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28. Januar 2010 - 18:45 Uhr
Neues Buch: Der Zauberer von Madulain
von Corinna Wolber
Fritz Stieleke, Bibliothekar an der Heine-Uni, hat eine poetische Erzählung vorgelegt.
 
 

Düsseldorf. Es gibt Romane, die auf den ersten Blick gewöhnlich daherkommen. Da ist von einer besonderen Freundschaft die Rede, es werden ein paar Probleme eingestreut, und am Ende sind dann doch alle irgendwie glücklich und um Erfahrungen reicher. Eine solche Erzählung ist auch „Madulain“ von Fritz Stieleke – aber eben nur auf den ersten Blick.

Die Handlung ist rasch erzählt: Protagonist Hans Falter freundet sich mit Mengia an, einer jungen Frau, die aus dem schweizerischen Madulain stammt. Dort wird das rätoromanische Puter, eine klangliche Melange aus Schweizer Deutsch und Chinesisch, gesprochen, die nur noch rund 3600 Sprecher hat. Mengia bringt Falter das Puter bei, und zu den freundschaftlichen Treffen gesellen sich bald noch zwei Kinder, die in Falter ein längst vergangenes Ereignis wachrufen, dem Mengia schließlich auf die Spur kommt.

Fritz Stieleke wurde 1954 in Neuss geboren und lebt in Düsseldorf, wo er in der Uni-Bibliothek arbeitet.
Die Erzählung „Madulain“ ist im Karin Fischer Verlag erschienen und kostet 8,50 Euro.

Dem Autor geht es um die Beschreibung von Seelenzuständen

So weit, so gut. Doch auch ohne den ganz großen Plot ist „Madulain“ ein besonderes Buch, und das vor allem wegen seines ungewöhnlichen Autors. Der 55-jährige Fritz Stieleke hat in Düsseldorf Romanistik und Anglistik studiert, arbeitet seit 1987 als Bibliothekar an der Heine-Uni – und spricht perfekt Puter. In dieser Sprache führt er nicht nur sein Tagebuch, auch die Originalversion von „Madulain“ hat er in Puter verfasst, obwohl er insgesamt sieben Sprachen spricht.

„1988 habe ich durch Zufall einen Sprachkurs in Laax gemacht und mich in die Sprache verliebt“, erzählt er. Später habe er eine Landkarte des Oberengadin studiert und sei auf den Ort Madulain gestoßen. „Der Klang dieses Wortes wirkte wie ein Zauber auf mich“, sagt Stieleke.

Passend dazu wird Madulain in seinem Roman denn auch zur Bezeichnung für einen glücklichen, von Dankbarkeit erfüllten Gemütszustand, den der Ich-Erzähler Hans Falter erlebt. Zuweilen kommt die Erzählung eine Spur zu idyllisch daher, und wirklich überraschende Wendungen nimmt sie nicht.

Doch das ist letztlich zweitrangig, geht es doch mehr um die Beschreibung von Seelenzuständen als um Story-Telling – und auch Lyrik spielt eine wichtige Rolle: „Ich verbinde gern meine persönlichen Lieblingsgedichte mit dem Leben der Figuren“, sagt Stieleke und lässt deshalb auch Hölderlin und Heine zu Wort kommen.

Autobiographisch sei seine Erzählung allerdings nicht. „Aber Falters Art zu empfinden ist meiner sehr ähnlich“, sagt Stieleke. „Und natürlich drücke ich in meinem Text auch eigene Wünsche aus.“ Dies tut er in einer wunderschönen Sprache, die mit großer Eleganz Gefühle in Worte zu fassen versteht – sein Schreibstil ist unverbogen und authentisch. „Mir liegen Gesten und Worte der Zärtlichkeit eben am Herzen“, sagt Stieleke. Und eben diese Worte machen „Madulain“ zu einer lohnenden Lektüre.

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