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LokalesKreis MettmannKreis Mettmann
24. November 2009 - 17:36 Uhr
Erkrath: Arbeit, damit Struktur ins Leben kommt
von Stefan Schneider
Mit dem Förderprogramm „JobPerspektive“ werden Langzeitarbeitslose wieder ins Berufsleben integriert.
 
 

Erkrath. „Als ich von dem Projekt hörte, habe ich mich spontan entschlossen, mitzumachen“, sagt Ralf E. Mago, der Geschäftsführer des gleichnamigen Garten- und Landschaftsbaubetriebes in Erkrath-Hochdahl. „Und ich bereue es nicht. Die beiden zusätzlichen Kräfte leisten eine hervorragende Arbeit.“

Die beiden Neuen sind HubertS. (42) und Anatol J. (56) – Namen von der Redaktion geändert – und seit Anfang September bei Mago. Hubert S., der ehemalige Schlosser, fühlt sich in der Betriebswerkstatt am wohlsten. Er schraubt, bohrt und hämmert, wo Not am Mann ist. Anatol J. ist überall zu Hause. Schließlich hat er schon als Elektroschweißer, Dreher, Bohrer „und“, so sagt er, „noch viel mehr“ gearbeitet. Das ungleiche Duo – den Erkrather und den Mann aus Nowosibirsk – eint ein gemeinsames Schicksal: Beide sind langzeitarbeitslos. Und beide haben weitere „Vermittlungshemmnisse“, wie es im Amtsdeutsch heißt. So hat Hubert S. nie einen Beruf erlernt und einen Bandscheibenvorfall hinter sich. Bei Anatol J. wiederum hapert es trotz seiner mittlerweile elf Jahre in Deutschland an der Sprache. Zudem ist er mit 56 Jahren nicht mehr der jüngste.

Schaffung zusätzlicher und dauerhaft geförderter Beschäftigungsressourcen im gemeinwohlorientierten Bereich – und zwar für Personen, die nicht mehr auf den regulären Arbeitsmarkt vermittelt werden können.
Das 18. Lebensjahr muss vollendet sein, und es muss Langzeitarbeitslosigkeit vorliegen. Zudem müssen mindestens zwei weitere „Vermittlungshemmnisse“ vorliegen: über 50 Jahre, gesundheitliche und/oder psychische Einschränkungen, mangelnde Sprachkenntnis, Analphabetismus, Überschuldung, Suchtproblematik, Vorstrafen, keine abgeschlossene Berufsausbildung, kein Schulabschluss, keine Berufserfahrung.
Maximale Förderleistung sind 75 Prozent des Arbeitnehmerbruttos und des gesamten Arbeitgeberanteils an der Sozialversicherung. Der Förderzeitraum beträgt 24 Monate.
Seit dem 1. April 2008 kann jeder Arbeitgeber diesen Beschäftigungszuschuss für jede neu eingerichtete Arbeitsstelle beantragen. Die Vergütung muss dem ortsüblichen Tarif oder den ortsüblichen Löhnen entsprechen. Es besteht keine Beitragspflicht zur Arbeitslosenversicherung.
Derzeit sind im Kreis 195 Arbeitsstellen im Rahmen dieses Förderprogramms eingerichtet. 120 Stellen sind besetzt. Pro Jahr stehen ME-aktiv dafür drei Millionen Euro zur Verfügung.

Für die Unternehmen gibt es 75 Prozent Beschäftigungszuschuss

Knapp zwei Jahre ist es her, dass die Arbeitsgemeinschaft ME-aktiv das Förderprogramm „JobPerspektive“ aus der Taufe gehoben hat. Ziel: das Schaffen neuer, zusätzlicher Arbeitsstellen für Menschen, die nicht mehr auf den regulären Arbeitsmarkt vermittelt werden können. Als Anreiz für die zumeist mittelständischen Unternehmen winkt ein Beschäftigungszuschuss von bis zu 75 Prozent. „Eine Win-Win-Situation, bei der alle profitieren“, erklärt Peter Jäger, der Geschäftsführungsvorsitzende der Agentur für Arbeit Düsseldorf. „Der Langzeitarbeitslose wird wieder ins Arbeitsleben integriert. Und der Unternehmer profitiert von der Förderung.“

„Dann wurde unser Laden verkauft, und das war’s.“

Hubert S. (Name geändert), langzeitarbeitslos und Teilnehmer der „JobPerspektive“

Im Gartenbetrieb von Ralf E. Mago entlasten die beiden zusätzlichen Mitarbeiter die Fachkräfte von zeitaufwändigen Routinearbeiten wie dem Aufräumen der Werkstatt, dem Reinigen und Pflegen von Arbeitsgeräten nach deren Einsatz und dem Beladen von Fahrzeugen. „Damit haben wir zeitlich mehr Spielraum, können unsere Facharbeiter effektiver einsetzen und mehr Service für unsere Kunden anbieten“, resümiert Mago. „Weiterer Pluspunkt: Die Kosten sind trotz des vollschichtigen Einsatzes der beiden kaum höher als bei geringfügig Beschäftigten. Zwei zusätzliche Vollzeitkräfte hätten wir zum jetzigen Zeitpunkt gar nicht einstellen können.“

Für Hubert S. und Anatol J. bedeutet der Job vor allem eines: Er bringt wieder Struktur in ihr Leben. „Und er bedeutet eine bessere Vermittlungschance, wenn unsere beiden Jahre hier abgelaufen sind“, sagt Hubert S. Obwohl der 42-Jährige nie eine Ausbildung gemacht hat, war er 20 Jahre lang als Schlosser tätig und bis vor drei Jahren fest angestellt. „Dann wurde unser Laden verkauft, und das war’s“, blickt er zurück. Als ungelernte Kraft – obendrein mit einem Bandscheibenvorfall in der Krankenakte – stand er nun da.

Anatol J., der Mann aus Sibirien, absolvierte in der Heimat sogar die Hochschule und arbeitete als Ingenieur. Nach Stationen unter anderem in Moldawien und zuletzt Polen landete er 1998 schließlich in Deutschland. „Ich hatte hier zwar lohnenswerte Angebote“, erklärt der 56-jährige Vater dreier Töchter in gebrochenem Deutsch. „Doch nach der Probezeit war Schluss. Fachlich lief alles bestens – aber die Sprache . . .“ Das Ende vom Lied war, dass er sich trotz seines Hochschulabschlusses als Ein-Euro-Jobber verdingte.

Mit dem Förderprogramm im Rücken sehen aber sowohl Hubert S. als auch Anatol J. wieder einen Lichtstreif am Horizont.


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