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15. Juni 2009 - 17:31 Uhr
Gefährliche Energiesparlampe
von Kathrin Handschuh
Die Öko-Leuchte, die bald Pflicht ist, enthält giftiges Quecksilber. Deshalb muss sie im Sondermüll entsorgt werden.
 
 

Düsseldorf. Das Ende der guten alten Glühbirne ist beschlossene Sache. Ab 1. September 2009 dürfen keine matten Glühbirnen und klaren Lampen ab 100 W mehr verkauft werden. Ab 2016 soll die herkömmliche Glühbirne vollständig aus dem Handel verschwunden sein – stattdessen soll es nur noch Energiesparlampen geben. Diese verbrauchen weniger Strom und halten etwa zehnmal so lange.

Trotzdem sind Energiesparlampen nicht unumstritten. Denn sie enthalten hoch giftiges Quecksilber, das schon in geringen Konzentrationen Nerven und Hirn schädigen kann. Deshalb sollten einige Verhaltensregeln beachtet werden. Die wichtigste: „Alte Energiesparlampen gehören nicht in den Hausmüll“, sagt Sandra Liebsch von der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern.

Die Glühlampe wurde 1879 von Thomas Edison entwickelt. Das Licht wird durch Temperaturstrahlung erzeugt. Elektrischer Strom bringt einen gewendelten Wolframdraht bei rund 2500 Grad Celsius zum Glühen. Obwohl die Glühbirne viel mehr Wärme als Licht produziert, wird sie bis heute millionenfach eingesetzt. Grund dafür ist die sehr gute Farbwiedergabe, die der des Sonnenlichts ähnelt.
Energiesparlampen sind im Prinzip nichts anderes als kleine, gebogene Leuchtstoffröhren, die aufgrund ihrer Technik weniger Watt verbrauchen, um die gleiche Helligkeit zu erzeugen. Im Fachjargon heißen sie neben Kompaktleuchtstofflampen auch Gasentladungslampen. Denn sie sind mit einem Gas gefüllt, dem Quecksilber beigemischt ist, das zum Leuchten gebracht wird. Laut der Deutschen Umwelthilfe kauften die Bundesbürger im Jahre 2008 rund 180 Millionen dieser Lampen. Gleichzeitig entsorgten sie demnach 120 Millionen Energiesparlampen – davon aber nur gut ein Drittel umweltgerecht.

Stattdessen gelten sie als Sondermüll und müssen entsprechend entsorgt werden. Es ist also Aufgabe des Verbrauchers, sie selbst zu den Sondermüll-Sammelstellen zu bringen. „Diese werden zumeist von den Kommunen eingerichtet“, sagt Sandra Liebsch. Standorte der Sammelstellen können zumeist über die kommunale Abfallberatung erfragt werden. Außerdem gibt es Sammelstellen der Lightcycle GmbH, ein Verwertungsunternehmen der Lampenhersteller in Deutschland. Die Abgabe der Lampen ist grundsätzlich kostenlos.

Es gibt kein flächendeckendes Rücknahmesystem

Günther Neunert, Energieberater bei der Energieagentur NRW bedauert, dass der Handel noch über kein flächendeckendes Rücknahmesystem wie bei Altbatterien verfügt. „Einige Händler nehmen alte Energiesparlampen als freiwilligen Service zurück, aber das sind Ausnahmen“, sagt Neunert.

Um den Aufwand so gering wie möglich zu halten, könne man beispielsweise in einem Mehrfamilienhaus einen Container für Sondermüll aufstellen, in dem alte Energiesparlampen gesammelt werden. Dieser wird dann regelmäßig zur Sammelstelle gebracht. „Das ist ein rein organisatorisches Problem“, sagt Neunert.

Zerbrochene Scherben dürfen nicht aufgesaugt werden

Ist eine Energiesparlampe einmal herunter gefallen und zerbrochen, sollten die Scherben keinesfalls mit dem Staubsauger aufgesaugt werden, da dadurch die Quecksilberteilchen in die Atemluft gelangen könnten, betont Sandra Liebsch von der Rostocker Verbraucherzentrale.

Für diesen Fall empfiehlt es sich, sämtliche Fenster zu öffnen, alle Türen zu schließen und diesen Raum für eine halbe Stunde zu verlassen. Die Birnenreste sollten am besten mit einem Stück Papier aufgenommen, der Boden mit einem nassen Lappen gereinigt und alles zusammen in einem Schraubglas verschlossen werden. Auch diese Reste müssen wie Sondermüll behandelt und entsorgt werden.

Inzwischen gebe es auch Energiesparlampen mit Splitterschutz sowie mit Amalgam, welches das Quecksilber bei ausgeschalteter Lampe bindet. „Diese sind jedoch nicht gesondert gekennzeichnet und deshalb nur durch Nachfragen im Handel für den Käufer erkennbar.“

Es gibt jedoch auch Experten, die die Energiesparlampe für deutlich überschätzt halten. Stiftung Ökotest hatte Ende 2008 16 verschiedene Energiesparlampen mit zehn bis 12 Watt untersucht. Sechs schnitten dabei „befriedigend“ ab und vier „ausreichend“. Zwei Lampen erhielten die Note „mangelhaft“, vier wurden als „ungenügend“ eingestuft. Ebenfalls kritisiert wurde das „funzelige Licht“ vieler Lampen.

Nur vier Lampen konnten es nach Angaben der Tester einigermaßen mit der 60-Watt-Birne aufnehmen, die sie ersetzen sollten. Im Laufe der Zeit lässt die Helligkeit nach. Dazu sei das Licht der Öko-Lampen weit entfernt von natürlichem Tageslicht. Flimmern und erhöhter Elektrosmog könnten bei Menschen zu Kopfschmerzen, Schwindel, Unwohlsein und Hormonproblemen führen.

Energiesparlampen seien damit kein wirklicher Fortschritt und keine echte Alternative zu Glühlampen, so das Fazit der Tester. Wer sie trotzdem einsetzt, sollte zumindest auf einen Abstand von einem bis eineinhalb Metern zum Körper achten, um sich dem Elektrosmog nicht zu sehr auszusetzen.


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