In „Carmen“ an der Deutschen Oper am Rhein ist der Fokus dank karger Kulisse ganz auf die Figuren gerichtet.

Verzaubert mit ihrem Timbre: Isabelle Druet mit Timo Riihonen.  (Michel)
Verzaubert mit ihrem Timbre: Isabelle Druet mit Timo Riihonen. (Michel)

Verzaubert mit ihrem Timbre: Isabelle Druet mit Timo Riihonen. (Michel)

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Verzaubert mit ihrem Timbre: Isabelle Druet mit Timo Riihonen. (Michel)

Duisburg. Finsternis liegt über dem Marktplatz von Sevilla. Der Himmel bleibt verborgen. Man erkennt keine Tageszeit. Eine rege Lichtregie gibt allenfalls Auskunft über die Stimmungslage – hier golden behaglich, dort dunkelrot verdüstert. In der Neuinszenierung von Georges Bizets „Carmen“ am Duisburger Haus der Deutschen Oper am Rhein geizt man mit spanischer Folklore.

Die Ausstattung vermittelt den Eindruck der Gefangenschaft

Der aus Caracas stammende und in London ausgebildete Regisseur Carlos Wagner verzichtet auf Naturalismus und setzt auf Reduktion. Die karge Kulisse vermittelt vor allem den Eindruck der Gefangenschaft. Die Protagonisten wirken in dem Bühnenbild (Ausstattung: Rifail Ajdarpasic) wie eingemauert und verdammt zur Schicksalsgemeinschaft. Zusammen mit einer einfallsreichen Personenregie richtet sich der Fokus auf die Figuren.

Carmen ist ganz Naturkind, das keine Regeln kennt, mit den Soldaten Armdrücken spielt und um zu gewinnen ihnen schnell Zigarettenqualm ins Gesicht bläst. Dagegen verkörpert Offiziersanwärter Don José den Angepassten, der dann aber, Carmen verfallen, mit allen Regeln bricht, bis er am Ende mit dem Kopf eines getöteten Stieres in Händen auf die Treulose zustürzt, die ihm wie ein Torero ein Stück Stoff entgegenhält.

Die darstellerischen Leistungen sorgen für Spannung

Der echte Torero Escamillo steckt ganz in Gold (Kostüme: Patrick Dutertre) und wirkt in seiner dauerhaften Siegerpose wie der unüberwindbare Konkurrent. Die vom Stück bereits vorgezeichnete Stierkampf-Metaphorik verleiht dem Phänomen des aussichtslosen Liebesstrebens eine starke Bildsprache.

Für große Spannung bei dieser „Carmen“ sorgen nicht nur die expressive Regie, sondern auch die musikalischen und darstellerischen Leistungen. Mezzosopranistin Isabelle Druet ist eine geschmeidige Carmen mit geheimnisvoll dunklem Timbre. Tenor Sergej Khomov verkörpert glaubwürdig den hilflos leidenschaftlichen Liebhaber. Mit starker Bühnenpräsenz wartet Bariton Richard Sveda als Escamillo auf. Als heimlicher Star tritt Sopranistin Anke Krabbe in der Rolle von Don Josés Verlobter Micaela in Erscheinung. Sie ist kein lyrisches Mäuschen, sondern eine engelhafte Carmen-Antipodin.

Sonntag, 23. und 30. Oktober, 18.30 Uhr sowie 2., 4., 10., 12. und 19. November, 19.30 Uhr, im Theater Duisburg. Übernahmepremiere im Düsseldorfer Opernhaus Sonntag, 4. Dezember, 18.30 Uhr. Karten unter Tel. 0203/9 40 77 77.

Unter der Leitung von Generalmusikdirektor Axel Kober musizieren die Duisburger Philharmoniker mit viel Tempo und Farbe, wodurch die melodienreiche Musik ihre Pracht voll entfaltet.

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