Wuppertal. Zärtlich ist nicht unbedingt das Prädikat, das man einer Stadt verleihen würde. Siegfried Lenz schrieb dennoch „So zärtlich war Suleyken“. Diese Liebeserklärung an die masurische Heimat spricht vielen aus dem Herzen, die nach dem Krieg aus Ostpreußen fliehen mussten.
In Wuppertal gründeten etwa 200 Flüchtlinge 1949 die Kreisgruppe der Landsmannschaft Ostpreußen, eine Notgemeinschaft, der es zunächst um das Überleben und weniger um die Pflege der Kultur ging.
Am Sonntag traf sich die Landsmannschaft in der Historischen Stadthalle zu ihrem 60-jährigen Bestehen. Von einer Feier wollte niemand sprechen, hätte das doch bedeutet, sowohl der Flucht als auch dem fortwährenden Warten auf Anerkennung und Wiedergutmachung mit Freude zu begegnen.
So wurde es dann auch eher eine Zusammenkunft mit betrübten Randnoten. Viele Politiker seien eingeladen worden, wenige gekommen, stellte Renate Winterhagen, die 1. Vorsitzende, fest. Auch wenn sie Wuppertal für die Aufnahme in schweren Zeiten dankte, merkte sie kritisch an, dass der gegenwärtige Vereinssaal an der Neumarktstraße zu klein sei. Dabei hoffte sie, dass die Stadt der Kreisgruppe wenigstens diesen Treff weiterhin zur Verfügung stellen werde.
Winterhagens Blick auf die vergangenen 60 Jahre fiel weitschweifig aus und enthielt noch manch anderen bitteren Unterton, der eines deutlich machen sollte: Integration erscheint immer noch als heikles Thema. gör



