Großoffensive von Opel: Mit Modellen wie dem Diplomat (vorn) wollte der Hersteller 1964 die Oberklasse aufmischen. Foto: Opel Classic Archiv
Großoffensive von Opel: Mit Modellen wie dem Diplomat (vorn) wollte der Hersteller 1964 die Oberklasse aufmischen. Foto: Opel Classic Archiv

Großoffensive von Opel: Mit Modellen wie dem Diplomat (vorn) wollte der Hersteller 1964 die Oberklasse aufmischen. Foto: Opel Classic Archiv

Opels Admiral verkaufte sich besser als Kapitän und Diplomat. Das gilt sowohl für die A-Serie als auch für die hier abgebildete zweite Auflage. Foto: Opel Classic Archiv

Kleinster der drei Großen: der Opel Kapitän A. Foto: Opel Classic Archiv

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Großoffensive von Opel: Mit Modellen wie dem Diplomat (vorn) wollte der Hersteller 1964 die Oberklasse aufmischen. Foto: Opel Classic Archiv

Rüsselsheim (dpa/tmn) - Mitte der 60er Jahre trumpfte Opel groß auf: Mit der KAD-Baureihe wollten sich die Rüsselsheimer im automobilen Oberhaus Respekt verschaffen. Die drei Großen - Kapitän, Admiral und Diplomat - waren beeindruckende Autos, aber kein riesiger Erfolg.

Der Markenname Opel steht für Vernunftautos mit solider Technik, aber nicht für Luxusschlitten. Das Feld der automobilen Oberklasse beackern traditionell andere Hersteller, sei es in Stuttgart oder in München. Was nicht heißt, dass das Unternehmen aus Rüsselsheim in seiner 150-jährigen Geschichte und mit 114 Jahren Erfahrung im Automobilbau nie versucht hätte, der vornehmen Konkurrenz auf Augenhöhe zu begegnen.

Rückblickend war kein Vorstoß in die Liga der motorisierten Gentlemen von bahnbrechendem Erfolg gekrönt. Aber mit Kapitän, Admiral und Diplomat präsentierte Opel 1964 gleich drei Große auf einen Streich. Sie gingen unter der internen Sammelbezeichnung KAD in die Automobilgeschichte ein. Alle drei waren Weiterentwicklungen der 1938 gestarteten Kapitän-Baureihe und teilten sich eine knapp 5 Meter lange und 1,90 Meter breite Karosserie.

Einstiegsmodell der A-Serie war der Kapitän mit 2,6 Liter großem und 74 kW/100 PS starkem Reihensechszylinder. Darüber rangierte der identisch angetriebene, aber besser ausgestattete Admiral. Weil der Motor für die Autos etwas zu schwach, gab es bald Ersatz mit 2,8 Litern Hubraum und 92 kW/125, ab 1967 auch mit 103 kW/140 PS. Die Spitze der KAD-Gruppe markierte der Diplomat.

Nur er hatte elektrische Fensterheber und Nussbaumfurniere - und viel mehr Power unter der Haube. «Die motorische Ausrüstung des Diplomat V-8 fällt völlig aus dem für deutsche Verhältnisse alltäglichen Rahmen», pries Opel bei der Markteinführung den von Chevrolet übernommenen Achtzylinder mit 4,6 Litern Hubraum, 140 kW/190 PS und Automatikgetriebe an.

Auch beim Design war vom alten Kapitän fast nichts mehr zu erkennen. «An die Stelle des sogenannten Auto-Barock ist eine sachliche Harmonie von Form und Linie getreten», beschrieb das Unternehmen damals die grundlegend geänderte Optik mit großen, glatten Blechflächen und einem mächtigen Kühlergrill.

Vielen sagte dieser amerikanisch anmutende Auftritt von Kapitän, Admiral und Diplomat nicht zu. Oder ihnen waren die Autos schlicht zu groß. Bis 1968 wurden insgesamt nur 88 937 KAD-Fahrzeuge gebaut. Am besten verkaufte sich der Admiral mit einer Stückzahl von 55 876, gefolgt von Kapitän (24 249) und Diplomat (8812).

Die Karosserie der KAD-Serie B schrumpfte 1969 in Länge und Breite um jeweils 5 Zentimeter, das Design wurde mehr an den Heimatmarkt angepasst. Technisch rüsteten die Rüsselsheimer ihre Großen weiter auf. Die Motoren wurden stärker. Das 2,8-Liter-Aggregat kam auf bis zu 121 kW/165 PS als Benzineinspritzer. Und auch wenn es den Diplomat fortan mit Sechszylinder gab, hielt Opel am V8 fest.

Topmotor blieb der Achtzylinder mit 5,4 Litern Hubraum und 169 kW/230 PS im Diplomat. Der V8-Diplomat beschleunigte in zehn Sekunden auf Tempo 100. Bei Vollgas zeigte der Tacho knapp über 200 km/h an. Der Verbrauch lag allerdings bei 20 Litern im Schnitt. Nur ein Jahr nach der Markteinführung der KAD-B-Modelle gab es ein Vorzeichen auf das Ende der Serie: Der Kapitän ging 1970 als erster von Bord und wurde durch einen abgespeckten Admiral ersetzt. Der traditionsreiche Modellname war damit Geschichte.

Das Aus für den Admiral kam 1976, in seinem letzten Jahr hieß das zunehmend besser ausgestattete Auto wie der große Bruder Diplomat. Eingestellt wurde die KAD-Baureihe 1977. In der B-Serie waren bei kontinuierlich rückläufigen Produktionszahlen 11 017 Kapitäne, 31 827 Admirale und 18 725 Diplomaten entstanden. Oberklassemodelle vom Format des KAD-Trios gab es bei Opel danach nicht mehr, der direkte Nachfolger Senator war kleiner.

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