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9. Februar 2009 - 18:28 Uhr
Mordfall Eicken: 37-Jährige stirbt nach 39 Stichen
von Herbert Baumann
Der Partner der Irakerin gesteht laut Polizei die Tat. Doch es gibt Fragen zu seiner Identität und dem Motiv.
 
 

Mönchengladbach. Die Leiche ist übersät mit Wunden. „Der Täter hat 39-mal auf die Frau eingestochen. Einige allein waren schon tödlich“, sagt Friedhelm Schultz. Der Kripomann leitet die „Mordkommission Eicken“. Zwölf Polizeibeamte gehören ihr an. Sie wollen mehr Licht in ein brutales Verbrechen bringen, das sich am Freitagabend in der Wohnung eines Mehrfamilienhauses an der Eickener Straße abspielte.

Auf den ersten Blick scheint die Faktenlage in diesem spektakulären Mordfall klar zu sein. Der mutmaßliche Täter, ein Iraker, mit dem das Opfer (37) seit gut einem Jahr nach islamischem Recht verheiratet war, stellt sich der Polizei, gesteht die grausige Bluttat und liefert gleich mehrere Motive.

Die Irakerin wurde mit 39 Messerstichen getötet. Das ergab die Obduktion am Samstag.
Derzeit werfen die Ermittler dem Einwanderer „Totschlag“ vor. Sollten Ermittlungen weitere belastende Erkenntnisse bringen, kann daraus „Mord“ werden. Geprüft wird auch, ob der Beschuldigte strafrechtlich überhaupt zur Verantwortung gezogen werden kann. Weitere Einzelheiten nennt die Polizei derzeit nicht.

Er habe sich von der Frau, die als Raumpflegerin arbeitete, unterdrückt gefühlt. Sie habe ihm vorgeworfen „Du bist ein schlechter Mann“. Und er sagt in den Verhören mit Hilfe eines Dolmetschers auch: „Ich musste mein ganzes, schwarz verdientetes Geld bei ihr abgeben.“

Doch reicht das aus für eine so unbeschreibliche Tat? Das fragen sich auch Schultz und vor allem Staatsanwalt Stefan Lingens. Schultz räumt am Montag, als die Ermittler erstmals Details zum Eickener Fall nennen, ein, dass ihn die genannten Motive des Beschuldigten „wenig überzeugen“.

Nicht nur das. Es gibt auch Fragen zur wahren Identität des Mannes, der wohl unstreitig im Irak geboren wurde und dort irgendwann in einer Autowerkstatt arbeitete. Auf seinem belgischen Pass steht „Ahmed, Ghassan Abdelmajid, geboren am 19. April 1978 in Kirkuk/Irak, wohnhaft in Belgien“. In den Vernehmungen sagt er laut Polizei, das sei falsch.

„Erstmals gab es lauten Streit.“

Friedhelm Schultz, Polizist

Tatsächlich heiße er Ahmad, Mahmoud Ahmad, geboren 1971 in Rania/Irak. Fest steht auch, das haben die Ermittler mit Unterstützung u.a. belgischer Polizisten herausgefunden: Der Iraker hält sich nach dem Weggang aus dem Heimatland längere Zeit in Italien, dann in Griechenland auf. Hier stellt ihn die Polizei – wegen eines Drogendeliktes. Um einen politischen Flüchtling handele es sich nicht, sagt Schultz.

Als „Abdelmajid“ lässt er sich in Antwerpen nieder, lebt mit einer Frau zusammen, der er Gewalt antut. Wegen Körperverletzung sei er zweimal bestraft worden, heißt es in Kreisen der Ermittler.

Islamische Hochzeit in Roermond

Dann lernt er die geschiedene Irakerin und Mutter zweier Jungen kennen. Die sucht wie der Iraker einen Partner. Ihre Freundin, ebenfalls Irakerin, hilft ihr dabei. Mit Erfolg. In Roermond lassen sie die beiden sich islamisch trauen. „Abdelmajid“ zieht bei der Frau an der Eickener Straße ein. Dort leben auch die beiden Söhne der Frau, inzwischen sechs und zehn Jahre alt.

In Gladbach hält sich der Iraker illegal auf, sagt die Polizei. Bei einem Bauern verdient er sich als Helfer etwas dazu und bezieht gleichzeitig von den belgischen Behörden Sozialleistungen.

Am Freitagabend kehrt er in die Eickener Wohnung zurück. Dort habe es Streit zwischen dem Paar gegeben. „Lauten Streit, den es zwischen den beiden sonst nie gegeben haben soll“, sagt Ermittler Schultz.

Polizei fragt: Wie lautet der richtige Name?

Im Verlauf der Auseinandersetzung soll der Iraker mit „unterschiedlichen Messern“, die er sich aus der Küche nahm, auf die Frau eingestochen haben. Sie verblutete. Rettungskräfte der Feuerwehr kamen zu spät.

Laut Schultz schildert der Mann, der wegen Totschlags in U-Haft sitzt, die Tat „völlig ruhig, emotions- und gefühllos“. Die Ermittler glauben, dass der Verhaftete nicht das tatsächliche Motiv für die blutige Tat nennt. Wer so oft und so intensiv zusteche, der müsse viel Hass angestaut haben, sagen sie.

Die Polizei hat noch einige Fragen. So will sie wissen, wer das Paar kennt, wo sich die beiden aufhielten. War „Abdelmajid“ in ärztlicher Behandlung, etwa bei einem Psychotherapeuten, und wie heißt er richtig?

Zum Zeitpunkt des Verbrechens hielten sich die zwei Kinder bei ihrem leiblichen Vater (39) auf. Der lebt auch in Eicken. Mit dem Stadtjugendamt soll jetzt geklärt werden, ob die Jungen beim Vater bleiben können oder in ein Heim müssen.

Hinweise: Tel. MG 290.

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