Heute ist der exotische Volkswagen SP2 ein Hingucker bei jeder Oldtimer-Rallye, an der er teilnimmt. Zwischen 1972 und 1976 liefen 10 000 Exemplare vom Band. Foto: Volkswagen
Heute ist der exotische Volkswagen SP2 ein Hingucker bei jeder Oldtimer-Rallye, an der er teilnimmt. Zwischen 1972 und 1976 liefen 10 000 Exemplare vom Band. Foto: Volkswagen

Heute ist der exotische Volkswagen SP2 ein Hingucker bei jeder Oldtimer-Rallye, an der er teilnimmt. Zwischen 1972 und 1976 liefen 10 000 Exemplare vom Band. Foto: Volkswagen

Der Volkswagen SP2: Das sportlich gezeichnete Coupé mit dem schwachen Boxermotor wurde vor 40 Jahren ausschließlich für Brasilien aufgelegt. Foto: Volkswagen

Der brasilianische Volkswagen SP2 verdankt seinen letzten optischen Schliff Helga Leiding, der Ehefrau des damaligen VW-Brasilienchefs und Chefdesigners Rudolf Leiding. Foto: Volkswagen

Der Motor hält nicht das Versprechen der sportlichen SP2-Optik: Der Boxer leistet nur 47 kW/64 PS und beschleunigt das Coupé in müden 17,2 Sekunden auf Tempo 100. Foto: Thomas Geiger

Sportliches Ambiente: Das Cockpit des VW SP2 mit Drei-Speichen-Lenkrad, kurzem Gangknüppel, chromgefassten Instrumenten und Kunstleder-Optik. Foto: Thomas Geiger

dpa, Bild 1 von 5

Heute ist der exotische Volkswagen SP2 ein Hingucker bei jeder Oldtimer-Rallye, an der er teilnimmt. Zwischen 1972 und 1976 liefen 10 000 Exemplare vom Band. Foto: Volkswagen

Wolfsburg/São Paulo (dpa/tmn) - Ein VW, den kaum einer kennt? Es gibt ihn! Vor 40 Jahren legte die Wolfsburger Marke mit dem SP2 einen Sportwagen auf, der nur in und für Brasilien gebaut wurde. In Europa gibt es nur noch ein paar Dutzend Import-Exemplare.

Wer auf einer Oldtimer-Rallye mit diesem VW unterwegs ist, muss viele Fragen beantworten: Ist Ihr Auto ein früher Vorbote des Scirocco? Oder doch ein Nachfahre des Karmann Ghia? Nein, es handelt sich um einen SP2, lautet die Antwort.

Obwohl das schmucke Coupé rund 10 000 Mal gebaut wurde und alles andere als unauffällig aussieht, ist es unbekannt. Aus gutem Grund: Allein für den brasilianischen Markt entwickelt und ausschließlich dort produziert, zählt der SP2 in Europa zu den exotischsten VW-Modellen überhaupt. Nur ein paar Dutzend schafften es über den Atlantik. So erklärt sich auch, dass die Feiern zum diesjährigen 40. Geburtstag des Klassikers eher verhalten ausfallen.

Dass es den Wagen überhaupt gibt - so erzählt Eberhard Kittler, der bei VW die Klassiksparte leitet -, verdankt die Fangemeinde dem damaligen VW-Brasilienchef Rudolf Leiding und dem harten Kurs der Militärregierung: Der eine will für das Image seiner Marke partout einen kleinen Sportwagen haben, die anderen wollen keine ausländischen Autos auf ihren Straßen sehen. Also trommelt Leiding Ingenieure im brasilianischen Schwerindustrie-Zentrum São Bernardo de Campo zusammen und lässt sie das passende Auto entwickeln.

Eine Plattformstrategie gibt es zwar noch nicht, aber Komponenten für solch ein Projekt hält die VW-Modellpalette trotzdem bereit: Die Vorderachse stammt vom Käfer, Hinterachse und Motor vom Typ 3, und das Design wird zur Chefsache. Die Skizzen für das Coupé macht Leiding selbst und diskutiert sie nach Feierabend mit seiner Ehefrau Helga. Sie gibt dem 4,22 Meter kurzen und nur 1,16 Meter hohen Zweitürer den letzten Schliff.

Vor 40 Jahren, im Juni 1972, beginnt beim VW-Partner Karmann in São Paulo die Produktion des Wagens, der bei einem Preis von umgerechnet rund 16 000 Mark einen kleinen Erfolg erzielt: Bis die Fertigung schon 1976 wieder eingestellt wird, laufen immerhin mehr als 10 000 Exemplare vom Band. Leidings Idee mit der Imagepflege hat funktioniert. Doch sportlich am SP2 ist nur das Design.

Denn unter dem hohen Kofferraumboden im Heck steckt ein Vierzylinder aus dem VW Typ 3. Den haben die Brasilianer zwar auf 1,7 Liter aufgebohrt. Aber mehr als 47 kW/64 PS sind aus dem flachen Boxermotor trotzdem nicht heraus zu holen. Der knapp 900 Kilo leichte Wagen knattert wie ein alter Käfer. 17,2 Sekunden braucht er von 0 auf 100 km/h, und mit Rückenwind schafft er etwas mehr als 160 km/h. Nicht umsonst haben die SP2-Fans des Rätselraten um die Bedeutung des Typenkürzels mit einem Augenzwinkern beendet: Für sie steht SP in der Landessprache für «sem Potencia» - ohne Leistung.

Aber das Auto sieht cool aus beim Schaulaufen unter dem Zuckerhut und bietet den Insassen überraschend viel Komfort. Die Rückbank taugt nur für Taschen oder Jacken. Aber vorne sitzt man prima - wenngleich der Hintern fast die Straße berührt. Die Hände umfassen ein dünnes Lenkrad mit drei Speichen, der Stummel zum Viergang-Getriebe ist kurz, und die Augen lesen die Daten von verchromten Instrumenten im Kunstleder-Cockpit ab.

Glaubt man Einträgen auf einigen Internetseiten, hätte der SP2 ein frühes Weltauto werden und von Brasilien aus seinen Weg nach Amerika und Europa finden sollen. Ein Auto wie der Scirocco wäre dann vielleicht überflüssig gewesen. Doch war das mit den damaligen Zulassungsvorschriften nicht zu machen, so der Schweizer Sammler Beat Bähler auf seiner Fanseite www.sp2.ch. Außerdem wollten sich die Entwickler in Wolfsburg offenbar von Brasilianern nichts vormachen lassen. Wenig später leiteten sie mit dem Scirocco noch vor dem Golf den Wechsel von Heck- auf Frontantrieb und Luft- auf Wasserkühlung ein. Den Exoten vom anderen Ende der Welt brauchte damit keiner mehr.

Dass es trotzdem ein paar Exemplare des SP2 in die alte Welt schafften, ist vor allem deutschen VW-Gastarbeitern in Brasilien zu verdanken. Denn lange bevor das Internet den interkontinentalen Gebrauchtwagenhandel beflügelt und nun zu Preisen bis zu 50 000 Euro immer mehr Samba-Veteranen angeboten werden, brachten sie den SP2 zum Ende ihrer Dienstzeit mit nach Deutschland.

Einer kam sogar per Luftfracht: Als in Brasilien die Produktion beginnt, ist SP2-Initiator Leiding bereits wieder in Wolfsburg. Mittlerweile ist er zum Vorstandsvorsitzenden aufgestiegen. Weil seine Frau gerade Geburtstag hat, lässt er für sie kurzerhand einen Wagen einfliegen.

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