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4. September 2009 - 18:01 Uhr
Er will die Leser schockieren
von Katrin Bosnjak
Jungautor Jill Münstermann feiert mit „Fleischfresser“ sein Debüt und übt Gesellschaftskritik.
 
 

Krefeld. „Auf einen Schlag ändert sich alles. Am Horizont erscheint ein fremdes Raumschiff, das das Gesicht eines Monstrums trägt. Nach anfänglicher Faszination stellt sich heraus, dass die Außerirdischen nicht in friedlicher Absicht gekommen sind. Panik bricht aus.“ Mit dem Einstieg in das Erstlingswerk wird klar, wohin die literarische Reise gehen wird. Doch neben Action und seichter Unterhaltung will der Krefelder Jill Münstermann schockieren und zum Nachdenken anregen.

Die Wahl des Genres begründet der Amateurfilmer und Filmbegeisterte mit den Möglichkeiten, die sich damit bieten: „In einem Krimi müsste ich mich an das halten, was die reale Welt mir vorgibt.“ Münstermann, der eine Feldwebel-Laufbahn eingeschlagen hat, fasziniert, dass er alles neu erfinden kann. An Inspiration mangelt es dem 20-Jährigen nicht. Die Ideen fliegen ihm einfach zu.

Sein Traumberuf ist Soldat, aber auch das Schreiben fasziniert ihn

Der Bundeswehrsoldat, der sich für zwölf Jahre verpflichtet hat, musste sein Werk im vergangenen Jahr nur noch korrigieren, so dass das Schreiben und Beruf sich miteinander vereinbaren ließen. Seine Intention: Der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten, ohne Verzerrung, klar heraus. „Fleischfresser lässt den Leser schockiert zurück“, kommentiert der Verlag. Dabei bezieht sich der Wahl-Krefelder, der mit 16 Jahren schreiben zu begonnen hat, auf Beispiele der jüngsten Vergangenheit. Münstermann findet es gar nicht ungewöhnlich, dass junge Menschen das Schreiben für sich entdecken: „Aber nur wenige halten auch durch.“

Seine andere Leidenschaft, das Filmen, wird er wohl in den nächsten Jahren zurückstellen müssen. Nach dem aktuellen Filmprojekt „1945 – Eine Geschichte“ sei kein neues mehr geplant. Aber nach zwölf Jahren sei ja „auch noch genug Zeit“. Fleischfresser wird zumindest nicht der letzte Roman von Münstermann sein. Aber es hänge davon ab, ob die Leser überhaupt lesen wollen, was er schreibt.

Beim Blick auf seine Karriere ist die Wahl des Genres nicht verblüffend. Wobei der Jungautor betont: „Das ist mein Traumberuf, weil ich schon immer Soldat werden wollte.“Aber der in Hessen stationierte Soldat kann sich durchaus vorstellen, irgendwann vom Schreiben zu leben.

Bei seinen Filmprojekten greift er auf die Unterstützung seiner Freunde zurück. Aber beim Schreiben hat er lieber seine Ruhe, wie beim Portugal-Urlaub 2005, in dem ihm die Idee zu Fleischfresser kam. Tipps für seine Arbeit auf dem Papier holt er sich von einer Autoren-Forengemeinde im Internet.

Stilistisches Vorbild des Zeitsoldats ist Theodor Fontane mit seinem Roman „Irrungen, Wirrungen“. Als er im Deutschunterricht darauf gestoßen ist, stellte sich sofort Bewunderung für den Perfektionismus ein: „Jeder einzelne Satz, jedes Wort scheint ganz genau so vorgesehen und präzise durchdacht. Der ganze Roman wirkt wie ein liebevoll geschaffenes Kunstwerk.“ Konträr dazu nennt er John Ringo mit seiner Posleen-War–Reihe. „Harte Military-Si-Fi-Action ist zwar nicht sonderlich intelligent, gefällt mir aber gut“, schildert der Science-Fiction-Autor.

Der nächste Roman, verrät Münstermann, wird noch stärker in die militärische Richtung gehen. Er ist bereits fertig.


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