Ratingen. Sonntagmorgen – Zeit für unerledigte Bankgeschäfte per Internet. Doch dann ist der Schock groß. So groß, dass sich bei WZ-Leserin Anja Rösek (Name geändert) die gemütliche Verschlafenheit schlagartig in Panik verwandelt. Als sich das Portal zum „online-banking“ öffnet, leuchtet in bedrohlichem Rot insgesamt 33 mal das Wort „Lastschrift“ auf. Ein Gesamtwert von fast 2000 Euro sollte tags darauf vom privaten Giro-Konto abgebucht werden. Einziger Hinweis auf den Empfänger: das Kürzel „FNB BOB“ oder „NED Bank“.
Und was sich dahinter verbirgt, hat Rösek schnell übers Internet herausgefunden: First National Bank und NED Bank, beide mit Hauptsitz in Südafrika.
Kontodaten wurden an einem Geldautomaten abgegriffen
„Betrug. Pech gehabt. Das Geld ist erst mal weg“, informiert die Notfall-Hotline der Bank. „Vielleicht können Sie es ja zurückbuchen“, ermutigt der zuständige Berater am Montagmorgen. „Ansonsten kommt unser Kreditinstitut für den Schaden auf, sobald geprüft wurde, ob Sie nicht grob fahrlässig gehandelt haben.“
So oder so ähnlich ergeht es zurzeit nicht nur der WZ-Leserin. Sie ist einem professionellen EC-Karten-Betrug zum Opfer gefallen. Beim „Skimming“ installieren die Gangster einen Aufsatz, der die Kundendaten ausspäht. Vermutlich wurden Röseks Daten an einem einzigen Geldautomaten abgegriffen. „Die Fälle häufen sich“, sagt der Polizeibeamte, der die Anzeige entgegennimmt. „Zwischen 800 und 2500 Euro Schaden geben die Betroffenen jeweils an.“
Schon vor vier Wochen hatte die WZ über ähnliche Vorfälle in Ratingen berichtet. Inzwischen ist klar, dass der EC-Automat der Commerzbank in Lintorf manipuliert worden war. Frank Sobotta, Pressesprecher der Kreispolizei, bestätigt: „Am 9. und 10. Oktober hatten wir es mit 50 Anzeigen zu tun.“ 55.000 Euro Schaden seien entstanden. Und das allein in diesem Fall. Neun weitere Manipulationen an verschiedenen Bankomaten habe es kreisweit in der letzten Zeit gegeben – Tendenz steigend.
Kreditinstitut lässt die EC-Automaten jetzt nachrüsten
Für die betroffenen Kreditinstitute sind diese Fälle doppelt unangenehm. Zum einen haften sie für den Schaden, der den Kunden entstanden ist. „Das Geld bekommen die Leute natürlich umgehend von uns erstattet“, so der Commerzbank-Filialleiter in Lintorf, Marc Dickmann. Zum anderen müssen die EC-Automaten noch mal nachgerüstet werden.
„Bei uns werden bis zum Ende des Jahres alle Automaten mit einem Spezialschutz versehen – landesweit“, so Dickmann. Dass der Aufwand gerechtfertigt ist, zeigen die Fallzahlen: Gab es 2007 noch insgesamt 191 ähnliche Betrugsfälle in NRW, zählten die Behörden 2008 schon 459 Fälle manipulierter Automaten.
Und so gehen die Betrüger vor: Am Automaten montieren sie Aufsätze mit Kameras, in deren Schlitz der Bankkunde seine Karte steckt. Die Daten werden ausgelesen und anhand des Geheimcodes (ebenfalls per Kamera oder mit aufgeklebter Tastatur ermittelt) für die Herstellung einer Kopie benutzt. In Südafrika oder Südeuropa in einen Automaten gesteckt, kann mit der Kopie Geld abgehoben werden.
Der Betrug ist schwer nachzuweisen. Sobotta: „Wir haben vor einigen Wochen Leute aus dem bulgarischen Sofia festgenommen, die in einem österreichischen Leihwagen unterwegs waren.“ Sogar die manipulierenden Apparaturen hätten sichergestellt werden können. „Aber nachweisen konnte man den Betrug dennoch nicht.“ Wenn er international organisiert sei, gelinge die Beweisführung nur schwer.




