Keine elektronischen Helfer und eine Lenkung wie ein Lastwagen: Manche Cobra-Piloten holten sich wunde Hände. Foto: Thomas Geiger
Keine elektronischen Helfer und eine Lenkung wie ein Lastwagen: Manche Cobra-Piloten holten sich wunde Hände. Foto: Thomas Geiger

Keine elektronischen Helfer und eine Lenkung wie ein Lastwagen: Manche Cobra-Piloten holten sich wunde Hände. Foto: Thomas Geiger

Beengter Arbeitsplatz hinterm Achtzylinder: Das große Lenkrad lässt kaum Platz für die Knie. Foto: Thomas Geiger

Klassiker mit Bärenkräften: Bei der AC Cobra werden Achtzylinder vom Zügel gelassen. Foto: Thomas Geiger

Die AC Cobra ist auch heute noch als Neuwagen erhältlich - als einer der ganz wenigen Oldtimer überhaupt. Foto: Thomas Geiger

Anhand der Fahrgestellnummer können sich Interessenten von der Originalität einer AC Cobra überzeugen. Foto: Thomas Geiger

Das Herz der Cobra ist stark: 480 kW/650 PS schöpft der Achtzylinder aus sieben Litern Hubraum. Foto: Thomas Geiger

dpa, Bild 1 von 6

Keine elektronischen Helfer und eine Lenkung wie ein Lastwagen: Manche Cobra-Piloten holten sich wunde Hände. Foto: Thomas Geiger

Las Vegas/Dortmund (dpa/tmn) - Ein kleiner englischer Roadster mit einem großen amerikanischen V8-Motor - was der Texaner Caroll Shelby vor 50 Jahren auf die Räder stellte, war kaum zu schlagen. Die AC Cobra gilt als Vermächtnis der kürzlich verstorbenen Renn-Legende.

Angst konnte man Caroll Shelby nun wirklich nicht vorwerfen. In seiner Kindheit war er wegen eines Herzfehlers ans Bett gefesselt. Trotzdem brachte es der Texaner später zum Kampfpiloten und zum erfolgreichen Rennfahrer. Und vor genau 50 Jahren stellte er ein Auto auf die Räder, das nur die Mutigsten fahren konnten: die AC Cobra.

Die Geschichte des Roadsters beginnt in den sechziger Jahren: Shelby bringt den kriselnden britischen Kleinserien-Hersteller AC und den amerikanischen Riesen Ford zusammen, der einen gewaltigen Achtzylinder spendiert. «Ein zierlicher Roadster und ein V8-Motor - diese Kombination verlieh der Cobra ein einzigartiges Leistungsgewicht», sagt Martin Drengenberg, der in Dortmund eine der wenigen Cobra-Werkstätten in Deutschland betreibt. Mit der Einheit wird das Verhältnis von Masse und Leistung beschrieben. In der schärfsten Kombination waren das 480 kW/650 PS aus sieben Litern Hubraum bei einem Fahrzeuggewicht von 1050 Kilogramm, sagt der Experte. Das waren 1,6 Kilo pro PS - selbst Ferrari und Co. kommen nur mit Mühe an diesen Wert heran.

Was den Reiz der Cobra ausmacht, ist die rohe, ungehobelte Gewalt, mit der dieses Auto auch heute noch zu Werke geht. Man sitzt eingezwängt in einer schlanken wie flachen Karosserie aus Aluminium. Wenn man den ersten Gang einlegt, geht ein Ruck durch den Wagen. Sobald sich der Gasfuß senkt, kennt die Cobra kein Halten mehr: Die Ohren klingeln, und ein Orkan, der über die viel zu kleine Frontscheibe tobt, zerrt an den Haaren. Bald schon glühen die an den Flanken geführten Auspuffrohre rot wie überhitzte Ofenrohre. Der Achtzylinder, den Kenner wegen seines in Cubic Inches angegebenen Hubraums nur 427er nennen, tut seine Arbeit.

«In Zeiten, als ein Porsche noch gar nicht und ein Ferrari nur nach gründlichem Tuning über 200 km/h kam, erreichte Shelbys Schlange schon 270 Sachen, und das Cobra Daytona Coupé sogar 320», sagt Martin Drengenberg. Damit war das Auto nahezu unschlagbar. Wer die Cobra heil ins Ziel brachte, hatte fast automatisch gewonnen, berichtet der Spezialist: «Aber das war gar nicht so einfach». Keinerlei elektronische Helfer, ein bockhartes Fahrwerk, eine Lenkung wie ein Lastwagen, dazu Leistung im Überfluss: Mitunter hätten die Cobra-Piloten ihre Siegerkränze mit wunden Händen entgegen genommen - so schwer war der Wagen auf Kurs zu halten.

Für Shelby war die Cobra der Beginn einer steilen Karriere. Zwar musste der Texaner den ersten, damals knapp 5000 Dollar teuren Wagen angeblich oft mehrmals neu lackieren, um Journalisten und Geschäftspartnern vorzugaukeln, die Serienproduktion sei bereits angelaufen. Und bis zum Produktionsstopp im Jahr 1969 wurden nicht einmal 1000 Autos gebaut. Der Bann aber war gebrochen. Shelby realisierte noch viele andere Muscle-Cars.

«Doch das Modell, das wohl auf ewig mit dem Namen Caroll Shelby verbunden bleiben wird, ist die AC Cobra - und umgekehrt», sagt Drengenberg. Der Experte kannte die PS-Legende, die im Mai im Alter von 89 Jahren starb, noch persönlich. Shelbys Erbe pflegt er, indem er Originale und auch Nachbauten verkauft.

So ist die Cobra neben den Roadstern von Morgan aus England einer der wenigen Oldtimer, die man noch fabrikneu erwerben kann. Schon seit den siebziger Jahren baute Shelby solche sogenannten Continuation-Modelle, die technisch 1:1 auf dem Stand von 1965 sind. «Nur die Fahrgestell-Nummer wurde geändert, damit keiner mit den Autos Schindluder treibt,» sagt Drengenberg.

Originale aus den Sechzigern und Siebzigern sind in Deutschland sehr rar. Drengenberg schätzt den Bestand auf rund zwei Dutzend Fahrzeuge. Das lässt den Preis in die Höhe schnellen, selbst bei den Nachbauten: Ein Auto wie Drengenbergs aktuelle 427er-Cobra aus der Continuation-Serie steht neu mit etwa 140 000 Dollar (rund 107 000 Euro) im Katalog - allerdings ohne Motor. Gemessen an den Originalen aus den frühen Sechzigern sind die jungen Modelle allerdings Schnäppchen: «Unter einer halben Million geht bei einer 427er-Cobra nichts mehr», so der Experte.

Bei solcher Exklusivität ist es kein Wunder, dass Nachahmer auf den Plan treten: Zum Teil mit dem Segen von Caroll Shelby und oft auch ohne, gibt es dutzende Repliken des Rennwagens, die auch heute noch produziert und verkauft werden. «Manche davon sind sogar teurer als die offiziellen Neuwagen von Shelby», wundert sich Drengenberg und rät Interessenten zur gründlichen Recherche: Wer sicher sein will, dass er eine echte Cobra kauft, müsse auf jeden Fall die Fahrgestellnummer prüfen. Da auf den einschlägigen Seiten im Internet alle Fahrzeuge lückenlos dokumentiert seien, könne man mit der Kennung manch böse Überraschung vermeiden.

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