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9. März 2010 - 19:12 Uhr
Schuldenkrise: Die Entwaffnung der Spekulanten
von Detlef Fechtner
mit einem Kommentar von Christoph Lumme
Warum Europas Regierungen den Handel mit bestimmten Wertpapieren strenger reglementieren wollen.
 
 

Was ärgert die Regierungen?

Spekulative Anleger nutzen die Schuldenkrise Griechenlands, um auf den Bankrott des Staates zu wetten. Wenn hoch verschuldete Staaten in den Ruin getrieben werden, klingeln bei den Spekulanten die Kassen.

Wie profitieren Spekulanten von Finanzkrisen?

Es gibt unterschiedliche Strategien oder Produkte, mit denen Investoren auf eine Verschärfung von Krisen wetten können. Zum Beispiel Leerverkäufe: Investoren verkaufen Schuldtitel, die sie gar nicht besitzen, sondern die sie sich nur geliehen haben. Sinkt daraufhin der Preis dieser Papiere, können sie sich billig damit eindecken, um sie an den Verleiher zurückzugeben.

Und wie werden damit Währungen unter Druck gesetzt?

Solche Leerverkäufe sind auch mit Währungen möglich: Hier hofft der Zocker etwa darauf, dass der Wert des Euros zum Dollar bis zum Ablauf der Wette sinkt, damit er einen Gewinn einstreicht. Interessant für viele Spekulanten werden solche Zockereien insbesondere, wenn es Anzeichen für einen Kursverfall gibt, wie etwa die Haushaltskrise Griechenlands. Wird die Wette auf eine bestimmte Währung massenhaft betrieben, ist von einem „Angriff“ die Rede. Die Zocker setzen somit auf Probleme der Euro-Länder – und damit die Gemeinschaftswährung immer weiter unter Druck.

Warum sind auch Versicherungen für Kreditausfälle umstritten?

Mit diesen „Credit Default Swaps“ (CDS) können sich Gläubiger davor schützen, dass ihr Geld verloren ist, falls ein Schuldner – wie Griechenland – seine Schuld nicht mehr bedienen kann. Doch längst werden diese Titel vor allem von Investoren gehandelt, die überhaupt nichts mit griechischen Krediten zu tun haben.

Was ist das Problem?

Unglücklicherweise wirken diese Zockerpapiere auf den Kreditmarkt zurück. Steigt ihr Preis, wächst die Nervosität. Je mehr also die Spekulanten die Ängste treiben, umso kritischer wird die Lage für Griechenland.

Was wollen die Regierungen dagegen tun?

Kanzlerin Angela Merkel und Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker haben gestern die EU-Kommission aufgefordert, der Spekulation enge Grenzen zu setzen. Die EU-Behörde hat daraufhin angekündigt, bis zum Sommer schärfere generelle Vorgaben vorzuschlagen. Außerdem zieht sie, was ungewöhnlich ist, kurzfristig ein Verbot von Ausfallversicherungen für Staatsschulden in Betracht, sofern sie losgelöst vom eigentlichen Kredit gehandelt werden.

Werden die umstrittenen Finanzprodukte bald verboten?

Wahrscheinlich nicht. Denn Industriefirmen haben Sorge, dass Banken ihnen keinen Kredit mehr gewähren, wenn sich die Geldhäuser nicht mehr absichern können. Im Gespräch ist aber, dass Ausfallpolicen nur noch an Börsen gehandelt werden dürfen – und nur von denen, die tatsächlich Kredite gewährt haben.

Kommentar
Die Gier bannen
Von Christoph Lumme

Nicht die Spekulanten haben die Schuldenkrise Griechenlands verursacht, aber sie haben diese auf die Spitze getrieben. Es ist unfassbar, dass Banken, die der Steuerzahler gerade noch mit seinem Geld gerettet hat, jetzt auf die Pleite von Griechenland Wetten abschließen – und damit womöglich einen unermesslichen Schaden herbeizocken, auf dem erneut... mehr  

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