Constantin Schreiber präsentiert im ägyptischen TV ein Magazin in arabischer Sprache. Die Reaktionen sind positiv.

Boekamp & Kriegsheim

Kairo/Köln. „Ach, wie charmant“, seufzen deutsche Fernsehzuschauer, wenn Michelle Hunziker mit ihrem italienisch gefärbten Deutsch über den Bildschirm schwebt. Ähnlich geht es Arabern, wenn Constantin Schreiber (34) im ägyptischen Fernsehen das Wissenschaftsmagazin „SciTech“ moderiert. Schreiber ist der einzige Deutsche, der auf Arabisch eine Fernsehsendung präsentiert. Dass er einen leichten deutschen Akzent hat, stört weder die Redakteure des Privatsenders ON TV noch die Zuschauer. „Die finden das schon ganz putzig, wenn ein blonder Deutscher Arabisch spricht“, sagt Schreiber.

Ihm war wichtig, dass seine Moderation nicht komisch wirkt

Der Journalist, der schon als Jugendlicher Arabisch gelernt hat, will sich aber nicht nur auf seinen „Exoten-Bonus“ verlassen, sondern auch professionell ernst genommen werden. „Das war mir von Anfang an wichtig, deshalb hatte ich vor der Aufzeichnung der ersten Sendung mehrere Araber gebeten, sich das anzuschauen. Sie haben mir alle versichert, dass meine Moderation nicht komisch wirkt und dass ich auch gut zu verstehen bin.“

„Die finden das schon ganz putzig, wenn ein blonder Deutscher Arabisch spricht.“

Constantin Schreiber, Moderator

Wobei ein bisschen mehr Spaß und Lockerheit der 20-minütigen Sendung, die manchmal etwas bieder und schulfunkmäßig daherkommt, vielleicht gar nicht so schlecht zu Gesicht stehen würde.

Doch der Redaktion von ON TV in Kairo gefällt gerade das Seriöse so besonders gut. Nachdem Schreiber die Sendung einmal im Polo-Hemd moderiert hatte, baten ihn die Ägypter, er solle doch bitte künftig langärmlige Hemden tragen. Produziert wird „SciTech“ von der Berliner Produktionsfirma Boekamp & Kriegsheim in Zusammenarbeit mit ON TV. Seit März 2012 läuft die Sendung, die vom Auswärtigen Amt finanziell gefördert wird, jeden ersten Dienstag im Monat am späten Nachmittag. Schreiber muss nur etwa einmal pro Staffel zu einem Dreh nach Kairo reisen. Seine Moderation wird ansonsten in Deutschland aufgezeichnet, wo man Schreiber als Nachrichtenmann von n-tv kennt.

Eine Beschwerde kam aus der islamisch inspirierten Ecke

Inhaltlich geht es bei „SciTech“ vorrangig um Technologie-Themen mit praktischem Alltagsbezug und Öko-Touch. Einmal wird Bahntechnik „made in Germany“ vorgestellt, ein anderes Mal geht es um das Recycling von Textil-Abfällen in Ägypten. „Wir Deutschen gelten nun mal als Techniker und Forscher“, sagt er.

Constantin Schreiber wurde am 14. Juni 1979 geboren. Bereits als Jugendlicher verbrachte er längere Zeit bei Freunden der Familie in Syrien. Daher spricht er fließend Arabisch.

Nach dem Abitur folgte ein Jura-Studium (1998-2002) sowie ein journalistisches Volontariat bei der Deutschen Welle (2004-2006). 2007 ging er als Korrespondent der Deutschen Welle nach Dubai. Von 2009 bis 2011 war Schreiber als Medienberater für den Nahen Osten im Auswärtigen Amt tätig. Seit Januar 2012 moderiert er auch die Nachrichten auf n-tv.

2010 veröffentlichte er „Ausverkauf Deutschland“, über die Rolle ausländischer Investoren in Deutschland.

Auf seiner Facebook-Seite erhält Schreiber inzwischen auch Zuschriften auf Arabisch. „Die meisten Nachrichten, die ich bekomme, sind freundlich“, sagt der 34-Jährige. Einige Zuschauer wollen unter anderem von ihm wissen, wie sie sich um einen Studienplatz in Deutschland bewerben können. Viele Ägypter bewundern, wie gut sich der deutsche Moderator ihre Sprache angeeignet hat. „Einer von ihnen hat mir geschrieben, dass sie dachte, ich hätte einen arabischen Vater.“ Nur einmal habe sich jemand beschwert, berichtet Schreiber. „Diese Zuschrift kam von jemandem aus der islamisch religiös inspirierten Ecke. Er sagte: ,Ich finde es falsch, dass Leute aus dem Westen jetzt auch noch unsere Fernsehsender personell bestücken’.“

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