Dirigent Rattle begeistert in Köln mit den letzten Sinfonien.

Sir Simon Rattle.
Sir Simon Rattle.

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dpa

Sir Simon Rattle.

Köln. Vielleicht verlässt Simon Rattle die Berliner Philharmoniker 2016 ja, weil er einfach öfter so Musik machen will, wie jetzt in der ausverkauften Kölner Philharmonie mit dem Orchestra of the Age of Enlightenment (Orchester des Zeitalters der Aufklärung). Man hatte den Eindruck: Hier musizieren Freunde aus purer Lust am Spiel. Das Ergebnis war eine Offenbarung.

Das 1986 in London gegründete, sich selbst verwaltende Orchester pflegt die historische Aufführungspraxis mit den entsprechenden Instrumenten. Eine herrlich verschrobene Truppe ohne Frack und Fliege ist das. Aber wenn die 40 Damen und Herren loslegen, dann rappelt es im Karton. Mit Sir Simon präsentierten sie einen Gipfel der Musikgeschichte – die drei letzten Mozart-Sinfonien.

Die Trias komponierte der Meister im Sommer 1788 gleichsam hintereinander weg, dennoch unterscheiden sich die Nummern 39, 40 und 41 in Klangsprache und Charakter erheblich. Rattle lässt gleich bei der Es-Dur-Sinfonie das Tänzerische rasant ablaufen, die dramatischen Ausbrüche kommen nie üppig, aber kraftvoll und schneidend daher.

Der ideale Mozart-Interpret: Rattle vereint Intellekt mit Poesie

Bei ihrem g-Moll-Nachfolger stürzen sich alle leidenschaftlich in den populären Kopfsatz, das Andante darf wunderbar tief atmen. Rattle ist der ideale Mozart-Interpret: Er vereint Intellekt mit Poesie. Deshalb gehen bei aller analytischen Schärfe niemals die herrlichen Melodien unter.

Die exzellenten Musiker folgen ihm auf der vordersten Stuhlkante. Nur im ersten Satz der Jupiter-Sinfonie zeigen sie kleine Zeichen von Müdigkeit, da klingen sie mal etwas fahl. Doch schon bald geht es auf höchstem Niveau weiter. Am Ende: Begeisterungsstürme. Ein Jammer, dass Mozart in Sinfoniekonzerten heute so selten gespielt wird, zumal in dieser Qualität.

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