Finanznot, Pflegebedarf – in diesen Fällen hilft in Zukunft das soziale Umfeld.

Freundschaften fürs Leben: Winnetou (Pierre Brice) und Old Shatterhand (Lex Barker, o.l.).
Freundschaften fürs Leben: Winnetou (Pierre Brice) und Old Shatterhand (Lex Barker, o.l.).

Freundschaften fürs Leben: Winnetou (Pierre Brice) und Old Shatterhand (Lex Barker, o.l.).

dpa/Warner

Freundschaften fürs Leben: Winnetou (Pierre Brice) und Old Shatterhand (Lex Barker, o.l.).

Düsseldorf. Laura hat 1859 Freunde und keinen davon hat sie je gesehen. Sie sammelt Freunde per Mausklick in sozialen Netzwerken. Je mehr sie hat und je trendiger sie sind, desto besser steht Laura im Netz da. Im realen Leben hat sie eher weniger mit anderen Menschen zu tun. Sie sitzt ja die meiste Zeit vor dem Computer.

„Jüngere Freunde werden zu einer Art sozialen Vorsorgemaßnahme für das Alter.“

Horst Opaschowski

So in etwa stellen sich Kulturpessimisten die Freundschaften der Zukunft vor: als virtuelle Statussymbole, die mit der eigentlichen Idee von gegenseitiger Sympathie oder Unterstützung nichts mehr zu tun haben.

Doch Wissenschaftler gehen von einem ganz anderen Zukunftsszenario aus. Sie rechnen nicht damit, dass soziale Kontakte nur noch im Internet stattfinden. Im Gegenteil: Stattdessen sei damit zu rechnen, dass wahre Freundschaften in der Welt der Zukunft immer bedeutsamer werden – aber auch berechnender. „In Zukunft sind Freundschaften lebensnotwendig. Sie nehmen die Rolle einer zweiten Familie ein“, sagt Zukunftsforscher Horst Opaschowski.

„Die Menschen werden ihr Kontaktnetz weiter fassen“

Janosch Schobin vom Hamburger Institut für Sozialforschung schätzt sogar, dass Freunde die Familie ersetzen. Der Grund: In einer Welt voller Einzelkinder und Single-Haushalte wären schlichtweg immer weniger Verwandte da, um einen aufzufangen und zu unterstützen.

Finanzielle Nöte, Pflegebedürftigkeit im Alter – ursprüngliche Familienprobleme, aber auch wegbrechende Leistungen des Sozialstaates würden in Zukunft vom Freundeskreis aufgefangen. Davon geht auch Opaschowski aus: „Die Menschen werden ihr Kontaktnetz weiter fassen, damit sie im Alter nicht allein sind. Dazu gehört, dass sie mehr Wert auf generationenübergreifende Kontakte legen. Jüngere Freunde werden zu einer Art sozialen Vorsorgemaßnahme für das Alter.“

Freundschaften werden stärker belastet

Altersgemischte Bewegungen wie die Proteste gegen Stuttgart 21 hätten schon jetzt gezeigt, dass gemeinsame Interessen wichtiger seien als die Zugehörigkeit zur selben Altersgruppe. Das bedeutet aber auch: Die Freundschaften der Zukunft werden stärkeren Belastungen ausgesetzt.

Prognose: Online-Kontakte werden unwichtiger

Man wird sich nicht nur treffen, weil man sich mag. Es gibt noch einen weiteren Grund: Man geht Schicksalsgemeinschaften ein. Und was wird aus den Online-Freundschaften? Zukunftsforscher Opaschowski sagt: „Sie werden wahre Freundschaften niemals ersetzen. Sie sind schon jetzt nur noch eine Krücke.“

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer