Peter Schilling hat ein Buch über seinen Burnout geschrieben. Foto: Sebastian Kahnert
Peter Schilling hat ein Buch über seinen Burnout geschrieben. Foto: Sebastian Kahnert

Peter Schilling hat ein Buch über seinen Burnout geschrieben. Foto: Sebastian Kahnert

dpa

Peter Schilling hat ein Buch über seinen Burnout geschrieben. Foto: Sebastian Kahnert

Hannover (dpa) - Peter Schilling ist mit dem Auto da. Der Mann, der mit einem Lied über den Astronauten «Major Tom» weltberühmt geworden ist, bleibt heute lieber auf dem Boden. «Das Fliegen habe ich mir abgewöhnt, im Auto habe ich meine Ruhe», sagt Schilling.

An diesem Tag ist er von München nach Hannover gefahren. Trotz der langen Fahrt wirkt er ausgeruht. Schilling, 56 Jahre alt, will über sein anstehendes Konzert und über sein neues Buch reden, in dem es ebenfalls um Ruhe geht. Die Seelenruhe, die er nach dem Absturz wiedergefunden hat. Schilling beschreibt sein überwundenes Burnout.

«Ich saß zitternd am Mischpult und hatte das Gefühl, die ganze Nation schaut mir über die Schulter», beschreibt Schilling die Arbeit an seinem zweiten Album, dem ersten nach dem Megaerfolg. Der plötzliche Ruhm habe ihn überrollt. «Plötzlich war ich Wirtschaftsfaktor», sagt Schilling. Der Plattenboss habe angerufen und gefragt: Wie lange noch? Die Kalkulation sei bereits fix. 1983 schoss «Major Tom» auf Platz 1 der Charts, verkaufte sich in der Spitze 85 000 Mal am Tag. 1989 wog Schilling, 1,74 Meter groß, noch 54 Kilogramm. Er kündigte auf einen Schlag die Verträge und stieg aus.

Schillings Geschichte wirft ein Schlaglicht auf die Gefahr von Künstlern, an Erfolg und Erwartungen zu scheitern. 2009 erlitt Peter Plate vom Duo Rosenstolz eine Panikattacke auf der Bühne und musste eine Auszeit nehmen. Lange war die Band Teil der Subkultur, plötzlich eroberten sie die Charts. «Mit einem Schlag war da ein Riesenrummel», berichtete Plate. Auch die britisch-georgische Sängerin Katie Melua legte nach mehreren Hits eine sechsmonatige Schaffenspause ein, um sich zu erholen.

«Es gibt keine Schule für Erfolg haben», sagt Schilling. Andere hätten in ihm einen Star gesehen, er selbst habe aber nicht begreifen können, warum seine Konzerte ausverkauft gewesen seien. «Ich stand hinter der Bühne und dachte: Seid ihr alle bescheuert?» Mit Hilfe eines Therapeuten überwand er die Krise erst Jahre später. Den Weg dahin hat er nun zum Teil als Ratgeber aufgeschrieben. «Heute bin ich mit mir im Reinen», sagt Schilling. Er kehrte zurück zur Musik - am 28. Januar feiert Schilling 30 Jahre Bühnenpräsenz.

Sein Blick auf das Geschäft hat sich verändert. «Wenn heute ein junger Kollege erfolgreich wird, schaue ich darauf und bete, dass er es schafft», sagt Schilling. Nur eine Ausrede lasse er nicht gelten: «Der Satz "Ich hatte den falschen Berater" geht nicht.» Dann zieht Schilling weiter zu einem Werbetermin. Er soll in einen Flugsimulator steigen. Ein bisschen fliegen muss also schon noch sein.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer