Autorin Cornelia Funke über Drachen, Harry Potter und das tägliche Staunen über die Welt.

Cornelia Funke: „Alles, was ich schreibe, ist in meinem Kopf wie ein Film.“ (dpa)
Cornelia Funke: „Alles, was ich schreibe, ist in meinem Kopf wie ein Film.“ (dpa)

Cornelia Funke: „Alles, was ich schreibe, ist in meinem Kopf wie ein Film.“ (dpa)

Andreu Dalmau

Cornelia Funke: „Alles, was ich schreibe, ist in meinem Kopf wie ein Film.“ (dpa)

Oberhausen. Mit weltweit mehr als 20 Millionen verkauften Büchern gilt Cornelia Funke als bekannteste deutsche Kinderbuchautorin. Eine Ausstellung in Oberhausen zeigt bis 20. Mai ihre Buch-Illustrationen.

Frau Funke, was war Ihr Antrieb, selbst Kinderbücher zu schreiben?

Funke: Als ich anfing, als Illustratorin zu arbeiten, wurde in Deutschland so gut wie keine Fantasy geschrieben, das galt als Weltflucht. Schon Michael Ende bekam zu hören, man dürfe unsere Märchen und Mythen nicht mehr benutzen, weil die Faschisten damit Schindluder getrieben hatten. Es gab eigentlich nur sogenannte realistische Geschichten, bei denen ich mal einen Schulhof oder eine Küche zeichnen durfte. Aber eben keine Seejungfrauen oder Drachen – und die fehlten mir. Und so habe ich angefangen zu schreiben.

Was entsteht in Ihrem Kopf zuerst: die Bilder oder die Sätze für die Geschichte?

Funke: Ich sehe meine Geschichten immer vor mir. Wenn Leute kritisieren, ich würde meine Stoffe direkt für den Film schreiben, dann ist das nicht erstaunlich. Alles was ich schreibe, existiert in meinem Kopf wie ein Film.

Cornelia Funke, geb. am 10. Dezember 1958 in Dorsten, hat erst als Buch-Illustratorin gearbeitet, bevor sie mit großem Erfolg eigene Kinderbüchern wie die „Wilden Hühner“-Reihe und die „Tintenherz“-Trilogie schrieb. 2005 ist Funke mit ihrer Familie nach Los Angeles gezogen.

Haben Sie Joanne K. Rowling und Harry Potter etwas zu verdanken?

Funke: Wir Kinderbuchautoren verdanken Harry Potter, dass die Verlage fortan aufmerksamer auf Kinderbuchstoffe schauten. Es kamen auch nicht mehr dieselben Ablehnungsargumente: Bloß nicht zu dicke Bücher schreiben, die liest ja sowieso niemand – das hat Harry für alle Zeiten erledigt.

In der Vergangenheit haben Sie vor allem Kinder angesprochen, „Reckless“ richtet sich an Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen. Werden Sie weiter für junge Menschen schreiben?

Funke: Auch wenn ich immer wieder Geschichten für Jüngere schreibe, habe ich mit 54 Jahren schon großes Interesse daran, mit erwachseneren Themen zu arbeiten. Wenn ich meine eigenen Kinder beobachte – und die sind 18 und 23 – will ich all das verarbeiten, was ich da lerne. Aber das Kind in mir wird nie verloren gehen. Ich bin kindischer als mein Sohn, sagt meine Assistentin manchmal.

Wie macht sich das bemerkbar?

Funke: Ich kann immer noch eine kindliche Freude über die absurdesten Dinge empfinden. Ich kann noch jeden Tag über die Welt staunen und danach fragen: Wie ist das denn möglich? Ich glaube, es hat ganz viel mit Lebensfreude zu tun.

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