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24. September 2008 - 19:00 Uhr
Dormagen: 300 Exponate einer erfindungsreichen Ära
von Barbara Ochs
Im Museum Zons ist ab Donnerstag eine der größten Ausstellungen zum Keramik-Design der 50er Jahre zu sehen.
 
 

Dormagen. Welche Stichworte fallen als erstes, denkt man an die 50er Jahre? Meist sind es Petticoat und Nierentisch, Rock’n’Roll und Gummibaum, Röhrenjeans und Milchbars. Ebenso plakativ und geprägt von Klischees sei nicht nur der Blick auf die kulturellen Errungenschaften dieser Ära, sondern oft auch die Adjektive für die Keramik dieser Jahre.

Keramik der 50er Jahre ist mehr als „asymmetrisch und abstrakt“

Die Ausstellung, die heute im Kreismuseum Zons eröffnet wird, soll zeigen, dass die Keramik der 50er Jahre mehr ist als das oft zitierte „asymmetrisch“ oder „abstrakt“ und vor allem mehr Vielfalt aufweist als Fischmaulöffnung und Nachempfindungen der „Schwangeren Luise“, des legendären Orchideenkrugs von Rosenthal, der zum Inbegriff der 50er-Jahre-Vasenform geworden ist, erläutert Horst Makus. Er ist Verfasser des Handbuchs „Keramik der 50er Jahre“.

Kreismuseum Zons, Schlossstraße1, Dormagen, 2 02133/53020, Öffnungszeiten: dienstags bis freitags 14 bis 18 Uhr, samstags, sonntags und an Feiertagen 11 bis 17 Uhr.

Das fast 700 Seiten dicke Werk gilt seit seinem Erscheinen 2006 als Bibel all jener, die sich mit Keramik beschäftigen, sagt Angelika Riemann, Leiterin des Museums in Zons.

Als einer der profundesten Kenner der Keramik des 19.und 20. Jahrhunderts und Jugendstil-Fachmann hat Makus mehrere Ausstellungen begleitet, nun tritt er zum ersten Mal als Kurator neben der Museumsleiterin auf. „Gerade die Fifties sind sowohl in stilistischer als auch in keramiktechnischer Hinsicht ausgesprochen erfindungsreich“, betont Makus.

Mit Gemmo etwa, einem an der Glasverarbeitung inspirierten Schliffverfahren auf Porzellan, dem Mehrschichten-Porzellan Sgrafo und der Wiederentdeckung der über Jahrhunderte in Vergessenheit geratenen Terra-sigillata-Technik entstehen komplett neue Formen des keramischen Dekors.

Dazu kamen intensive Farbtöne, die erstmals möglich waren und seriell in hoher Qualität produziert werden konnten – wie das Kadmiumgelb oder das Selenrot. Durch sie wurden die All-over-Dekore mit den Farbgebungen Schwarz-Rot und Schwarz-Gelb mit Weiß in abstrakter Zeichnung, die der modernen Malerei nachempfunden war, zum Sinnbild der 50er Jahre.

Die Vielfalt der ausgestellten Stücke ist eine weitere Premiere, die das Kreismuseum in seinen Räumen präsentiert: Mit 300 Exponaten sei dies die größte thematisch aufbereitete Ausstellung zum Keramik-Design der Adenauer-Ära, sagt Riemann.

In 32 Vitrinen sind Vasen, Teller, Kleinskulpturen und freie Kreationen zu sehen. Die Ausstellung bezieht sich auf das vorwiegend deutsche Keramik-Design der 50er Jahre vom Beginn neuer stilistischer Entwicklungen um 1948 und ihrem Auslaufen kurz vor der Mitte des folgenden Jahrzehnts.

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