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26. Januar 2009 - 16:34 Uhr
Ein Casting für die US-Army
Eine Firma sucht in Wuppertal Komparsen für Manöver von Nato-Truppen. Die WZ war beim Auswahlverfahren dabei.
 
 

Wuppertal. In den Konferenzräumen „Barmen“ und „Sonnborn“ wissen an diesem Samstagvormittag nur die Wenigsten, was auf sie zukommt. Angelockt durch ein Zeitungsinserat, verfolgen knapp 60 Leute im Novotel Wuppertal die Ausführungen von Referent Bernd Ludwig (57). Schnell wird klar: Obwohl es sich um eine Casting-Veranstaltung handelt, wird niemand für den nächsten Filmdreh in Wuppertal gesucht – Bernd Ludwig sucht stattdessen Freiwillige für einen Militär-Einsatz

Die stramme Artikulation des Referenten ist ein kleiner Vorgeschmack darauf, was die überwiegend männlichen Zuhörer erwartet, wenn sie denn genommen werden. Für militärische Manöver auf dem Nato-Truppenübungsplatz in Grafenwöhr (zwischen Regensburg und Nürnberg) sucht die veranstaltende SST GmbH aus Hohenfels im Auftrag der US-Armee Zivilisten. Ihre Mission: Statisten im simulierten Kampfgeschehen.

Derzeit wirbt die SST GmbH aus Hohenfels bei Castings in Deutschland um Statisten. Laut Castingleiter kommen die Kandidaten aus allen Berufsschichten. In Wuppertal waren auch einige Studenten dabei, die zeitlich flexibel sind. Ehepaare sind eher seltener – sie müssten in getrennten Unterkünften schlafen.

„Barmer“ und „Sonnborner“ schlüpfen auf dem Übungsplatz bis zu vier Wochen lang in Rollen vom Scheich über den Bürgermeister bis zum einfachen Spaziergänger. So bereiten sie ihr Gegenüber den Rollenspielen darauf vor, was sie beispielsweise in einem irakischen oder afghanischen Dorf erwartet. Je nach Rolle gibt es dafür bis zu 135 Euro Sold am Tag – auf Steuerkarte. Vorher gibt Referent Ludwig aber noch die Spielregeln bekannt. An die haben sich auch die – im Zeitungsinserat gesondert gesuchten – arabischen Komparsen zu halten, die an diesem Vormittag ebenfalls im Hotel sitzen.

„Wichtigster Punkt für alle: In Ihrem polizeilichen Führungszeugnis dürfen nur zwei Wörter stehen: kein Eintrag. Bleiben Sie zu Hause, wenn Sie per Haftbefehl gesucht werden“, sagt Ludwig. Er meint das gar nicht ironisch: Ein solcher Kandidat würde schnell durchs Sieb amerikanischer und deutscher Sicherheitskräfte fallen, die laut Ludwig jeden Bewerber einem ausgiebigen Sicherheits-Check unterziehen. Der CIA lässt grüßen.

Wen das nicht abschreckt und wer auch vor frühem Aufstehen (fünf Uhr) sowie in einer „Gemeinschaftsunterkunft“ mit Doppelstockbetten nicht fies ist, der hat Chancen auf Weiterkommen. Achso: Alkohol, Drogen und Handys sind beim Manöver-Einsatz natürlich auch tabu.

„Mich treibt mehr oder weniger die Abenteuerlust an.“

Mohamed B., Casting-Kandidat

Vielleicht liegt es an all diesen Auflagen, dass sich nach gut 20Minuten die Reihen lichten in Barmen und Sonnborn. Zu den gut 30 Leuten, die bleiben, gehört Mohamed B. (21). Der gebürtige Iraker (aus Bagdad) hat keine moralischen Bedenken, für die US-Armee tätig zu sein. „Mich treibt mehr oder weniger die Abenteuerlust an“, sagt er. Bei dem arbeitslosen Selbständigen Christian K. (48) kommt neben der Reminiszenz an seine Bundeswehrzeit auch der finanzielle Aspekt hinzu. „Schnelles Geld für leichte Arbeit“, lautet sein Motto. Außerdem: „Es ist gut, wenn Soldaten diese Übungen machen. Desto sicherer werden sie und machen weniger Fehler. Das kommt den Zivilisten zugute.“

Ähnlich sieht es Referent Ludwig: „Wir machen hier kein Kriegs-Casting, wir helfen, Menschenleben retten. Wir sind hier alle für den Frieden.“ Nach dem Votrag steht für die angehenden Militär-Komparsen noch ein Englisch-Test an. Anfang Mai könnte mancher Barmer oder Sonnborner dann einrücken.

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