In den USA hat sich Solange bereits einen Namen gemacht – und das nicht nur, weil sie mit Beyoncé eine berühmte Schwester hat. Jetzt schwappt ihr kreativer Soul auch nach Europa.

Mit der großen Schwester Beyoncé hat Solange Stilbewusstsein und Schönheit gemein.
Mit der großen Schwester Beyoncé hat Solange Stilbewusstsein und Schönheit gemein.

Mit der großen Schwester Beyoncé hat Solange Stilbewusstsein und Schönheit gemein.

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Mit der großen Schwester Beyoncé hat Solange Stilbewusstsein und Schönheit gemein.

Düsseldorf. 2013 verspricht ein Jahr des Rhythm and Blues, kurz R’n’B, zu werden. Allein aus der Familie Knowles kündigen sich mehrere Highlights an: Den Fans steht neben einem neuen Beyoncé-Album nicht nur die Wiedervereinigung ihrer Band Destiny‘s Child bevor. Auch das mit Spannung erwartete dritte Album ihrer jüngeren Schwester Solange soll im Sommer erscheinen.

Um sich gebührend zurück zu melden, leitet die 26-Jährige ihr Comeback mit einem vielversprechenden Songpaket ein: Nach dem Achtungserfolg ihres zweiten Albums „Sol-Angel and the Hadley St. Dreams“ (2008), das in den USA um die 150.000 Mal verkauft wurde, legt Solange nun sieben neue Stücke vor: „True“ ist ihre erste EP (Extended Play), die sie nicht nur selbst besungen, sondern auch gleich selbst verfasst hat. „Mit neun Jahren habe ich angefangen Musik zu schreiben, meine große Liebe und Leidenschaft“, sagt die in Houston, Texas, aufgewachsene Sängerin.

Schon mit neun hat Solange erste eigene Songs geschrieben

Während die kleine Solange damals, im Jahr 1995, erste Schritte im Songschreiben tat, war bei Familie Knowles alles im Umbruch: Vater Mathew schmiss nämlich seinen Job als Verkäufer medizinischer Geräte, um sich fortan voll und ganz um das Management seiner älteren Tochter Beyoncé zu kümmern. Die brauchte gerade Hilfe: Fünf Jahre nach Gründung der Band Girl‘s Tyme, in der Beyoncé Sängerin war, kündigte Elektra Records (Warner) den Vertrag, ohne eine Platte veröffentlicht zu haben.

Doch mit Mathew Knowles Vollzeit-Engagement wendete sich das Blatt. Während Solange Ballettstunden nahm und gar nicht genug vom Tanzen bekam, benannte sich die Band ihrer Schwester 1996 in Destiny‘s Child um und erhielt ein Jahr später einen neuen Plattenvertrag von Columbia Records (Sony).

Solange war elf Jahre alt, als Destiny’s Child „Killing Time”, eine ihrer ersten Aufnahmen, zum Soundtrack des Kinohits „Men in Black“ mit Will Smith beisteuern konnten. Im Stillen verfolgte sie die sich anbahnende Karriere nicht ohne auch selbst aktiv zu werden. „Ich wuchs dabei auf, meine Schwester im Studio zu sehen“, sagte sie der Londoner Tageszeitung Evening Standard, „und machte mir während der Aufnahmen heimlich Notizen.“

Als Tänzerin von Destiny’s Child wurde Solange klar: Musik ist es!

Kurzkritik: Solange Knowles zelebriert auf ihrer Comeback-EP „True“ feinsten Retro-R’n’B: Während ihr letztes Album stilistisch eng am 1960er- beziehungsweise 1970er-Motown-Soul angelehnt war, färben sie und ihr Co-Produzent und -Songschreiber Devonté Hynes (Blood Orange) die neuen Songs mit der Atmosphäre der schwarzen Popmusik der späten 1980er-Jahre. Gesanglich muss sich die kleine Schwester von Beyoncé vor niemandem verstecken und Ideen hat sie auch genug. Die vorab als Download veröffentlichte Single „Losing You“ macht sogar unverkennbar deutlich, dass für sie selbst Madonna eine Inspirationsquelle ist. Auch wenn auf der EP die Anzahl der eingängigen Kracher-Hits und Ohrwürmer rar ist, steckt in diesem Mini-Album unterm Strich eine kreative Vielfalt, die Solange den Weg in die Liga ihrer Schwester ebnen könnte. Sprich: Ganz nach oben!

 

Highlight: Der vertrackte Rhythmus von „Locked in Closets“ erinnert stark an den legendären Tüftler-Sound des frühen Prince.

Als dann eine Stammtänzerin von Destiny’s Child wegen Schwangerschaft ausfiel, fragte Beyoncé ihre kleine Schwester, ob sie nicht Lust hätte, als Ersatz mit ihr auf Welttournee zu kommen. Da war sie erst 13, und spätestens jetzt war ihr klar, was sie einmal werden wollte. „Schon in diesem Alter hatte ich entschieden, dass ich zwar Musik machen, aber trotzdem ein normales Leben führen wollte.“ Doch Columbia Records ließ sich auf keinen Vertrag mit ihr ein, da sie dem Label klar machte, totale künstlerische Kontrolle behalten zu wollen.

Das Schreiben eigener Lieder war Solange immer sehr wichtig – ihr Debütalbum „Solo Star“ (2003), das sie unter anderem mit Produzent Timbaland aufnahm, musste sie dennoch allein promoten. Parallel dazu begann sie eine zweite Karriere als Schauspielerin, wurde schwanger und heiratete mit 17 den Footballspieler Daniel Smith – eine Ehe, die nur vier Jahre halten sollte.

Solange zieht ihren Sohn alleine auf

In dieser Zeit ließ sie ihre musikalische Tätigkeit trotzdem nie ruhen. Sie schrieb Stücke wie „Get Me Bodied“ und „Upgrade U“, die ihre Schwester als Singles ihres zweiten Soloalbums („B’Day“, 2006) zu Hits machte. Obwohl Solanges eigenes Zweitwerk „Sol-Angel and the Hadley St. Dreams“ und die begleitende Tournee bei Fans wie Kritikern gut ankamen, stellte sich die Arbeit am dritten Album unter der Doppelbelastung als alleinerziehende Mutter eines Jungen als extrem kräftezehrend für sie heraus.

Anders als beim motownlastigen Vorgänger hat sich Solange mithilfe des kanadischen Elektronikduos Chromeo und dem Rapper Pharrell am Sound des New Wave aus den 1980er-Jahren inspiriert. Während Beyoncé mit ihren kommenden Veröffentlichungen die Rückkehr des klassischen R’n’B ankündigt, fährt Solanges vorab gestartete EP „True“ mit der Single „Losing You“ eine Retromischung aus R&B und 1980er-Groove auf. Die hitverdächtige Melange ist gut gelaunt, kurzweilig und macht Lust auf mehr – ein gelungener Start ins R’n’B-Jahr 2013.

Bislang einziger Konzerttermin für Deutschland: 20. Januar, 20 Uhr, Prince Charles, Berlin.

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