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LokalesKreis MettmannWülfrath / Ratingen / Velbert
10. März 2010 - 17:44 Uhr
Wülfrath: Letzte Fahrt auf rostigem Gleis
von Ulrich Bangert
Vor der Demontage der Schienen nutzen Bahnfreunde die letzte Chance, um ihre besonderen Gefährte noch einmal zu nutzen.
 
 

Wülfrath. Die Bagger stehen bereit, um die Gleise rund um den Bahnhof zu demontieren. Es war Eile geboten, deshalb nutzten Andreas Gathmann und André Holznagel am vergangenen Wochenende die letzte Möglichkeit, um mit ihren außergewöhnlichen Schienenfahrzeugen noch einmal in Richtung Velbert und Flandersbach zu fahren.

Während Schreiner Gathmann im Eigenbau eine Draisine gebaut hat, die von einem Mopedmotor angetrieben wird, fährt André Holznagel mit einem 20 Jahre alten Golf II über die eisernen Wege.

Holznagel, der sich als Eisenbahner bezeichnet, hatte vor Jahren einfach ein Auto auf die Schienen gesetzt und sich damit einen Kindheitstraum erfüllt. Der Solinger lebt seine Leidenschaft auf stillgelegten Bahnstrecken im Bergischen aus. Nach der Nordbahntrasse in Wuppertal entdeckte er Wülfrath. Von der Deutschen Bahn erhielt er die Genehmigung, mit Draisine und Golf die Gleise zu befahren.

Der Golf wird in 20 Minuten zum Schienenfahrzeug umgebaut

Damit aus seinem Golf ein richtiges Schienenfahrzeug wird, prangt auf der Motorhaube ein zusätzlicher Scheinwerfer, auch am Heck sind drei Lichtquellen angebracht. Der Pkw hat eine normale Zulassung für die Straße und wird innerhalb von 20 Minuten zu einem Schienenfahrzeug umfunktioniert. Passgenau wird der rote Automatik-Golf auf dem Bahnübergang platziert.

Die Gummireifen werden gegen stählerne Radsätze mit Spurkränzen gewechselt. Ein befreundeter Metallbauer fertigte die Räder an, ein anderer baute ein Schlechtwege-Fahrwerk ein. Die Karosserie liegt höher, was verhindert, dass der Tank von Radlenkern aufgerissen werden kann. Das Lenkrad wird fixiert, die Schienen führen das Fahrzeug. Ein unbeabsichtigter Griff ins Lenkrad könnte fatale Folgen haben.

Im August 2006 war der letzte Zug auf der Bahnlinie abgefahren, seitdem wucherten die Gleise zu. Gemeinsam mit Freunden schnitt der gelernte Gartenbauer in tagelanger Arbeit die Strecke frei. Im Sommer unternahmen die Hobby-Eisenbahner mehrere Fahrten vom Wülfrather Bahnhof nach Rohdenhaus.

Die Draisine blieb liegen, der Golf fuhr wie geschmiert

Die ungewöhnliche Reise im Bummelzugtempo genossen viele Fahrgäste. „Dieses Mal brauchten wir die Strecke nicht freizuschneiden, das hatte bereits die Abbruchfirma Meißner erledigt“, sagt André Holznagel. Allerdings musste er die Spurrillen an den Bahnübergängen freikratzen.

Während die Draisine mit einem Getriebeschaden liegen blieb und notdürftig repariert wurde, versah der Golf störungsfrei seinen Dienst. Der Schnee erwies sich nicht als hinderlich. „Wenn es an den Steigungen mal rutschig wurde, haben wir ein bisschen Sand gestreut“, sagt Holznagel.

Um einen reibungslosen und sicheren Betrieb zu gewährleisten, wurde das Stellwerk ein letztes Mal besetzt. Über die mächtigen Hebel bediente Markus Wernet die Weichen und die markanten Flügelsignale. Angesichts der Demontage der Bahnanlage breitete sich Wehmut aus.

Holznagel zuckt mit den Schultern: „Was wollen wir machen?“ Für seinen Golf hat er aber bereits eine neue Strecke ins Visier genommen. „Zwischen Remscheid und Bergisch Born liegen noch Gleise.“ Dort wollen er und seine Freunde zu Ostern fahren und unterwegs für die Kinder Eier verstecken.


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