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14. Mai 2009 - 17:06 Uhr
Porträt: Gestatten, Loriot – der Deutschen-Versteher
von Wibke Busch
Er ist der beliebteste Humorist Deutschlands. Kein anderer hält seinen Landsleuten so gekonnt den Spiegel vor.
 
 

Düsseldorf. Vicco von Bülow, besser bekannt als Loriot, ist wohl der deutscheste der deutschen Nachkriegshumoristen. Keinem anderen ist es wie dem heute 85-Jährigen gelungen, die deutschen Eigenschaften so präzise in einen Sketch, einen Cartoon, eine Pointe zu gießen.

Die Entlarvung des deutschen Bürgertums, seiner Spießigkeit und Enge, des Drangs, alles ordnen zu wollen mit der Folge, dass alles im Chaos endet – das ist der rote Faden, der Loriots umfangreiches Werk durchzieht. Sein Humor ist dabei nie vernichtend. Vielmehr zeichnet er seine Charaktere mit feinem Strich und hintergründigem Humor.

Loriots Fernsehsketche wurden zu Klassikern und gingen ins kollektive Gedächtnis der Nation ein. Sei es der Mann, der ein schief hängendes Bild richten will und dabei eine Wohnung in eine Trümmerwüste verwandelt. Herr Müller-Lüdenscheid und Herr Dr. Klöbner, die sich selbst nackt in der Badewanne sitzend noch mit dem Nachnamen ansprechen und um eine gelbe Quietscheente streiten.

Der überforderte Lottogewinner, der beim Fernsehinterview versagt und dessen Tochter mit dem Papst eine „Herrenbutike“ in Wuppertal eröffnen will. Oder die Familie Hoppenstedt, deren Weihnachtsfest völlig aus dem Ruder läuft: „Früher war mehr Lametta!“.

Dabei ist der Mann, der sich einen Preußen nennt, selbst typisch deutsch: Bei der Arbeit gilt er als penibel, als Perfektionist. Loriots Definition von Komik ist so einfach wie wirkungsvoll: „Wenn jemand eine Sache ernst anlegt und sie misslingt, dann entsteht Komik“, sagte er einmal in einem Interview.

Loriots Komik trifft genau – und wurde sprichwörtlich in Deutschland. Wer hat nicht schon einmal nach einer absurden Situation auf einer Party den Ausruf gehört: „Das ist ja wie bei Loriot.“ Und wer musste nicht schon einmal bei einer Familienfeier eine völlig verkorkste Loriot-Imitation über sich ergehen lassen – und letztlich doch lachen, weil das Original einfach zu präsent war.

Die Deutschen lieben ihren Loriot und wählten ihn 2007 in einer ZDF-Umfrage zu Deutschlands beliebtesten Komiker vor Heinz Erhardt. Und das, obwohl ihnen oftmals das Lachen im Hals stecken bleiben müsste, so exakt zeigt er ihre Macken auf.

Damit widerlegt Loriot das wohl hartnäckigste Vorurteil gegenüber den Deutschen: dass sie humorlos seien. Stimmt eben nicht: Sie können über das Jodel-Diplom („Dö dudl dö“) und den Kosakenzipfel lachen – und damit letztlich über sich selbst.

Und was ist noch über Loriot zu sagen? Viel. Dass er ein begnadeter Zeichner und Hundeliebhaber ist („Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos.“), dass er einen Ehrendoktor von der Wuppertaler Universität erhielt, der Vater von Wum und Wendelin ist, als Schauspieler und Regisseur brillierte. Und dass er die Liste der deutschen Schimpfwörter um ein entscheidendes erweiterte: „Jodelschnepfe.“

Seit einigen Jahren hat sich Loriot, der am Starnberger See lebt, weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Leider, muss man hinzufügen. Der 2006 verstorbene Satiriker Robert Gernhardt sagte über Loriot, er habe „uns jahrzehntelang zugehört, um uns unsere Unfähigkeit mitzuteilen“. Dem ist nichts hinzuzufügen.


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