450 SEL 6.9 - der Hubraum-König bis heute: In der Nachkriegsgeschichte verbaute Mercedes nie mehr einen Motor mit derartig großem Brennkammervolumen wie in dieser S-Klasse. Foto: Daimler
450 SEL 6.9 - der Hubraum-König bis heute: In der Nachkriegsgeschichte verbaute Mercedes nie mehr einen Motor mit derartig großem Brennkammervolumen wie in dieser S-Klasse. Foto: Daimler

450 SEL 6.9 - der Hubraum-König bis heute: In der Nachkriegsgeschichte verbaute Mercedes nie mehr einen Motor mit derartig großem Brennkammervolumen wie in dieser S-Klasse. Foto: Daimler

Im September 1972 wurde die erste S-Klasse von Mercedes der Weltöffentlichkeit vorgestellt. 1980 lief das letzte Exemplar der ersten Generation vom Band. Foto: Daimler

Weiche Sessel, gepolstertes Armaturenbrett, versenkte Schalter, großes Lenkrad - so mochte es die Kundschaft der S-Klasse. Dieses Auto ist über drei Jahrzehnte alt. Foto: Thomas Geiger

Im Kern kaum gealtert: Komfortabel und durchzugsstark ist dieser 450 SEL 6.9 immer noch. Das Topmodell wurde ab 1975 gefertigt und fand in fünf Jahren über 7000 Käufer. Foto: Thomas Geiger

Hat auch heute noch etwas Staatstragendes: die Mercedes S-Klasse der ersten Generation, die ab 1972 gefertigt wurde. Foto: Thomas Geiger

So sieht er aus, der hubraumstärkste Motor der Mercedes-Markengeschichte nach 1945. Blick in den Motorraum des 450 SEL 6.9. Foto: Thomas Geiger

Gerade Linienführung und viel Chrom: die erste Mercedes S-Klasse. Foto: Thomas Geiger

Stolz auf die Knautschzone seiner Limousinen. Zum Beleg stellte Mercedes auf der Automobilausstellung in Frankfurt 1973 ein im Crashtest zerbeultes Exemplar (im Hintergrund) auf. Foto: Daimler

dpa, Bild 1 von 8

450 SEL 6.9 - der Hubraum-König bis heute: In der Nachkriegsgeschichte verbaute Mercedes nie mehr einen Motor mit derartig großem Brennkammervolumen wie in dieser S-Klasse. Foto: Daimler

Stuttgart/Bischoffen (dpa/tmn) - S-Klasse-Fans fiebern dem Frühjahr entgegen - dann bringt Mercedes die Neuauflage des Flaggschiffs. Eine Zeitreise zu den Anfängen führt 40 Jahre zurück: 1972 kam die Luxuslimousine auf den Markt. Als 450 SEL 6.9 brach sie Rekorde.

Luxuriöse Limousinen gibt es bei Mercedes seit eh und je - aber erst mit der Baureihe W 116 haben die Schwaben die S-Klasse auf den Markt gebracht. Für Sonderklasse stand das «S», und mit ihr sicherte sich das Unternehmen endgültig seinen Stammplatz im Fuhrpark der Reichen und Mächtigen. Denn wahrscheinlich gibt es nur wenige Regierungen, nur wenige größere Firmen und kein Königshaus, das nicht auf die prunkvolle Limousine setzt, die in diesem September ihren 40. Geburtstag feiert.

Die Geschichte beginnt auf dem Pariser Automobilsalon im September 1972: Dort stahl die S-Klasse bei ihrer Weltpremiere selbst Autos wie dem Jaguar XJ die Schau. Mindestens 23 800 Mark teuer und anfangs nur mit Sechs- oder Achtzylinder-Motoren von 118 kW/160 PS bis 165 kW/225 PS lieferbar, kommt die Prunklimousine bei der Prominenz gut an.

Sie fährt mit Kanzler Helmut Schmidt abends durch die «Tagesschau», Playboy Gunter Sachs rollt mit ihr nach Sylt und St. Tropez. Lob kommt auch von Autoexperten: Sie heben neben dem komfortablen Fahrverhalten die für ihre Zeit innovative Sicherheitstechnik hervor. Zum ersten Mal ist der Tank nicht mehr im Heck, sondern crashgeschützt über der Hinterachse montiert.

