskanzlei (jährlich 400000 Euro) und die Förderung durch den 2001 ins Leben gerufenen „Übersetzerpreis der Kunststiftung NRW“. Geschäftsführerin Karin Heinz dagegen registriert immer wieder, in welchem Ausmaß literarische Übersetzungen immer noch eine „weitestgehend übersehene Kunstform“ sind. Und obwohl gewiss keine Institution so international und völkerverbindend ist wie das EUK, schüttelt Brüssel alle Jahre wieder den bürokratischen Wasserkopf und bedenkt Förderanträge mit ablehnenden Bescheiden. „Aber ³das Land hilft uns, die Armut durch Ansehen wieder wettzumachen“, sagt sie. Selbst eine zweijährige Planungssicherheit ist der Einrichtung mittlerweile gewährt.

Über das literarische Schaffen hinaus bietet das EUK unterdessen noch zwei Projekte an: Erstens möglichst regelmäßige Treffen angesehener Autoren wie Günter Grass oder Feridun Zaimoglu mit zehn, fünfzehn Übersetzern und Diskussion einzelner sprachlicher Probleme. Zweitens Lesungen und Debatten, und da scheuten zuletzt immerhin Libuse Monikova, Paul Maar, Nathalie Sarraute und Sten Nadolny den Weg an den Niederrhein nicht.

Wie man sieht, es gibt heute nicht weniger zu feiern als einen sehr hell strahlenden kulturen Leuchtturm an der deutsch-niederländischen Grenze!

www.euk-straelen.de

 

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