Wuppertal. Was geschah am 18. März dieses Jahres mit dem fünf Jahre alten Pflegekind Talea? Auch nach dem gestrigen Verhandlungstag bleibt diese Frage unbeantwortet. Und das, obwohl die angeklagte Ex-Pflegemutter des Mädchens am Dienstag ihr monatelanges Schweigen brach.
Mit leiser Stimme schilderte die 38-Jährige dem Gericht den Ablauf jenes schicksalhaften 18. März. Demnach war Talea am Vormittag für etwa zwei Stunden mit dem damals neun Jahre alten Sohn ihrer Pflegemutter allein in der Wohnung. Am Nachmittag blieb Talea dann offenbar vier Stunden allein. Nur der Hund, ein Beagle-Welpe, soll mit der Fünfjährigen in der Wohnung gewesen sein.
„Ich habe sie gemocht.“
Die Angeklagte über Talea
Mit leiser, nahezu tonloser Stimme erzählte die Angeklagte weiter. Talea selbst habe darum gebeten, zu Hause bleiben zu dürfen, während ihre Pflegemutter diverse Dinge erledigte. Die 38-Jährige erzählte, dass sie aus dem Haus ging, ohne noch einmal nach dem Mädchen zu sehen oder zu fragen. Und, dass sie wiederkam und erst andere Dinge erledigte, ehe sie Talea suchte.
Schweigen erfüllte den Saal. Wer lässt eine Fünfjährige solange allein? Zumal sich das Mädchen angeblich immer wieder bei Stürzen und ungeschickten Bewegungen verletzte. Das hat die Pflegemutter jedenfalls gegenüber Kindergarten und Jugendamt mehr als einmal erklärt.
Schließlich will die 38-Jährige die Fünfjährige am Nachmittag jenes 18. März dann doch gefunden haben: In einer mit kaltem Wasser gefüllten Badewanne lag das bekleidete Mädchen. Sogar die Hausschuhe soll es noch getragen haben. Es habe sie ausdruckslos angeschaut, drei Worte gesagt – mehr nicht. Und kalt war das Mädchen. „Ich war total in Panik“, sagte die Angeklagte. Sie habe das Kind aus der Wanne gehoben und versucht, es zu wärmen.
Wie es dazu kam, dass das Kind überhaupt in eine mit kaltem Wasser gefüllte Wanne stieg, konnte die Angeklagte nicht erklären. Zur Erinnerung: Der Frau wird Totschlag vorgeworfen. Sie soll das Pflegekind unterkühlt und erstickt haben.
Die Angeklagte bestreitet, Talea getötet zu haben
Das Gericht hakte nach, formulierte Fragen, die den zahlreichen Prozessbeteiligten und -beobachtern seit Wochen auf den Nägeln brennen. Ganz direkt wurde die Angeklagte gefragt, ob sie nach ihrer Rückkehr ihr Pflegekind geschlagen, kalt abgeduscht und dann erstickt habe, weil es in die Hose gemacht hatte.
Die Pflegemutter bestritt diese Vorwürfe. Frage des Gerichts: „Konnten Sie das Mädchen nicht leiden?“ Antwort der Angeklagten: „Ich habe sie gemocht.“ Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.




