Der demografische Wandel hat Konsequenzen auf allen Ebenen.

Deutschland altert – aber die Städte und Gemeinden haben längst angefangen, sich darauf einzustellen, beispielsweise mit Seniorenwohnungen und Mehrgenerationenhäusern.  Fotomontage: dpa/Mohr
Deutschland altert – aber die Städte und Gemeinden haben längst angefangen, sich darauf einzustellen, beispielsweise mit Seniorenwohnungen und Mehrgenerationenhäusern. Fotomontage: dpa/Mohr

Deutschland altert – aber die Städte und Gemeinden haben längst angefangen, sich darauf einzustellen, beispielsweise mit Seniorenwohnungen und Mehrgenerationenhäusern. Fotomontage: dpa/Mohr

Stephanie Pilick, Bild 1 von 2

Deutschland altert – aber die Städte und Gemeinden haben längst angefangen, sich darauf einzustellen, beispielsweise mit Seniorenwohnungen und Mehrgenerationenhäusern. Fotomontage: dpa/Mohr

Düsseldorf. Bisher sind es Tabellen, Zahlenkolonnen, Prozentwerte. Aber bald schon wird überall zu sehen sein, was die Tabellen, Zahlenkolonnen und Prozentwerte bedeuten. Deutschland altert. Den Ankündigungen vom demografischen Wandel folgt das Phänomen nun höchstselbst.

So jedenfalls geht es aus den Erhebungen den Statistischen Bundesamtes hervor. Demnach ist nun lange genug über die drohende Altersstruktur der Bevölkerung geredet worden. Nun müssen Taten folgen. Denn Deutschland wird grau, und es schrumpft.

Deutschland verliert mehr als 15 Millionen Einwohner

Bis 2060 sinkt die Zahl der Einwohner auf deutlich unter 70 Millionen, gleichzeitig ist fast jeder Fünfte älter als 80 Jahre. Das hat Konsequenzen auf allen Ebenen des gesellschaftlichen Lebens. Städte und Gemeinden haben längst damit angefangen, sich darauf einzurichten. Den Wohnbauprogrammen für Familien beispielsweise folgen Mehrgenerationenhäuser, Seniorenwohnungen und Altenpflegeheime.

Wie notwendig das Werben um junge Einwohner und die Versorgung der älteren Semester sind, zeigen die Statistiken auf den ersten Blick. Wuppertal beispielsweise wird in den nächsten 18 Jahren von seinen knapp 350 000 Menschen etwa 30 000 verlieren. Gleichzeitig steigt die Zahl der Einwohner im Rentenalter.

In Solingen, Krefeld und Mönchengladbach ähneln sich die Bilder. Remscheid hingegen schrumpft vergleichsweise dramatisch um gut 15 Prozent auf deutlich unter 100 000 Einwohner. Auf der anderen Seite bildet Düsseldorf den Ausreißer. Der Landeshauptstadt prophezeien die Wissenschaftler einen Bevölkerungszuwachs um 4,5 Prozent auf dann weit mehr als 600 000 Einwohner.

Kleinstädte im Abwärtssog schrumpfender Großstädte

Diesen Trend hat auch Ulrich van Suntum untersucht. Im Auftrag der Industrie- und Handelskammer Düsseldorf (IHK) beschäftigte sich der Professor vom Institut für Siedlungs- und Wohnungswesen der Universität Münster mit der Entwicklung der Region.

Sein Fazit: Düsseldorf gewinnt im demografischen Wandel, alle anderen Städte in der Region verlieren. Besonders hart trifft es kleinere Kommunen, die in den Abwärtssog von Großstädten geraten, Velbert und Haan im Kreis Mettmann zum Beispiel, denen die Ausrichtung auf Wuppertal zu schaffen machen wird.

All das klingt bedrohlich und ausweglos. Tatsächlich ist gegen die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland kein Kraut gewachsen. Die Zeiten der Großfamilie sind vorbei.

Der Trend geht zum Einpersonenhaushalt. So wird die Zahl der Privathaushalte bis 2025 um drei Prozent auf dann 40,5 Millionen steigen, obwohl Deutschland insgesamt schrumpft. Und fast 17 Millionen Singlehaushalte im Jahr 2025 sprechen nicht dafür, dass sich daran etwas ändert.

Der demografische Wandel birgt Risiken und Chancen

Dennoch muss es kein Menetekel sein, wenn Großstädte kleiner werden und Klein-städte noch überschaubarer. Denn schon heute hat die Diskussion um den demografischen Wandel auch positive Auswirkungen.

Das Wohl der Familie ist inzwischen in den Mittelpunkt politischen Denkens und Handelns gerückt. Die rot-grüne NRW-Landesregierung stellte das dritte Kindergartenjahr grundsätzlich gebührenfrei. In Ratingen zum Beispiel kostet der Kindergarten die Eltern gar nichts mehr.

Die Betreuung von unter Dreijährigen soll in den nächsten Jahren spürbar ausgebaut werden. Auch im gesellschaftlichen Zusammenleben hat das Wissen um den demografischen Wandel durchaus positive Folgen.

Ausländer sind nicht Problem-, sondern Potenzialgruppe

Ausländer werden zunehmend nicht als Problem-, sondern als Potenzialgruppe wahrgenommen. Integration ist längst nicht mehr als Anliegen von Gutmenschen verschrien, sondern als Notwendigkeit erkannt.

Wenn Deutschland in Zukunft wettbewerbsfähig bleiben will, braucht es gut ausgebildete Bürger – Facharbeiter, Ingenieure und Wissenschaftler. Wo deren Kinderbettchen standen, ist heute schon nachrangig. In Zukunft wird danach kein Mensch mehr fragen.

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