Mathias Rust flog vor 20 Jahren mit einer kleinen Cessna durch die sowjetische Luftabwehr bis zum Roten Platz. Heute lebt er vom Kartenspiel.

Mathias Rust geriet nach seinem Flug zum Roten Platz noch mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt.
Mathias Rust geriet nach seinem Flug zum Roten Platz noch mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt.

Mathias Rust geriet nach seinem Flug zum Roten Platz noch mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt.

dpa

Mathias Rust geriet nach seinem Flug zum Roten Platz noch mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt.

Moskau/Berlin. Mit einer winzigen Cessna 172 durch die sowjetische Luftabwehr bis zum Roten Platz - der Flug des damals 19-jährigen Mathias Rust überrascht am 28. Mai, dem Himmelfahrtstag des Jahres 1987, Politiker, Luftfahrtexperten und Militärs.
 
"Dabei war die fliegerische Leistung eigentlich gar nicht so groß - Rust musste einfach nur die Eisenbahnstrecke entlang fliegen", sagt Volker Thomalla, Chefredakteur der Fachzeitschrift "Aerokurier".
 
In der riesigen Metropole Moskau den Roten Platz zu finden, sei navigatorisch wohl noch die größte Leistung gewesen.

Er flog unbehelligt durch den sowjetischen Luftraum

Umso größer war vor 20 Jahren die Verblüffung, dass Rust mehrere hundert Kilometer durch sowjetischen Luftraum fliegen konnte, ohne von der Luftabwehr abgeschossen zu werden.
 
Knapp vier Jahre zuvor war ein südkoreanischer Jumbo-Jet mit 269 Passagieren an Bord im sowjetischen Luftraum abgeschossen worden.
 
Rust begann seine Reise auf dem kleinen Flugplatz Uetersen bei Hamburg. Mit der Cessna 172 eines Hamburger Flugsportvereins startete er über Island nach Finnland.
 
Im russischen Luftraum flogen MiG 23-Kampfflugzeuge neben ihm her, doch Rust drehte unbehelligt seine Runden über dem Roten Platz und kam um 18.40 Uhr neben der Basilius-Kathedrale zum Stehen.
 
Die Konsequenzen auf den Flug folgten prompt. In Moskau wurden hochrangige Militärs abgesetzt, Präsident Michail Gorbatschow nutzte die Gelegenheit, sich von Hardlinern zu trennen.
 
Mathias Rust wurde der Prozess gemacht. "Ich war auf der Suche nach einer Quelle des Friedens", sagte er vor Gericht. Nach seiner Begnadigung von vier Jahren Arbeitslager kehrte er im August 1988 nach Deutschland zurück.
 
Allerdings geriet er noch weitere Male mit dem Gesetz in Konflikt. Als Zivildienstleistender verletzte er 1989 eine Krankenschwester mit Messerstichen und musste dafür 15 Monate ins Gefängnis.
 
2001 wurde er zu einer Geldstrafe von 10 000 Mark verurteilt, weil er einen Kaschmirpullover gestohlen hatte. Wegen fortgesetzten Betruges verhängte ein Hamburger Gericht im November 2005 eine Geldstrafe von 1500 Euro.
 
Sein Geld verdiene er heute als professioneller Pokerspieler, sagte er kürzlich in einem Interview. Er habe bei einem Turnier in Las Vegas schon 750 000 Dollar gewonnen, davon aber auch viel wieder verloren.
 
Ansonsten lebe er zurückgezogen in Berlin. So wechselhaft wie Rusts Weg war auch das seiner Maschine.
 
Eine Münchner Kosmetikfirma kaufte sie noch vor einer Entscheidung der sowjetischen Behörden über deren Verbleib zum doppelten Schätzwert. Später wurde das Flugzeug nach Japan verkauft.
 
In einem Freizeitpark bei Tokio fristete es jahrelang unter freiem Himmel sein Altenteil. Nach einem Besitzerwechsel des Parks verlor sich seine Spur.
 

Mathias Rust

Zur Person: Mathias Rust wurde 1968 in Wedel bei Hamburg geboren. Mit 18 Jahren macht er die Prüfung zum Privatpiloten. Der 39-Jährige verdient sein Geld heute als Pokerspieler. Er ist zum zweiten Mal geschieden und lebt in Berlin.

Zum Flug: Der 19-Jährige flog am 28. Mai 1987 nach Moskau. Nach der Landung wurde er festgenommen und am 4. September zu vier Jahren Arbeitslager verurteilt. Nach 14 Monaten wurde er begnadigt und kehrte nach Deutschland zurück.

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