Herbert Kartes entwirft handgemalte Etiketten. Er ist der Letzte einer aussterbenden Zunft.

Herbert Kartes sammelt in seinem Atelier viele Flaschen, die seine Etiketten zieren.
Herbert Kartes sammelt in seinem Atelier viele Flaschen, die seine Etiketten zieren.

Herbert Kartes sammelt in seinem Atelier viele Flaschen, die seine Etiketten zieren.

Verschmitzter Humor prägt die zeichnerischen Kreationen.

dpa, Bild 1 von 2

Herbert Kartes sammelt in seinem Atelier viele Flaschen, die seine Etiketten zieren.

Saarlouis. Namhafte Weine, Spirituosen, Sekt- und Champagnerflaschen tragen seine Handschrift – auf der Flasche. Herbert Kartes hat mehrere Hundert Etiketten in Originalgröße angefertigt. Er ist einer der wenigen, die das Handwerk der Miniaturgrafik beherrschen. Der Mann mit den breiten Fingern feilt mit millimeterdünnen Federn an unglaublich filigranen Schriftzügen, Landschaften oder Porträts.

Auftraggeber aus aller Welt wandten sich an den Saarländer

Bis heute benutzt der 75-Jährige aus Saarlouis dafür keinen Computer, nicht einmal eine Lupe. Kartes lässt es inzwischen ruhiger angehen, aber früher kamen Aufträge aus aller Welt: „Ich war der Fachmann für Etiketten. Das hat sich herumgesprochen, ich konnte mir meine Arbeit aussuchen“, sagt er.

Sein Markenzeichen sind Brille, Schnauzer – und ein verschmitzter Humor. Wenn man ihn lässt, geht gerne mal der Stift mit ihm durch: Frivole Damen für die Etiketten der Spirituose „Scharfer Hüpfer“ gehen auf sein Konto. Was andere Künstler einzigartig macht, fehlt bei Kartes – und ist gerade deshalb sein Merkmal: „Andere haben eine eigene Handschrift, man erkennt ihre Werke sofort. Ich konnte mich immer den Auftraggebern anpassen – ich bin ein Chamäleon.“

Als Lehrling übertrug Kartes Miniaturen auf Steinplatten

Kartes hat sein Handwerk gründlich gelernt, er ist eigentlich Steinlithograph. Schon zu seiner Lehrzeit Anfang der 1950er Jahre war das ein ungewöhnlicher Beruf – längst abgelöst vom Offsetdruck. „Steinlithografen, das waren die wirklichen Künstler“, schwärmt Kartes. Stundenlang übertrug der Lehrling verschnörkelte Schriften und detaillierte Miniaturbilder auf eine Steinplatte, spiegelverkehrt – mit Federn und Schabern, Tusche und Kreide. „Ich bin der Letzte in Deutschland, der noch so gearbeitet hat“, sagt Kartes.

Mit diesem Können kam er bei bekannten Druckereien im In- und Ausland unter. „Damals leisteten sich Druckunternehmen noch ihre eigenen Kreativateliers.“ Heute fertigt er nur noch ausgewählte Auftragsarbeiten oder schreibt Urkunden für besondere Anlässe.

Heute werden Etiketten vor allem mit dem Computer produziert, handgefertigte sind sehr selten. Für Kenner könnten am Computer erstellte Etiketten aber nicht mithalten, weil sie nicht so feingliedrig und raffiniert ausfallen.

Kartes gehört der französischen „Association Nationale d‘Oenographilie“ an, für den Deutschen Freundeskreis Weinetikettensammler entwarf er etliche Sonderausgaben. Bei Sammlern genießt er hohes Ansehen. „Solch filigrane Etiketten wie Herbert Kartes hat sonst niemand geschaffen“, sagt Jürgen Cantstetter, Vorsitzender des Deutschen Freundeskreises Weinetikettensammler in Rüdesheim. Außer Kartes gebe es keinen Grafiker mehr, der so arbeite, sagt er mit Bedauern. „Herbert Kartes ist wirklich der Allerletzte.“

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