Die Kunstsammlung NRW zeigt die künstlerische Abkehr von der Außenwelt und im K21 erstmals ihre 100 Werke von Paul Klee.

Fresh Widow
Großbild Succession Marcel Duchamp / VG Bild-Kunst Bonn, 2012

Marcel Duchamps Objekt "Fresh Widow" gibt der Ausstellung ihren Namen.

Düsseldorf. Die kleine Irritation ist gewollt. „Fresh Widow“ (Frische Witwe) – und nicht Window (Fenster) – nennt die Kunstsammlung NRW ihre zentrale Ausstellung dieses Jahres im K20 und präsentiert ab 31. März in „Fenster-Bilder seit Matisse und Duchamp“ 107 Gemälde, Zeichnungen, Objekte, Fotografien und Projektionen zum Thema Fenster.

Der sprachspielerische Titel lehnt sich an ein gleichnamiges Werk des Avantgarde-Künstlers Marcel Duchamp (1887– 1968) an. Er beklebte 1920 die Scheiben einer Sprossen-Balkontür, eines sogenannten französischen Fensters, mit schwarzem Leder, um die Abkehr von der Abbildung der äußeren Wirklichkeit in der Kunst unmissverständlich zu demonstrieren. Die Fenster der Moderne sind zu.

Marion Ackermann setzt auf thematische Ausstellungen

Museumschefin Marion Ackermann, die gestern die Ausstellungen 2012 vorstellte, setzt mit dieser Schau ihren Kurs fort, thematische Ausstellungen zu präsentieren und Verbindungen von Klassischer Moderne und Gegenwartskunst aufzuzeigen. Zu den 17 Künstlern der „Fresh Widow“ gehören Matisse und Magritte, Ellsworth Kelly und Eva Hesse, Gerhard Richter und Olafur Eliasson.

Weiterer Höhepunkt ist die erstmalige Präsentation aller sammlungseigenen 100 Werke von Paul Klee (1879 – 1940) im Herbst. Die Bilder werden überraschenderweise im K21 gezeigt, das bisher oft wie die kleine Schwester des großen Hauses am Grabbeplatz wirkte.

Die Museumsleiterin will die Balance ausgleichen: „Klee kommt ins K21, um das Haus zu stärken.“ Auf der anderen Seite wandere die Gegenwartskunst ins K20, um ihr die entsprechende Aufmerksamkeit zu sichern. Ein Beispiel ist die Britin Gillian Wearing aus der Künstlergeneration von Damien Hirst. Für Frühjahr 2013 kündigte Ackermann eine Ausstellung mit Fotografien von Wolfgang Tillmans an, für den Herbst 2013 eine Schau mit Werken des US-Bildhauers Alexander Calder.

Die Museumschefin schickt einen Seitenhieb nach Wuppertal

Fast 230 000 Besucher hat die Kunstsammlung mit ihren Dependancen 2011 angelockt, sagte Ackermann. 63 000 Menschen sahen die Schau mit Arbeiten des Düsseldorfer Fotokünstlers Thomas Struth, bei der kürzeren Herbstausstellung zu Künstlerinnen der Avantgarde („Die andere Seite des Mondes“) waren es rund 33 000. Die zahlen entsprächen denen des Vorjahres, damit habe die Kunstsammlung ihr Ziel für 2011 erreicht.

Die Museumschefin weiß wohl, dass sie nicht nur Beifall bekommt, wenn sie auf Gegenwartskünstler setzt und nicht auf die Publikums-Knüller der Klassischen Moderne. Womöglich konnte sie sich deshalb einen Seitenhieb auf das kleine Von der Heydt-Museum in Wuppertal nicht verkneifen: Das Blockbuster-Prinzip funktioniere nur bei Monet, bei Sisley (der gerade an der Wupper gezeigt wurde) aber schon nicht mehr.

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