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16. Oktober 2008 - 19:18 Uhr
Zahndiscount: „Die anderen vernichten die Arbeitsplätze“
von Das Gespräch führte Olaf Steinacker
Interview: Der Gründer des Dental-Discounters Dr. Z, Alexander Berstein, sagt, dass seine Zahnarzt-Kette neue Jobs schafft.
 
 

Düsseldorf. 100 Prozent Zahnersatz zu null Prozent Zuzahlung. Das verspricht Dr. Alexander Berstein (47), der vor zwei Jahren in Düsseldorf die Zahnarzt-Kette Dr. Z gegründet hat. Den Zahnersatz wie Kronen, Brücken oder Prothesen lässt Dr.Z in einem Zahntechniker-Labor in der thailändischen Hauptstadt Bangkok anfertigen, nach eigenen Angaben zu einem Bruchteil der Kosten, die in Deutschland anfallen würden. Im Oktober hat die fünfte Praxis in Nordrhein-Westfalen eröffnet. Die Bezeichnung „Dental-Discounter“ oder „Billig-Bohrer“ hört Berstein gar nicht gern. „Wir bieten eine medizinische Leistung an und keine Brötchen.“ Ein Gespräch über Fortschritt, Qualität und ein Unternehmen namens McZahn.

Herr Berstein, Zahnersatz zum Nulltarif – das klingt irgendwie bekannt. Beerben Sie nach der Pleite von McZahn die Konkurrenz?

Alexander Berstein: Ganz sicher nicht, wir sind definitiv nicht McZahn. Wir haben ein anderes Konzept und eine andere Struktur. Die Idee dahinter, nämlich gesetzlich Versicherten hochwertigen Zahnersatz zum Nulltarif anzubieten, ist aber dennoch eine gute. Und die sollte man nicht an persönlichen Fehlern oder den offensichtlichen Misserfolgen Einzelner messen.

Was machen Sie anders als die McZahnärzte, die bekanntlich Insolvenz angemeldet haben?

Berstein: Eine medizinische Einrichtung kann und sollte man nicht wie ein rein wirtschaftlich geführtes Unternehmen betreiben. Andere haben den Fehler gemacht, Zahnmedizin in den Dienst der Wirtschaftlichkeit zu stellen, bei uns läuft das genau andersrum. Wir arbeiten nicht nach dem Franchise-System, das den Partnern einen starren Rahmen vorgibt, in dem sie sich bewegen müssen. Bei uns arbeiten die Ärzte partnerschaftlich zusammen. Die Verantwortung bleibt bei den einzelnen Medizinern, die mit ihrem Namen für die Behandlung stehen und auch dafür garantieren. Sie nutzen aber die Tools, die ihnen Dr.Z bietet: Etwa den gemeinsamen Einkauf und gemeinsame Verträge mit Zulieferern. Wir nutzen Synergien.

Sie lassen Zahnersatz in Bangkok anfertigen – wer kontrolliert die Qualität?

Berstein: Unser Partnerlabor wird vom deutschen Tüv überprüft und zertifiziert. Die verwendeten Materialien und Geräte stammen aus Deutschland, die Mitarbeiter sind gut ausgebildet, arbeiten nach deutschen Qualitätsstandards und bewegen sich auf internationalem Niveau. Die Qualität ist top.

Das werden deutsche Zahntechniker aber gar nicht gern hören: Es wird bestimmt der Vorwurf kommen, Sie würden minderwertige Qualität verwenden und zudem Arbeitsplätze in Deutschland vernichten.

Berstein: Das Gegenteil ist der Fall. In jeder unserer Praxen arbeitet mindestens ein festangestellter Techniker, meist sind es sogar zwei – das ist in den meisten Zahnarztpraxen längst nicht mehr der Fall. Unsere Techniker können die Arbeiten aus Thailand am Behandlungsstuhl anpassen und, wenn es sein muss, sofort in der Praxis korrigieren. Wir schaffen also Arbeitsplätze und vernichten sie nicht. Das machen die Zahntechniker selbst, da sie nicht bereit sind, mit der Zeit zu gehen und sich dem Fortschritt verschließen.

Das müssen Sie uns erklären.

Berstein: Mein Eindruck ist, dass viele Zahntechniker und besonders die Innung noch stark in alten Strukturen, zum Teil aus den 60er Jahren, verhaftet sind. Die fetten Jahre sind aber vorbei, und mit Besitzstandwahrung allein ist heute kein Blumentopf mehr zu gewinnen. Es kann nicht sein, dass ein Zulieferer, und das sind Zahntechniker nun mal, mehr Geld verdienen wollen als die Zahnärzte, die letztlich die Verantwortung für die Behandlung tragen und für die Leistung garantieren müssen.

Nochmal zurück zu McZahn. Hat die Discount-Idee überhaupt eine Zukunft?

Berstein: Ganz klar ja! Der Druck des Marktes zwingt uns zu Veränderungen, daran geht kein Weg vorbei. Ich weiß selbst, dass Discount nicht gerade toll klingt. Aber das ist die Verpackung und nicht der Inhalt. Der Wettbewerb zwingt uns dazu, gut zu sein. Und besser und günstiger als die Konkurrenz. Wie gesagt, bei Dr. Z steht jeder Arzt mit seinem Namen ganz individuell für die Qualität der Behandlung. Das wird sich im Markt durchsetzen.

Dr. Z wird also expandieren?

Berstein: Ich freue mich natürlich, wenn wir wachsen, aber nicht um jeden Preis und das darf nicht zu Lasten der Qualität gehen. Gerade bauen wir eine Fortbildungsakademie auf, mit Seminaren für Ärzte und Assistenzberufe.

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