Der luxuriöse Innenraum bekommt ein stark gepolstertes Armaturenbrett, versenkte Schalter und einen butterweichen Pralltopf auf dem staatstragend großen Lenkrad. Und bei der Karosserie perfektioniert Mercedes die Idee von der Knautschzone. Darauf sind die Schwaben so stolz, dass sie zur Internationalen Automobilausstellung 1973 sogar eine im Crashtest zerstörte Limousine auf den Messestand wuchten.

Auch die Presse ist begeistert. Das Fachblatt «auto motor und sport» preist die S-Klasse als «eines der perfektesten Autos der Welt» und spricht von hoher Fahr- und Unfallsicherheit, perfektionierter Karosserietechnik, überragendem Komfort, hohen Kraftreserven, mühelosem Fahren und mustergültiger Verarbeitung.

Aber der eigentlich Star in der Sternenflotte kommt erst knapp drei Jahre später: Im Mai 1975 präsentiert Mercedes den 450 SEL 6.9. Hinter dem üppigen Chrom-Ornat seines Kühlergrills steckt ein Motor, der alle Rekorde bricht. Seine 6,9 Liter machen den Achtzylinder zu dem bis heute hubraumstärksten Mercedes-Motor in der Nachkriegsgeschichte. Er katapultiert den Luxusliner mit 210 kW/286 PS und 549 Newtonmetern in 7,4 Sekunden auf Tempo 100, und danach auf eine Maximalgeschwindigkeit von 225 km/h. Deshalb gilt der 450 SEL 6.9 als schnellste Limousine ihrer Zeit. Selbst Porsche-Fahrer beißen vor Wut ins Lenkrad, wenn sich im Rückspiegel eine dieser S-Klassen breitmacht.

Dieses Auto hat von seiner Faszination bis heute nichts verloren. Die Polstersessel mit ihren braunen Bezügen erinnern zwar an längst vergangene Moden. Und dass man Ausstattungsdetails wie Zentralverriegelung, Klimaanlage, Scheinwerferwaschanlage oder ein hydropneumatisches Fahrwerk einmal als Innovationen gefeiert hat, mag man im Jahr 2012 kaum noch glauben.

Doch lässt man den Motor an und tritt aufs Gas, kommt Verständnis auf für die insgesamt 7380 Kunden, die anfangs 69 930 D-Mark und zum Ende der Laufzeit 81 247 D-Mark für einen 450 SEL 6.9 auf den Tisch blätterten und damit rund doppelt so viel wie für einen 350 SE. Die Reifen quietschen, man sinkt tief in die weichen Sessel, der Bug richtet sich auf: So kräftigen Vortrieb in einem so komfortablen Ambiente - diese Kombination bietet damals kein anderes Auto.

Das letzte Exemplar der ersten S-Klasse der Baureihe W 116 mit der Laufnummer 473 035 verlässt die Fabrik in Sindelfingen bereits im Herbst 1980. Aber selbst diese Laufzeit von acht Jahren hat manche verwundert. Denn Ölkrise, Fahrverbote und Rezession auf der einen und schnelllebige Moden, quietschbunte Farben und rasch wechselnde Formen auf der anderen Seite sind in den siebziger Jahren nicht eben der perfekte Nährboden für eine Limousine, die bleibende Werte verkörpern soll.

Ist die erste S-Klasse zu ihrer Zeit ein teures Vergnügen, ist der Luxus heute schon zum relativ kleinen Preis zu haben. Gute und sofort einsatzbereite Fahrzeuge gebe es schon für 10 000 Euro, sagt Andreas Ignaz. Er ist Kfz-Meister und Geschäftsführer in einem Mercedes-Autohaus im hessischen Bischoffen und fährt selbst einen W 116. An Fahrzeugen unter 5000 Euro müsse dagegen viel gemacht werden. Ab 15 000 Euro sei ein perfekt restauriertes Exemplar zu haben.

Der 450 SEL 6.9 allerdings nimmt auch als Oldtimer eine Sonderstellung ein und wird auf dem Markt gern für das Fünf- bis Zehnfache eines Sechszylinders gehandelt. Vor allem bei den Sechszylindern gehe der Käufer aber kein nennenswertes Risiko ein, sagt Ignaz: «Denn die sind bei guter Pflege für die Ewigkeit gemacht.»

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