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Die Bedeutung des Glaubens nimmt weltweit nicht ab, wie lange Zeit angenommen wurde – aber der Glauben wird sich verändern.
Die Bedeutung des Glaubens nimmt weltweit nicht ab, wie lange Zeit angenommen wurde – aber der Glauben wird sich verändern.

Die Bedeutung des Glaubens nimmt weltweit nicht ab, wie lange Zeit angenommen wurde – aber der Glauben wird sich verändern.

dpa

Die Bedeutung des Glaubens nimmt weltweit nicht ab, wie lange Zeit angenommen wurde – aber der Glauben wird sich verändern.

Düsseldorf. Die beiden großen christlichen Kirchen im Land stellen sich auf weiter sinkende Mitgliederzahlen ein. Zu Recht. Denn Meinungs- und Religionsforscher prognostizieren für Westeuropa einen anhaltenden Rückgang der kirchlich institutionalisierten Religion.

Die Zahl der Gottesdienstbesucher wird immer kleiner und beschränkt sich vornehmlich auf Frauen und Männer über sechzig. „Aber das heißt nicht, dass künftig weniger Menschen glauben“, sagt Norbert Scholl, emeritierter Professor für Katholische Theologie und Religionspädagogik. „Der Trend geht in Richtung einer Religion in neuer Form – losgelöst von traditionellen Bekenntnissen und Dogmen.“ Die soziale Patchwork-Identität ziehe eine Patchwork-Religion nach sich: Das religiöse Bedürfnis des Einzelnen bleibt bestehen, aber es ist privatisiert, nutzenorientiert, individualisiert.

Vom mongolischen Morgengruß zum abendlichen Vaterunser

Wie das konkret aussehen kann? Die Zeitschrift „Publik-Forum“ beschreibt es: Die Schweizerin Susanna Maeder hat aus buddhistischen, hinduistischen und schamanischen Bausteinen ihre persönliche Religiosität zusammengefügt. In aller Frühe vollzieht sie ein Ritual aus der Mongolei: Vom Balkon wirft sie aus einem Schälchen Milch in den Himmel, „um den Tag zu begrüßen und zu segnen“.

Die Chorleiterin und Stimmtrainerin aus Bubikon sagt von sich selbst: „Ich habe mein eigenes Glaubens-Sammelsurium.“ Mit ihren Chören singt sie indianische Liedrufe, indische Mantras und Taizé-Gesänge. „Es geht mir um die Essenz, die hinter allen Religionen steht.“ Aufgewachsen ist sie in der katholischen Kirche. Noch immer versteht sie sich als „Frau mit klar christlichen Wurzeln“. Abends betet sie mit ihren Töchtern das Vaterunser, „in leicht abgewandelter Form“.

„Als Sinnbastler baut sich der moderne Mensch seine private Glaubenswelt, verknüpft etwa alte christliche Vorstellungen mit Symbolen und kultischen Praktiken anderer Religionen“, beschreibt Friedrich Wilhelm Graf, Professor für Systematische Theologie und Ethik an der Universität München.

Als Gegenentwurf sind klare Autoritäten gefragt

„Religiös ohne Gott. Warum wir heute anders glauben“ von Norbert Scholl. Lambert Schneider, 2. Auflage 2011, 19,90 Euro.
 

Es gibt aber auch das ganz andere, das sich an der Tradition, dem Althergebrachten orientiert. „Die Individualisierung fördert indirekt harte, „fundamentalistische“ Glaubensformen: Je bunter, vielfältiger, unübersichtlicher Religionsmärkte werden, desto attraktiver sind für viele Menschen ganz klare, verlässliche Autoritäten und bergende, Bindungen bietende Glaubensweisen.“ Graf hat für das Magazin „GEOkompakt“ Thesen zur Religion im 21. Jahrhundert formuliert.

Der schillernde Markt der Esoterik stillt jedwede Sehnsucht

Heilsteine, Klangschalen-Seminare, Handleser: „Esoterische Angebote kommen dem verstärkten Bedürfnis nach Individualität und individueller Religiosität entgegen. Das Selbst, das eigene Geschick, der eigene Weg, Selbstfindung, Selbstwerdung, eine Antwort auf die Frage nach dem Sinn nicht des Lebens überhaupt, sondern meines persönlichen Lebens – all das lässt sich in der Fülle esoterischer Angebote finden, und zwar in persönlich zu wählender Geschmacksrichtung und Intensität“, sagt Norbert Scholl. Da werde die Sehnsucht gestillt, die in der Routine und Sterilität kirchlicher Angebote häufig auf der Strecke bleibe.

Befindet sich das Abendland endgültig auf der Schussfahrt in die Bedeutungslosigkeit? Nicht unbedingt, meint Graf: „Die christlichen Kirchen werden – trotz mancher sehr schlechter religiöser Performance und nachlassender Überzeugungskraft ihres hauptamtlichen Personals – auch in den kommenden Jahrzehnten die wichtigsten religiösen Akteure in Europa bleiben. Denn sie verwalten einen faszinierenden Schatz: ein uraltes religiöses Symbolkapital, das immer noch starke Sinnrenditen abwirft.“

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