Düsseldorf. Es ist 18.55Uhr, als das Endergebnis vorliegt: Die Bürgerinitiative gegen die Victoria-Erweiterung am Golzheimer Friedhof ist gescheitert. Nur 67 288 Bürger (14,7 Prozent der Wahlberechtigten) sind zur Wahlurne gegangen, davon haben zwar 56 559 mit Ja gestimmt (84,3 Prozent), doch das Quorum wurde weit verfehlt. 91 501 Ja-Stimmen hätten es sein müssen.
Bei den Bürgerbegehrern führt das zu einer Trotzreaktion: Lauter Applaus hallt über den Flur des Pfarrheims St.Adolfus in Sichtweite der Victoria. Dort verfolgen drei Dutzend Unterstützer die Auszählung per Videobeamer. Sprecher Adolf Nitsch gibt sich kämpferisch: „Wir machen weiter! Wir sind eine Laienspieltruppe und haben gegen einen Riesen gekämpft.“ Man werde sich weiterhin engagieren: „Jetzt schauen wir uns den Bebauungsplan an. Da gibt es noch viele offene Fragen.“
Erwin verfolgt die Auszählung im Rathaus im Kreise seiner Familie
Joachim Erwin verfolgt die Auszählung derweil in seinem Rathaus-Büro – im Kreise seiner Familie. „Ich bin dankbar, dass die Mehrheit des Stadtrates bestätigt worden ist“, kommentiert der OB. Das Ergebnis sei „ein klares Scheitern der dunkelrot-grünen Koalition und der von Gudrun Hock gesteuerten Sozialdemokratie“. Diese hätten versucht, den Entscheid zu einer Anti-Erwin-Kampagne umzufunktionieren. „Das ist voll in die Hose gegangen.“ In der Sitzung am 6. März werde der Stadtrat das Ergebnis offiziell feststellen, direkt danach könne über den Bebauungsplan abgestimmt werden.
Ansonsten ist im Rathaus wenig los. Lediglich die führenden FDP-Köpfe sitzen bei Wasser und Apfelsaft in ihren Fraktionsräumen.
„Wir sind glücklich“, freut sich Victoria-Finanzvorstand Daniel von Borries, „wir brauchen dieses Gebäude.“ 900 Mitarbeiter und die Rechenzentren sollen dort unterkommen. Investition: ein dreistelliger Millionenbetrag. Der Zeitplan für den Bau (168 Meter lang, 25 Meter hoch) steht: Baugenehmigung im März, Baustart möglichst noch im April.
Die Wahl selbst lief weitgehend reibungslos. Nur am Morgen hatte es Irritationen gegeben. Mehrere Bürger standen vor dem verriegelten Rathaus. „Wo sollen wir denn hier wählen“, fragt eine Frau. „Auf der Benachrichtigung steht Marktplatz.“ Doch kein Schild wies den Weg zum Abstimmungsraum der Kämmerei. Erst am späten Morgen wurde das nachgeholt.
Das sagen die Fraktionen des Stadtrats
| Der Neubau der Victroia (vorne) soll ab April entstehen. |
Dirk Elbers, CDU-Fraktionschef: „Damit habe ich gerechnet. Die Art und Weise, wie die Bürgerinitiative mobilisiert hat, war nicht in Ordnung. Deswegen habe ich auch keine Angst vor dem Bürgerentscheid Kö-Bogen: Die Menschen differenzieren. Wichtig ist aber, dass sie gut informiert werden.“
Günter Wurm, SPD, Fraktionschef: „Dass trotz des Boykottaufrufs von Oberbürgermeister, CDU und FDP über 67000 Düsseldorfer zur Wahl gegangen sind, finde ich bemerkenswert. Dieses Ergebnis kann Erwin nicht mit einem Achselzucken weglegen. Ein positives Signal für den nächsten Entscheid.“
Iris Bellstedt, Grünen-Fraktionssprecherin: „Das ist ein beachtliches Ergebnis, das man goutieren muss. Auch wenn ich traurig bin, dass das Ziel nicht erreicht wurde.“
Marie-Agnes Strack-Zimmermann, FDP-Fraktionschefin: „Wir sehen uns bestätigt. 87 Prozent der Düsseldorfer haben erkannt, dass es bei dieser Frage um Jobs und den Erfolg der Stadt ging.“




