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LokalesKreis MettmannKreis Mettmann
10. November 2009 - 18:13 Uhr
Gesundheit: Verwirrspiel um die Grippe
von Michael Kremer
In Hilden schließt die Realschule ihre Pforten. Am Dienstag fehlten 80 Schüler und neun Lehrer.
 
 

Hilden. „Schweinegrippe? „Ich weiß es nicht. Ich bin kein Mediziner.“ Trotzdem hat sich Peter Schüller, Leiter der Wilhelm-Fabry-Realschule in Hilden, gestern entschlossen, seine 387 Schüler für zwei Tage vom Unterricht zu befreien. Mehr als 80 waren ohnehin nicht zur Schule gekommen. Ihre Eltern hatten sie krank gemeldet. Auch neun der 26 Lehrer waren nicht da.

„Ich habe die Hoffnung, dass so ein Keil in den Infektionsweg getrieben wird“, teilt Schüller den Eltern in einem Schreiben mit, das er den Schülern mitgab. Ob er damit richtig liegt, weiß er nicht. „Ich fühle mich zurzeit von der privaten wie staatlichen Medizin relativ allein gelassen.“ Vom Schulministerium liegt ihm ein Erlass vor, sich im Zweifel an das Gesundheitsamt zu wenden. Ein Anruf dort brachte ihm nur den Hinweis, sich beim Ministerium zu erkundigen.

„Die Impfnachfrage legt mittlerweile den restlichen Praxisbetrieb lahm“, sagt der Velberter Arzt Dr. Rolf Jentsch – und hat sich mit elf Kollegen entschlossen, eine eigene Aktion durchzuführen. Sie richten für Samstag ein Impfzentrum in der Velberter Feuerwache an der Kopernikusstraße ein. Vor Ort sind ständig drei Ärzte. Unterstützt werden sie von der AOK-Regionaldirektion.
Geimpft wird am Samstag von 9bis 15 Uhr. Allerdings ist unter Telefon 02051/940202 (täglich von 14 bis 16 Uhr) eine Anmeldung erforderlich. Zunächst werden nur Beschäftigte im Gesundheitsdienst und der Wohlfahrtspflege sowie chronisch Kranke geimpft, andere müssen sich gedulden. Kinder werden von den Kinderärzten geimpft.
Ab dem 21. November sind weitere Impftermine geplant: samstags von 9 bis 15 Uhr und mittwochs von 13 bis 19 Uhr.

Direktor weiß von einer Schülerin, dass sie das Virus tatsächlich hat

20 kranke Schüler am Freitag, 60Krankmeldungen am Montag. Da sind Zweifel angebracht, wie er sich als Schulleiter zu verhalten habe. „Ich weiß nur von einer Schülerin, dass sie die Schweinegrippe wirklich hat. In allen anderen Fällen liegen mir nur Krankmeldungen von Eltern oder Atteste von Ärzten vor, in denen man keinen Hinweis auf die Krankheit findet“, so Schüller. Nach seinen Informationen werde von den Ärzten sowieso oft die Untersuchung auf das H1N1-Virus nicht vorgenommen.

„Das ist auch nicht erforderlich“, sagt Dr. Rudolf Lange, Leiter des Kreisgesundheitsamtes. Die Mediziner können davon ausgehen, dass jeder neue Influenza-Fall eine Schweinegrippe ist. Das müsse nicht extra mit Tests nachgewiesen werden. An einem Grundsatz würde ein anders lautender Befund ohnehin nichts ändern: „Wer krank ist, gehört nicht in die Schule.“

Dass es Verunsicherungen gibt, sei zwar nachvollziehbar, aber kein Grund für eine Schulschließung aus medizinischer oder hygienischer Sicht. So lasse sich die weitere Ausbreitung der Grippewelle nicht verhindern. Zu begründen sei die Maßnahme höchstens organisatorisch, wenn wegen zu vieler Krankmeldungen ein normaler Unterricht nicht mehr möglich sei. Aber diese Entscheidung liege im Ermessen der Schulleiter.

Schüller ist sich sicher, dass seine Entscheidung auch bei den Eltern auf unterschiedliche Reaktionen von „So ein Unsinn“ bis „Zwei Tage sind viel zu wenig“ stößt. Vor allem den Eltern, die eher zur zweiten Position neigen, teilt er in seinem Schreiben deshalb mit, ihre Kinder am Donnerstag nur dann zur Schule zu schicken, wenn sie keinerlei Grippesymptome haben. Und auch einen Vorschlag aus dem Kollegium gibt er weiter: die schulfreien Tage für eine Impfung nutzen.


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