Virtuelles Geld macht Scheinen und Münzen Konkurrenz.

Düsseldorf. Wir schreiben das Jahr 2025: Ein Kunde steht an der Supermarktkasse und hat keine Geldbörse dabei. Bezahlen kann er trotzdem – per Fingerabdruck. Genau genommen besitzt der Kunde nicht einmal mehr ein Portmonee. Wofür auch? Es gibt kein Bargeld mehr. Der Euro hat inzwischen ausgedient. Die Menschen zahlen in einer virtuellen Internetwährung. Alles Humbug? Nicht unbedingt. Wer sieht, was Handel und Technologiekonzerne derzeit entwickeln, dem wird schnell klar: Die Zukunft des Bezahlens ist digital.

Werden Münzen und Scheine komplett verdrängt?

Eine erste kleine Revolution steht sogar schon kurz bevor: Funkchips mit so genannter NFC-Technik (Near Field Communication, deutsch: Nahbereichs-Kommunikation) werden aus Mobiltelefonen virtuelle Portmonees machen.

Die Chips stecken schon heute in einigen EC-, Payback- oder Kreditkarten. Mastercard nennt sein NFC-Projekt zum Beispiel PayPass. Und der Düsseldorfer Metro Konzern testet NFC an den Kassen des Real Future Stores Tönisvorst. Statt sie in ein Lesegerät zu stecken, hält der Kunde dort seine Karte vor ein Funkterminal.

Der Bezahlvorgang wird bei kleineren Beträgen automatisch ausgelöst. Was nicht nur positiv ankommt: Verbraucherschützer kritisieren, das Bezahlen würde unsicherer. Zudem wisse niemand, was auf dem Chip alles gespeichert ist.

Die Kartenlösung ist dabei freilich nur ein erster Schritt. Spannend wird es, wenn der Kunde an der Kasse nur noch sein Handy braucht. Die Smartphone-App „Google Wallet“ macht dies bereits möglich – wenn auch vorerst nur in den USA und auf wenigen Android-Endgeräten.

Schon bald wird fast jedes neue Handy NFC-fähig sein. Für den Durchbruch der Technik könnte gerüchteweise schon das iPhone 5 sorgen.

Der Internetanbieter Paypal verfolgt indes den Ansatz, dass Kunden gar nicht mehr in den Laden gehen müssen, um mit dem Handy einzukaufen: Wem ein Produkt auf einem Werbeplakat gefällt, der kann es gleich an der Bushaltestelle kaufen. Dafür zückt der Kunde sein Handy, scannt den abgebildeten QR-Code (ein quadratisches Zufallsbild aus weißen und schwarzen Punkten) und wird direkt zum Onlineshop weitergeleitet.

Bezahldienste tun also eine Menge, um Kunden das Bargeld abzugewöhnen – kein Wunder, verdienen sie so doch bei jeder Transaktion mit. Aber reicht das, um Münzen und Scheine ganz zu verdrängen? Prof. Dr. Wim Kösters, Vorstandsmitglied des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen, glaubt zwar, dass die Nutzung des Bargelds stark zurückgehen wird: „Aber dass man ganz darauf verzichten wird, wage ich zu bezweifeln.“ Dafür sorge allein schon die Bedeutung des Bargelds für die Schattenwirtschaft. Knapp 350 Milliarden Euro wurden Schätzungen zufolge 2011 am Staat vorbei erwirtschaftet – 14 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Und wer Schwarz arbeitet, wird nunmal meist in Bar entlohnt.

Wie aber sieht es mit der virtuellen Währung aus? Die Antwort ist einfach: Es gibt sie schon. 2009 entstand aus der Computer-Tauschbörsen-Szene heraus das elektronische Bezahlmittel „Bitcoin“. Ein weltweites Netzwerk aus Computern, auf denen überall die gleiche Software läuft, ermöglicht internationale Überweisungen und weitgehend anonymes Bezahlen. Jeder kann mitmachen - und wird in Bitcoin dafür bezahlt, dass er die Rechenleistung seines Computers zur Verfügung stellt. Außerdem können Bitcoins an Martkplätzen gegen harte Währung getaucht werden.

Der große Vorteil: Geldtransfers sind extrem preiswert. Nachteil: Bitcoins sind als Hacker-Währung verschrien. Dass sie sich als Alternative zum Bargeld durchsetzen oder es gar verdrängen können, wird von Experten daher bezweifelt. Um als Geld im klassischen Sinne zu gelten, müssten Bitcoins unter anderem flächendeckend akzeptiert sein, erklärt Kösters. Die Einkaufsmöglichkeiten sind derzeit noch sehr begrenzt. Und da an Bitcoins ein Schmuddel-Image haftet, weil sie für illegale Geldgeschäfte genutzt werden können (wie Bargeld übrigens auch), stehen die Chancen eher schlecht, dass sich dies dramatisch ändert. Hinzu kommt das laut Kösters „fundamentale Problem“, dass die Zahl der Bitcoins per Definition begrenzt ist. „Wenn sich alle Welt auf Bitcoins stürzen würde, stiege der Preis im Vergleich zu Euro und Dollar. Dann hätten wir eine deflationäre Währung.“ Heißt: Wer Bitcoins besitzt, behält sie lieber, anstatt sie auszugeben. Was wiederum der angestrebten Eigenschaft als Zahlungsmittel abträglich wäre.

„Aber Bitcoins müssen ja nicht der einzige Versuch bleiben“, sagt Kösters. Tatsächlich stehen andere Internetwährungen schon in den Startlöchern. Zum Beispiel die Facebook Credits.

Erst waren sie nur dazu gedacht, Dienstleistungen innerhalb des sozialen Netzwerks zu bezahlen. Doch Facebook hat im Herbst verkündet, seine Technik auch auf anderen Webseiten anbieten zu wollen. Mit derzeit mehr als 800 Millionen Nutzern sind die Voraussetzungen nicht schlecht, eine weltweite Internetwährung zu schaffen.

Geldverkehr wird schneller und bequemer

Schneller und bequemer wird der Geldverkehr im Euroraum aber auch ganz ohne virtuelle Währung: Die kürzlich verabschiedete Verordnung für den einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraum (SEPA) macht die internationale Kontonummer IBAN ab Februar 2014 zur Pflicht und löst die deutsche Kombination von Bankleitzahl und Kontonummer ab – womöglich ein wichtiger Schritt, um Europa als Marktplatz interessanter zu machen.

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