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LokalesWuppertalKultur
1. Juni 2008 - 16:39 Uhr
Talort: Ein Musik-Krimi mit Kultpotenzial
von Jörg Degenkolb
Ausverkauft: Die Premiere im LCB offenbart jede Menge Humor.
 
 

Wuppertal. „Steppenlemminge dürfen nicht hoch stehen, die kriegen sonst Depressionen.“ Tierpsychologin Dr. Erika Eichhorn weiß zu verblüffen. Es sind Sätze wie diese und Geschichten irgendwo zwischen Loriot und Lustigem Taschenbuch, die die „Talort“-Reihe unter der Regie von Wolfgang Suchner zum derzeit schrägsten Bühnenprojekt des Bergischen Landes machen.

Hier werden Klischees auf die Spitze getrieben, wird Heimatkult verballhornt und letztlich doch immer wieder der Region eine Liebeserklärung ausgesprochen. Im aktuellen Fall des „Krimi aus’m Bergischen“ geht es um nicht weniger als die Rettung Wuppertals – wollen doch zwei größenwahnsinnige Wissenschaftler die Wupper umleiten.

Dienstag, 24.Juni, 20Uhr, Theater und Konzerthaus Solingen

Schon der Plot offenbart den typischen „Talort“-Humor, der auch in der ausverkauften Premierenveranstaltung am vergangenen Samstag im LCB für zahlreiche Kreischer sorgte. Das überaus gut aufgelegte Ensemble brachte mit mitreißender Spielfreude den Fall um eine verschwundene Mumie und die Geschichtsschreibung des Bergischen Landes auf die wie immer liebevoll gestaltete Bühne.

Gags per Film-Einspieler und eine Mumie in Remscheid

Ganz wunderbar: Marcia Golgowsky als Rick Ronsbergers „Mutti“. Hier ist ganz besonders gut beobachtet worden, was Muttis denn so schrecklich-liebenswert macht. Stefan Otto als trotteliger Privatdetektiv Rick stellt einmal mehr sein erfreulich komisches Talent unter Beweis, und auch die übrigen Darsteller hauchen ihren Figuren einen individuellen Charme ein.

Erwähnt sei hier auch Bühnenneuling Heinz-Uwe Schorn, der sich als mimischer Überflieger entpuppt. Wie schon in den ersten beiden Fällen, ist Schorn auch aktuell wieder für die schön-klamaukigen Filmeinspieler verantwortlich, unter anderem sehen wir da eine Mumie durch Remscheid irren – Trash-Regisseur Ed Wood hätte das nicht besser hinbekommen.

Neben Kalauern und skurrilem Witz ist in jedem „Talort“ aber vor allem auch die Live-Musik entscheidend. Eigens getextete Ohrwürmer sind in den Verlauf eingebunden. Für den richtigen Sound sorgt hier professionell „Die Bande“, die Gittis Bar als Probenraum nutzt. Prägnant im „3. Fall“ ist sicher die Version von The Sweets „Ballroom Blitz“. Hier intoniert Iris Panknin als trainierende Bardame Gitti atemberaubend „Boah, ich schwitz’!“. Marcia Golgowsky ist sich gar in Abbas „Waterloo“ sicher: „Wuppertal – schaffst du es hier, schaffst du’s überall!“ » Nächster Termin: Dienstag, 24.Juni, 20Uhr, Theater und Konzerthaus Solingen.

www.talort.de

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