US-Tenor John Easterlin (M) als Andy Warhol in der Oper «The Perfect American». Foto: Javier del Real/Teatro Real
US-Tenor John Easterlin (M) als Andy Warhol in der Oper «The Perfect American». Foto: Javier del Real/Teatro Real

US-Tenor John Easterlin (M) als Andy Warhol in der Oper «The Perfect American». Foto: Javier del Real/Teatro Real

dpa

US-Tenor John Easterlin (M) als Andy Warhol in der Oper «The Perfect American». Foto: Javier del Real/Teatro Real

Madrid (dpa) - Der Mythos von Walt Disney wird angekratzt, aber keineswegs zerstört. Die Oper «The Perfect American» des US-Komponisten Philip Glass, die in Madrid uraufgeführt wurde, geht mit dem Erfinder von Zeichentrickfiguren wie Mickey Mouse und Donald Duck gnädig um.

Das Publikum im Opernhaus Teatro Real nahm das Werk des Avantgarde-Musikers am Dienstagabend mit «Bravo»-Rufen und langem, wenn auch nicht überschwänglichem Beifall auf.

Die Uraufführung der Oper, die der künstlerische Direktor Gerard Mortier bei dem Komponisten in Auftrag gegeben hatte, war mit Spannung erwartet worden; denn das Werk sollte die finsteren Seiten Disneys aufzeigen. Das Libretto stützt sich auf den Roman «Der König von Amerika», in dem Peter Stephan Jungk den Begründer der Traumfabrik als einen ziemlich unsympathischen Gesellen darstellt. Der österreichisch-amerikanische Autor beschreibt Walt Disney als einen Egozentriker, Frauenhasser und Rassisten.

Der 75-jährige Glass schwächt die Kritik jedoch ab und versöhnt am Ende das Publikum mit dem Gründer des Zeichentrick-Imperiums. «Der Komponist begnadigt Disney», schrieb die Zeitung «El Mundo» am Mittwoch. «Glass schwächt die Zweifel an dem Mythos nach Kräften ab. Anscheinend hat er wohl auch Selbstzensur geübt.»

Genau dies würde der Amerikaner bestreiten, der in der Musikszene als ein experimentierfreudiger Schöpfer und einer der wichtigsten Vertreter des musikalischen Minimalismus geschätzt wird. Glass hatte im Vorfeld der Uraufführung immer wieder darauf hingewiesen, dass es ihm nicht darum gehe, Disney in Grund und Boden zu verdammen. «Ich bewundere Leute, die es fertigbringen, Brücken zu schlagen zwischen einfacher Unterhaltung und anspruchsvoller Kunst», betonte der Komponist.

Mickey Mouse und die anderen berühmten Figuren kommen in der Oper nicht vor. «The Perfect American» befasst sich vielmehr mit den letzten drei Monaten im Leben von Walt Disney. Eine Szene zeigt den Gründer der Traumfabrik - dargestellt von dem britischen Bassbariton Christopher Purves - im Fadenkreuz eines Teleskops. Dies hat eine doppelte Bedeutung: Mit seinem Leben geht es zu Ende, und sein Mythos gerät ins Visier. Disney war 1966 im Alter von 65 Jahren an Lungenkrebs gestorben.

«Glass geht sehr nachgiebig und zuweilen sogar etwas süßlich mit der Hauptfigur um», bemängelte die Zeitung «ABC». Auch «El Mundo» äußerte Bedenken: «Nachdem der Vorhang gefallen ist, befallen den Zuschauer Zweifel, ob dieses Werk wirklich nötig war. Die Musik ist ausgezeichnet, aber dazu hätte es keiner Oper bedurft. Ein symphonisches Poem wäre angemessener gewesen.»

Die Oper ist die erste, die sich mit der legendären Figur Disneys befasst. Die Koproduktion des Teatro Real und der English National Opera wird bis zum 6. Februar in Madrid und im Juni in London aufgeführt. Die Idee zu der Oper hatte Mortier. Die Uraufführung im Teatro Real gilt als der Höhepunkt in der bisherigen Amtszeit des Belgiers. Der frühere künstlerische Leiter der Salzburger Festspiele war in Madrid angetreten mit dem Vorsatz, das Teatro Real in die Gruppe der führenden Opernhäuser in Europa einzureihen.

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