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LokalesKreis MettmannErkrath / Haan / Mettmann
25. November 2009 - 17:49 Uhr
Haan: Trödel bei Wind und Wetter
von Anika Luckei
Von Anfang an ist Friedhelm Wacker beim Trödemarkt in der Innenstadt dabei. Auch am Sonntag baut der 71-Jährige wieder seinen Stand auf.
 
 

Haan. Wen einmal die Trödelleidenschaft gepackt hat, dem machen auch vom Stehen taube Füße, eingefrorene Hände und die Müdigkeit nichts aus. „Das gehört halt dazu“, meint Friedhelm Wacker, seit 40 Jahren eben solch ein Trödler aus Leidenschaft. Der 71-Jährige kennt sie alle: die ungeschriebenen Gesetzte des Flohmarkts, die Tricks und Kniffe der Verkäufer und natürlich die Kunden.

Geschäftig packt der rüstige Rentner schon seit Tagen seine Schätze in Kisten und beschriftet sie. Denn so ein Trödel will gut vorbereitet sein. „Bei so vielen Kisten kann ich mir ja gar nicht merken, was da alles drin ist“, sagt Wacker, der den Inhalt seiner rund 30 Kartons am Sonntag auf dem Trödelmarkt an dem Mann bringen will. Von Anfang ist er in Haan dabei. Seit 36 Jahren baut er bei Wind und Wetter in der Innenstadt seinen Stand auf.

Die ersten Käufer kommen mit Taschenlampen um 2 Uhr morgens

Und als treuer Händler darf Friedhelm Wacker sich bereits am Samstag in Position bringen. „Ich baue Abends den Stand auf und bleibe dann bis zum nächsten Morgen da“, erzählt Wacker. Der nächste Morgen beginnt für den Haaner Trödelkönig allerdings recht früh. „Zwischen 2 und 3 Uhr kommen die ersten Käufer mit Taschenlampen vorbei.“ Oft seien diese frühen Kunden versierte Sammler oder selbst Trödler, die die besten Stücke kaufen wollen, bevor es jemand anderes macht. Offiziell beginnt der Markt um 8 Uhr.

„Wer noch nicht reingefallen ist, der hat auch noch nicht getrödelt.“

(Friedhelm Wacker (71) baut seinen Stand seit 36 Jahren in der Haaner Innenstadt auf)

So manch unerfahrene Verkäufer ist dabei auch mal übers Ohr gehauen geworden. Eine Erfahrung, die auch Wacker schon gemacht hat. „Ich hatte Schlumpf-Sammelfiguren, deren Preis ich nicht einschätzen konnte. Also fragte ich einen Freund um Rat“, erzählt er. Als Dank für die nette Geste schenkte Wacker dem Bekannten zwei Figuren, deren Wert er mit fünf Mark angegeben hatte. Erst Jahre später erfuhr Wacker, dass allein diese beiden Schlümpfe um die 80 Mark Wert gewesen waren. „Aber so ist das“, sagt Wacker. „Wer noch nicht reingefallen ist, der hat auch noch nicht getrödelt.“

Rund 250 Stände werden an diesem Sonntag wieder aufgebaut. Die meisten davon gehören Privatleuten wie Friedhelm Wacker. Darauf sind die Organisatoren des Trödels stolz, auch wenn vor zwanzig Jahren fast doppelt so viele Trödler dabei waren. Das Flair des Trödelmarktes ist aber das gleiche geblieben – ein Flohmarkt in der Vorweihnachtszeit ist eben schon etwas Besonderes. Der Erlös der Standgebühren kommt auch in diesem Jahr wieder Hilfsorganisationen und anderen Haaner Institutionen wie der Musikschule zu Gute.

Doch nicht nur die Stände sind weniger geworden, auch die Preise seien gesunken, sagt Trödler Wacker. Selbst bei gut erhaltenen Sachen könne man nur mit ein paar Euro rechnen. Es gebe so etwas, wie eine Fünf-Euro-Grenze, meint der Profi. Auch mit den ehemals beliebten Kristallgläsern oder Porzellan aus Omas Zeiten, sei heute kein Geschäft mehr zu machen.

Ähnlich sehe es mit Büchern aus. „Selbst teure Bildbände lassen sich kaum verkaufen.“ Bücher sollte man daher am besten ansprechend präsentieren und nicht in Kisten verstecken. Die Präsentation sei aber grundsätzlich wichtig. Wacker: „Die Sachen müssen sauber und vor allem funktionstüchtig sein. Ich gebe beispielsweise eine Garantie. Die Leute können die Sachen bis zu einer bestimmten Zeit zurückgeben.“

Doch nicht alle Käufer wollen die Preise drücken. „Ich sehe das in den Augen der Menschen, wenn sie ein Stück in der Hand haben, das sie wirklich haben wollen – das ist dieses Funkeln. Bei solchen Kunden frage ich dann, was sie bereit sind zu zahlen. Da kommt dann öfter ein höherer Preis heraus, als ich ihn mir vorgenommen hatte.“


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