Polens Sportministerin Joanna Mucha gilt als attraktiv und modern – doch viel Ahnung vom Fach hat sie nicht.

Die polnische Sportministerin Joanna Mucha fällt nicht gerade durch ausgeprägte Sachkenntnis auf.
Die polnische Sportministerin Joanna Mucha fällt nicht gerade durch ausgeprägte Sachkenntnis auf.

Die polnische Sportministerin Joanna Mucha fällt nicht gerade durch ausgeprägte Sachkenntnis auf.

Bartlomiej Zborowski, Bild 1 von 2

Die polnische Sportministerin Joanna Mucha fällt nicht gerade durch ausgeprägte Sachkenntnis auf.

Warschau. Lässig sitzt die junge Frau im hohen Gras, nur mit Stiefeln, Trägershirt und Sommerjacke bekleidet. Träumerisch haucht sie die Samen einer Pusteblume ins Sonnenlicht. In aufreizender Pose ließ sich Joanna Mucha vor zwei Jahren für das polnische Lifestyle-Magazin „Pani“ (Frau) fotografieren. Und sie bekannte: „Mein Aussehen hat mir alle Türen geöffnet.“

Im Herbst öffneten sich für die 36-Jährige die Tore zur ganz großen Karriere. Premier Donald Tusk machte Mucha nicht nur zur Sportministerin. Die dunkelhaarige Schöne mit dem Schleierblick sollte auch zum Gesicht der Regierung und der nahenden Fußball-Europameisterschaft werden: jung, modern, unabhängig, erfolgreich und attraktiv.

Über mangelnden Spott muss sich die Ministerin nicht sorgen

Doch etwas ist schiefgelaufen. Ein halbes Jahr nach ihrem Amtsantritt und kurz vor der EM im eigenen Land gilt die Ministerin vielen Polen nur noch als Lachnummer. Im Internet kursieren Witze wie dieser: „Mucha steht vor einem halbfertigen Stadion und schüttelt den Kopf. Dann sagt sie: Macht nichts, wir können wenigstens eine Spielhälfte veranstalten.“

Mit der viel zu spät fertig gewordenen EM-Arena in Warschau begann Muchas Absturz in den Stimmungskeller. Verantwortlich für die Baupannen war sie zwar nicht. Doch als sie den Stadionchef rauswarf, nahm der eine Abfindung von 135 000 Euro mit. Das rief Neider auf den Plan. Schlimmer noch war, dass Mucha bekannte, von Sport keine Ahnung zu haben. „Man muss als Ministerin nicht vom Fach sein, man muss organisieren können“, sagte sie.

Wenig später trat sie in Minirock und Lederstiefeln in einer TV-Talkshow auf und verlangte, mit „Frau Ministerin“ statt des gängigen „Frau Minister“ angesprochen zu werden. Im konservativen Polen steht sie seither unter Emanzenverdacht.

Joanna Mucha wurde am 12. April 1976 in Plo(´n)sk geboren. Sie ist seit dem vorigen Jahr geschieden, ihre beiden Söhne leben beim Vater in Lublin. Sie studierte Betriebswirtschaft und sitzt seit 2007 im Parlament Sejm.

Es ist nicht leicht auszumachen, wer die ebenso attraktive wie ambitionierte Ministerin heftiger attackiert: Missgünstige Frauen mit Zickenattitüde oder männliche Alphatiere mit Besserwissergehabe. Erstere meckern darüber, dass Mucha, die für ihre schnell wechselnden Frisuren bekannt ist, ihren Haarstylisten zum Vizechef des Nationalen Sportzentrums machte. Letztere nehmen es ihr übel, dass sie beim Supercupfinale fragte, wer denn die Mannschaften auf dem Platz ausgewählt habe – obwohl doch jedes Kind wisse, dass sich dafür der Meister und der Pokalsieger qualifizieren.

Joanna Mucha sollte eigentlich mit der Korruption aufräumen

Unstrittig ist, dass die junge Ministerin von Anfang an vor einer Herkules-Aufgaben stand. Die schöne Joanna sollte den Augiasstall der korruptionsverseuchten polnischen Sportwelt ausmisten. Das aber ist eine Männerwelt voller Biester, die sich ihre eigenen Spielregeln schreiben.

Kaum war Mucha im Amt, erschütterte ein Bestechungsskandal den Fußball-Verband PZPN. Hauptverdächtiger war Chef Grzegorz Lato, der Held der WM-Elf von 1974. Mucha versprach Aufklärung. Am Ende musste sie mit ansehen, wie der Verbandschef die Affäre kurzerhand für beendet erklärte. Auf die Frage, ob die Ministerin eine Gefahr für ihn sei, entgegnet Lato lachend: „Ha, ha, ha!“

Doch zugleich akzeptiert sie die Beschränkungen ihrer Rolle als erfolgreiche Schöne. „Mir ist bewusst, dass mir im Leben und der Politik manches nicht zugänglich ist, weil ich eine Frau bin und man mich stets durch das Prisma meines Aussehens wahrnimmt“, sagt sie – ohne jeden Unterton des Bedauerns.

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