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LokalesRhein-Kreis NeussMeerbusch / Rhein-Kreis Neuss
25. Juli 2008 - 10:00 Uhr
Buchmarkt: Nicht der Größte, aber schnell
von Beatrix Van Vlodrop
Seit 1966 beobachtet von Zittwitz den Buchmarkt. So heißt auch sein Magazin.
 
 

Ilverich. Ilverich hat für den flüchtigen Besucher, vor allem Autofahrer, ein besonderes Merkmal: Kaum ist er hineingefahren, hat er die kleine Rheingemeinde schon wieder hinter sich gelassen. Der Reiz des Örtchens liegt in der zweiten Reihe, zum alten Rheindeich hin und zwischen alten Mauern, in die neues Leben eingezogen ist.

Auch der Münkshof hat vor zehn Jahren eine radikale Veränderung erfahren: Seitdem residiert der Buchmarkt im Seitentrakt auf zwei Etagen. Seine versteckte Lage tut diesem Geschäft keinen Abbruch. Schließlich werden am Sperberweg nicht etwa – wie der Name nahelegen könnte – Bücher verkauft, sondern es wird aus der Welt der Bücher berichtet – auf Papier und im Internet.

Das "Ideenmagazin für den Buchhandel" erscheint monatlich in einer Auflage von 4700 Exemplaren. "Das ist nix", sagt Christian von Zittwitz mit Blick auf die Konkurrenz des Börsenblatts, das "dreimal so groß" sei.
Der Buchmarkt (online) zählt laut von Zittwitz täglich mehr als 10000 Besucher. "Da kommt mein Lebensgefühl her!" Wir sind das Branchenportal, mit weitem Abstand."
Das Unternehmen hat zehn Mitarbeiter, davon sechs in der Redaktion

Christian von Zittwitz ist hier der Regisseur. 1966 brachte er die erste Ausgabe von „Buchmarkt – das Ideenmagazin für den Buchhandel“ auf den Markt, „mit einem Interview mit dem Lektor und Verleger Klaus Wagenbach“, erinnert er sich. Von Zittwitz war damals knapp 20 Jahre alt, hatte sein Abitur in der Tasche und über familiäre Pfade eine Verlagslehre angefangen: „Och“, meint der 65-jährige heute schmunzelnd, „das war bequem, und ich wollte nicht von zu Hause weg.“

Das wöchentlich erscheinende Börsenblatt für den deutschen Buchhandel war damals und ist heute das Fachblatt der Branche, doch von zu viel Respekt war beim jungen von Zittwitz keine Spur: „Das können wir besser – nicht so langweilig!“ Er macht Ernst: Zunächst vierteljährlich, schließlich monatlich machen er und zwei Partner dem Großen Konkurrenz.

Sein Magazin will flotter sein, doch der Vier-Wochen-Rhythmus nimmt dem Produkt oft die Frische. „Ich habe immer darunter gelitten, wenn man den ganzen Monat arbeitet und dann doch kurz vor dem Erscheinungstermin umplanen und in ein paar Tagen das Heft zusammenhauen muss“, sagt von Zittwitz. „Meine eigenen Ansprüche habe ich nie erfüllen können.“

Trotzdem hielt er an seinem Traum fest und fand schließlich in dem so lange mit Skepsis betrachteten Internet („Das macht Spaß, aber damit kann man kein Geld verdienen“) die Lösung seiner Bauchschmerzen: „Irgendein Volontär“, so erinnert sich von Zittwitz, habe sich ausgekannt und den Urlaub des Chefs genutzt, einen Internetauftritt zu entwickeln.

Schnell und aktuell transportiert buchmarkt.de Nachrichten – und schließt damit die Lücke zum Druckprodukt. „Entweder ist man der Beste oder der Schnellste“, sagt von Zittwitz. „Für uns als Monatsblatt ist das Internet erfunden worden! Wir veröffentlichen die Brancheninfos sofort, können direkt Wirkung zeigen.“ Die Vernetzung mit dem Druckprodukt sei optimal.

Leseratten sind nicht die Zielgruppe. „Das ist das Klientel meiner Frau“, verweist von Zittwitz dezent auf den Buchladen Mrs.Books, den die Gattin seit Jahren in Lank betreibt. Für sie und ihre Kollegen ist der Buchmarkt gedacht: „Ich versuche, die Buchwelt zu erklären“, sagt der Ilvericher.

Sie zu verstehen ist vonnöten, wollen kleinere Buchhändler nicht von den Riesen zerdrückt werden. Also gibt Buchmarkt Tipps für Einkauf und Beratung, liefert eine Checkliste für die Organisation einer Lesung oder wägt ab – im Augustheft –, was es mit dem Kindle-Lesegerät, dem digitalen Buch, auf sich hat. Dazu gesellen sich Klatsch und Tratsch aus der Verlagswelt – alles made am Sperberweg in Ilverich.

„Ich bilde mir ein, dass ich die Trends auch mit 65Jahren noch einigermaßen mitkriege“, sagt Christian von Zittwitz, der augenscheinlich keine Lust verspürt, sich zur Ruhe zu setzen. „Alle fünf Minuten bin ich am Rechner.“

Seit er seinen Geschäftssitz vor zehn Jahren von Düsseldorf nach Ilverich verlegt hat, ist der Weg zum Büro auch am Wochenende nur noch ein Katzensprung. Das hat Vor- und Nachteile: „Früher hatte ich Feierabend, wenn ich auf der Fähre über den Rhein setzte.“ So klar sind Strukturen heute nicht mehr.

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